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Nicht jeder kann es sich im Alter so gut gehen lassen. Vor allem die Pflegekosten in Heimen überfordern viele Familien.
Nicht jeder kann es sich im Alter so gut gehen lassen. Vor allem die Pflegekosten in Heimen überfordern viele Familien.(Foto: picture alliance / dpa)

Förderung für Zusatzversicherungen: Was leistet der Pflege-Riester?

Die Bundesregierung bringt eine geförderte Pflegezusatzversicherung auf den Weg. Was kostet sie? Wer kann von ihr profitieren? Und warum ist die Versicherung überhaupt nötig? n-tv.de beantwortet die wichtigsten Fragen zur Neuregelung.

Die neue Zusatzversicherung hat den Spitznamen "Pflege-Riester". Ein Name, der für Verwirrung sorgt. Denn ausgeheckt hat sie eigentlich Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr von der FDP und nicht der Vater der staatlich geförderten Altersvorsorge Walter Riester. Abgesehen von ihrem Namen wirft die Pflegezusatzversicherung noch etliche weitere Fragen auf. n-tv.de beantwortet die Wichtigsten.

Warum ist eine Pflegezusatzversicherung grundsätzlich nötig?

Pflegebedürftigkeit wird zunehmend zum Problem, weil immer mehr Menschen immer älter werden. So nahm die Zahl derer, die sich allein nicht mehr helfen konnten, zwischen 1999 und 2009 um 16 Prozent auf 2,3 Millionen zu. Experten erwarten, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 auf 3,4 Millionen steigt. Die Pflegeversicherung wurde 1995 als Pflichtversicherung eingeführt. Die Beiträge entrichten Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte.

Die FDP und ihr Gesundheitsminister Bahr mussten einen Preis für die Zusatzversicherung zahlen. Sie stimmten dem Betreuungsgeld zu.
Die FDP und ihr Gesundheitsminister Bahr mussten einen Preis für die Zusatzversicherung zahlen. Sie stimmten dem Betreuungsgeld zu.(Foto: picture alliance / dpa)

Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt wie eine Teilkasko die Kosten aber nur zum Teil ab. Der größere Rest bleibt an den Betroffenen hängen. Derzeit erhalten Menschen, die in Pflegestufe 1 in Heimen betreut werden, monatlich 450 Euro, 1100 Euro in Stufe 2 und 1550 Euro in Pflegestufe 3. In dieser letzten Stufe kostet ein Heimplatz in der Regel aber mehr als 3000 Euro. Diese Differenz soll die Zusatzversicherung verringern.

Was kostet eine private Zusatzversicherung?

Wer alle drei Pflegestufen absichern will, zahlt als Mann in den Altersstufen 25/35/45 Jahre monatlich derzeit etwa 11, 18 oder 29 Euro. Für 50-Jährige sind es bereits knapp 37 Euro. Für Frauen liegen die Beträge bei 17, 27 und 44 Euro, für 50-Jährige bei 57 Euro im Monat. Billiger wird es nächstes Jahr für Frauen mit Inkrafttreten der neuen "Unisex-Tarife". Im Gegenzug müssen Männer dann mehr bezahlen.

Kern der Neuregelung ist eine staatliche Förderung der Beiträge. Wer kann den Zuschuss bekommen?

Den Zuschuss sollen grundsätzlich alle bekommen, die zusätzlich zur gesetzlichen Pflicht-Versicherung für den Pflegefall vorsorgen. Dann gibt es als Anreiz vom Staat im Jahr 60 Euro oder im Monat fünf Euro dazu, und zwar unabhängig vom Einkommen.

Gibt es Einschränkungen zum Beispiel für besonders alte Versicherte?

Eine Altersbeschränkung ist nicht vorgesehen. Versicherer dürfen keinen Bewerber ablehnen und keine Gesundheitsprüfung verlangen. Allerdings soll es dem Vernehmen nach eine fünfjährige Karenzzeit geben. Leistungen werden also erst nach dieser Zeit erbracht.

Wie viel Geld steht für die Förderung insgesamt zur Verfügung?

Eingeplant sind zunächst rund 100 Millionen Euro pro Jahr. Bei dieser Obergrenze soll es bleiben. Das Geld reicht rein rechnerisch für die Förderung von 1,67 Millionen Policen. Fraglich ist, ob die derzeit schon abgeschlossenen gut 1,9 Millionen privaten Pflege-Policen in die Förderung einbezogen werden.

Reichen die Mittel dann aus?

Das wird die Nachfrage zeigen. Würden acht Millionen Bürger mitmachen, wären 480 Millionen Euro an Fördergeldern fällig. Bei 15 Millionen Verträgen - so viele Policen gibt es derzeit für die als Vorbild dienende Riester-Rente - wären es 900 Millionen Euro, die der Staat zuschießen müsste. Die Vorgabe, keinen Bewerber ablehnen zu dürfen, könnte die Prämien deutlich in die Höhe treiben.

Wann tritt die Neuregelung in Kraft?

Monatelang rangen CDU, CSU und FDP um das Projekt. Letztlich gelang es Gesundheitsminister Bahr und seinen Liberalen das Vorhaben Irrsinn Betreuungsgeld im Bundeskabinett zu beschließen. Es soll schon 2013 in Kraft treten. Der Bundestag muss zunächst zustimmen.

Ist der Pflege-Riester der große Wurf?

Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbände "So kann man nicht regieren" als Klientelpolitik zugunsten der Versicherungswirtschaft. Geringverdiener könnten sich eine private Zusatzversicherung gar nicht leisten. Die Kritiker fordern, das zunehmende Pflegerisiko durch höhere Beiträge zur solidarischen Pflegeversicherung abzudecken. Im staatlichen Zuschuss sehen sie eine Vergeudung von Steuergeldern.

Quelle: n-tv.de

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