Politik
(Foto: AP)
Mittwoch, 28. September 2016

"Kein Wasser, Strom, Treibstoff": Weißhelme geben Aleppo noch einen Monat

UN-Generalsekretär Ban nennt Assads Offensive in Aleppo "eiskalte militärische Eskalation". Der Chef der syrischen Weißhelme befürchtet Massaker an der Zivilbevölkerung und sagt: Die Stadt hält noch maximal einen Monat durch.

Der Chef der syrischen Weißhelme hat vor dem völligen Zusammenbruch der Versorgung in der umkämpften Stadt Aleppo und einem "Völkermord" gewarnt. Die "zivilen Einrichtungen werden nicht in der Lage sein, noch länger als einen Monat die Versorgung sicherzustellen", sagte Raed Saleh. "Es wird kein Wasser und keinen Strom mehr geben, keinen Treibstoff, Krankenhäuser werden nicht mehr arbeiten können. Wenn es so weitergeht, rechne ich mit einem Völkermord."

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Saleh befürchtet "Massaker" an der Zivilbevölkerung in Aleppo; noch harren in der Trümmerstadt rund eine Viertelmillion Menschen aus. Wenn sie versuchen würden zu fliehen oder wenn Aleppo falle, seien die Menschen den Angreifern ausgeliefert. "Wir fürchten, dass ihnen Massaker oder Entführungen drohen oder vielen von ihnen Haft", sagte Saleh.

Die Zivilbevölkerung würde "jede Gelegenheit" zur Flucht nutzen, aber es gebe keinerlei sichere Zuflucht und keinerlei Schutz. Auch die Weißhelme, die sich aus der Bevölkerung rekrutierten, seien durch die Truppen von Präsident Baschar al-Assad tödlich bedroht. Ein weiteres Krankenhaus wurde indes nach Luftangriffen evakuiert. Der Stromgenerator war ausgefallen. Ein Arzt sagte, Schutt sei auf die Patienten der Intensivstation gefallen. Sie wurden in ein anderes Krankenhaus verlegt.

Saleh: Politischer Wille statt Resolutionen nötig

Die Weißhelme, die sich offiziell "Syrischer Zivilschutz" nennen, helfen den zivilen Opfern in dem Bürgerkriegsland. Die rund 3000 Männer und Frauen waren zu Friedenszeiten Bäcker, Schneider, Verkäufer oder Lehrer. Seit 2013 riskieren sie als Feuerwehrleute, Sanitäter, Such- und Rettungskräfte ihr Leben, um Menschen aus Trümmern zerstörter Häuser zu retten und zerstörte Infrastruktur wiederaufzubauen. Zuletzt erhielten sie den Alternativen Nobelpreis.

Laut Saleh war Aleppo seit dem Ende der brüchigen Waffenruhe am 9. September Ziel von rund 1700 Luftangriffen der syrischen und russischen Luftwaffe. Darunter seien 19 Angriffe mit bunkerbrechenden Bomben gewesen, die ganze Straßenzüge wie nach einem Erdbeben zurücklassen. Fast 200 Streubomben und Brandbomben seien zum Einsatz gekommen. Es habe "1000 Opfer, Tote wie Verletzte" gegeben. Salehs Zahlen entziehen sich einer unabhängigen Überprüfung, aber die jüngsten Angriffe wurden international scharf verurteilt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die "eiskalte militärische Eskalation".

Saleh sieht keinen Bedarf mehr an weiteren UN-Resolutionen. Nötig sei ein "Gewissen", um bei den Weltmächten den "politischen Willen" hervorzubringen, das Töten in Syrien zu stoppen und die mutmaßlichen Kriegsverbrecher zur Rechenschaft zu ziehen.

Quelle: n-tv.de

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