Politik

Terror-Zugriff in Rotterdam kritisiertWeiterer Somalier freigelassen

27.12.2010, 17:58 Uhr
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In den Niederlanden leben rund 27.000 Somalier. (Foto: AP)

Die Anti-Terror-Aktion am Heiligabend in Rotterdam wirft immer mehr Fragen auf. Sechs der zwölf Festgenommenen Somalier sind wieder auf freien Fuß, der Terrorverdacht hatte sich nicht bestätigt. Ein Anwalt der Beschuldigten richtet massive Vorwürfe gegen den niederländischen Geheimdienst. Dieser glaubt immer noch, einen Terroranschlag verhindert zu haben.

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Die Staatsanwaltschaft ist sich immer noch sicher, einen Terroranschlag verhindert zu haben. (Foto: AP)

Drei Tage nach einem Großeinsatz

gegen mutmaßliche Terroristen aus Somalia in den Niederlanden ist ein weiterer der

zwölf dabei festgenommen Männer freigelassen worden. Der Terrorismusverdacht gegen

den 32-Jährigen habe sich nicht bestätigt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie

hatte am Sonntag bereits die Haftentlassung von fünf Somaliern angeordnet.

Über das Schicksal der jetzt

noch sechs in Polizeigewahrsam befindlichen Männer solle am Dienstag entschieden

werden, erklärte ein Justizsprecher.

Quellen in den Niederlanden, Kenia und Somalia hatten zuvor bestätigt, dass mehrere der Festgenommenen mit der Islamisten-Miliz Al-Shabaab in Verbindung gestanden haben sollen. Einer von ihnen sei sogar verwandt mit dem Al-Shabaab-Kommandeur Mohammed Garmashago. Die somalische Al-Shabaab arbeitet nach Ansicht von Experten mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida zusammen.

Die Festnahmen waren nach Warnungen des niederländischen Geheimdienstes AIVD vor einem möglicherweise kurz bevorstehenden Anschlag erfolgt. Fünf der Festgenommenen wurden bereits Sonntagabend wieder freigelassen, nachdem sich der Verdacht gegen sie nicht bestätigte.

Behörden sollen Fehler gemacht haben

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Das Internetcafé der beschuldigten Somalier in Rotterdam. (Foto: AP)

Derweil wurde Kritik am Vorgehen der Behörden laut. "Anders als durch Fehler des AIVD ist nicht erklärbar, dass Verdächtige so schnell wieder freigelassen werden müssen", sagte der Rechtsanwalt Michael Ruperti, der zwei der Somalier vertritt, vor Reportern. Er forderte eine unabhängige Untersuchung. Die Terror-Ermittler hatten bei den Somaliern Computer beschlagnahmt, aber weder Waffen noch Sprengstoff gefunden. Auch ein Anschlagziel wurde bislang nicht bekannt.

Die niederländisch-somalischen Stiftung Nedsom nannte die Festnahmen besorgniserregend. "Das ist wieder ein Schlag, damit wird das Stigma verstärkt, das unserer Gemeinschaft anhaftet", sagte Nedsom-Vertreter Guled Yusuf Ahmed. Somalier würden schnell "mit Piratentum und Dschihadismus assoziiert". In den Niederlanden leben rund 27.000 Somalier. Der Anteil von Sozialhilfeempfängern und Arbeitslosen unter ihnen ist überdurchschnittlich groß.

Möglicherweise Anschlag verhindert

Die Staatsanwaltschaft verteidigte die Festnahmen und Razzien in vier Wohnungen und zwei Internetshops. Die Aktionen am Heiligabend seien "in erster Linie darauf gerichtet gewesen, einem möglichen Anschlag zuvorzukommen". Angehörige und Freunde beteuerten die Unschuld der Festgenommenen im Alter zwischen 19 und 48 Jahren. Sechs von ihnen haben die niederländische Staatsbürgerschaft, andere haben Aufenthaltsgenehmigungen, darunter zwei in Dänemark ausgestellte.

Die radikalislamische Miliz Al-Shabaab will in Somalia einen islamischen Gottesstaat errichten. Die Gruppe kontrolliert große Teile des Krisenstaats am Horn von Afrika, der seit 1991 keine stabile Regierung mehr hat. Auch ausländische Kämpfer haben sich den Islamisten angeschlossen. Islamistische Hassprediger hatten in den letzten Monaten im Internet zu Vergeltungsaktionen für anti-islamische Ausfälle des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders aufgerufen.

Quelle: dpa