(Foto: picture-alliance/ dpa)
Dienstag, 20. Oktober 2009
Noch sieben Wochen bis Kopenhagen: Wenig Hoffnung auf Klima-Erfolg
Rund sieben Wochen vor dem Weltklimagipfel im dänischen Kopenhagen macht sich UN-Klimasekretär Yvo de Boer nur wenig Hoffnung auf den Abschluss eines neuen Klimaabkommens. Angesichts der knappen Zeit glaube er nicht, dass es den Staats- und Regierungschefs im Dezember gelingen werde, sich auf einen rechtlich bindenden internationalen Vertrag zu einigen, sagte de Boer der "Financial Times".
Wahrscheinlicher sei, dass ein politischer Rahmen zu den Maßnahmen gegen den Klimawandel und der Reduzierung von Treibhausgasemissionen abgesteckt werde. "Wir müssen uns darauf konzentrieren, was realistisch umsetzbar ist", sagte er. Dieser Rahmen könne etwa individuelle Reduktionsziele für Industrie- und Entwicklungsländer festlegen und "hoffentlich auch ein langfristiges Ziel verankern", sagte der UN-Klimasekretär. Auf dem Gipfel in Kopenhagen soll ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll gefunden werden.
International sind Klimaforscher einig, dass die globale Erwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf zwei Grad beschränkt werden muss, wenn der Klimawandel beherrschbar bleiben soll. Wissenschaftler haben errechnet, dass die Menschheit im Zeitraum zwischen 2000 und 2050 nur 1000 Milliarden Tonnen CO2 emittieren darf, wenn das Risiko, die Zwei-Grad-Grenze zu überschreiten, auf 25 Prozent begrenzt werden soll. Ein Drittel dieser Menge wurde bereits zwischen 2000 und 2008 emittiert.
EU streitet über Klimahilfen
Derweil streitet die Europäische Union um Finanzzusagen für die Entwicklungsländer. Der schwedische Finanzminister Anders Borg, dessen Land derzeit den EU-Ratsvorsitz innehat, sprach beim Finanzministerrat in Luxemburg von "schwierigen Verhandlungen". Deutschland und eine Reihe anderer Mitgliedsländer lehnen es Diplomaten zufolge ab, armen Ländern bereits jetzt konkrete Hilfszusagen zu machen.
Greenpeace rief die EU zu ehrgeizigen Beschlüssen auf. Die Finanzfrage sei der Knackpunkt für den Abschluss eines Nachfolgeabkommens zum Kyoto-Protokoll, erklärte Klimaexperte Joris den Blanken in Brüssel. In Kopenhagen sollen sich vom 7. bis 18. Dezember neben den USA erstmals auch Schwellen- und Entwicklungsländer auf konkrete Klimaziele verpflichten.
Die EU-Kommission beziffert den Finanzbedarf der Entwicklungsländer beim Klimaschutz auf maximal hundert Milliarden Euro jährlich bis 2020. Die EU könnte zwei bis 15 Milliarden Euro im Jahr zuschießen. Die Bundesregierung drängte dem Vernehmen nach darauf, diese Zahlen aus dem Verhandlungsmandat für Kopenhagen zu streichen. Den Streit muss voraussichtlich der EU-Gipfel am 29. und 30. Oktober in Brüssel lösen.
hvo/AFP
Hintergründe zur Nachricht
Bilderserien zur Nachricht
Politik
-
Schlag gegen Terror-Organisation
Eta-Anführer gehen ins Netz
-
Noch mehr Tote bei Massaker in Hula
UN-Sicherheitsrat verurteilt Syrien scharf
-
Parade in Moskau geplant
Polizei nimmt Homosexuelle fest
-
Entschädigung der Zwangsarbeiter
Seehofer macht Druck
-
Neue Lyrik über Griechenland
Spott ergießt sich über Grass
-
Wieder tote Zivilisten in Afghanistan
Nato-Bomben töten Familie
-
Umstrittenes Atomprogramm
Iran baut zweites AKW
-
Mehr als 30 tote Kinder
Massaker sorgt für Empörung
-
Rückbau der Atomruine dauert 30 Jahre
Abklingbecken sicher vor Beben
-
Anerkennung von Gesundheitsschäden
SED-Opfer warten jahrelang
-
Idealer SS-Mann und blonde Bestie
Aufstieg und Tod des Reinhard Heydrich
-
Deutsche Interessen vernachlässigt?
Steinbrück: Kanzlerin vereinsamt