Spätestens seit dem Frühjahr 2007 ist es nicht mehr zu übersehen: Das Essen wird knapp.Bild 1 von 95 Hungernde plünderten in Haiti, ...Bild 2 von 95 ... sie schlugen sich um Brot in Ägypten, ...Bild 3 von 95 ... sie gingen weltweit auf die Straßen.Bild 4 von 95 Bei Unruhen starben im April allein in Kamerun mehr als 100 Menschen.Bild 5 von 95 Der Grund für die Protestwelle: Die Preise für Nahrung steigen rund um den Globus rasant - und mit ihnen der Hunger.Bild 6 von 95 "Allein zwischen Juni 2007 bis April 2008 sind die Preise für Reis, Mais, Soja und Weizen um 55 Prozent in die Höhe geschossen", sagt Ralf Südhoff vom UN-Welternährungsprogamm WFP gegenüber n-tv.de.Bild 7 von 95 Der Weizenpreis stieg innerhalb von zwölf Monaten um 120 Prozent.Bild 8 von 95 "Was wir gerade sehen, ist eine immense Herausforderung im Kampf gegen den Hunger", so Südhoff.Bild 9 von 95 Die Weltbank spricht offen von einer Lebensmittelkrise - und warnt vor weiteren Unruhen und Aufständen.Bild 10 von 95 "Es geht nicht nur um eine ausgefallene Mahlzeit oder Unruhen", sagt der Chef der Entwicklungshilfeorganisation in Washington, Robert Zoellick.Bild 11 von 95 "Die Armen im Jemen geben inzwischen mehr als ein Viertel ihres Einkommens nur für Brot aus. Ausgaben für Kindernahrung, Gesundheit oder Behausung müssen hinten anstehen."Bild 12 von 95 In Bangladesch, tausende Kilometer entfernt, verschlingt der Preis für einen Zwei-Kilo-Sack Reis mittlerweile fast die Hälfte des täglichen Familieneinkommens.Bild 13 von 95 "Weil sie nirgendwo sonst sparen können, bedeutet das - weniger Mahlzeiten", so Zoellick.Bild 14 von 95 Nicht nur die Ärmsten sind betroffen. "In vielen Ländern ist nun auch die Schicht der Zweitärmsten vom Hunger bedroht", so Südhoff.Bild 15 von 95 Seit Anfang 2008 können sich gut 100 Millionen Menschen zusätzlich nicht genug Essen kaufen.Bild 16 von 95 Das International Food Policy Research Institute in Washington hat errechnet: Wenn die Nahrungsmittelpreise um ein Prozent steigen, sind zusätzlich 16 Millionen Menschen von Hunger bedroht.Bild 17 von 95 Schon Ende 2007 hungern mehr als 850 Millionen Menschen, rund jeder Siebte weltweit.Bild 18 von 95 25.000 Menschen sterben täglich an den Folgen des Hungers.Bild 19 von 95 "Im Jahr 2005 hat der Hunger mehr Menschen getötet als alle in diesem Jahr geführten Kriege zusammen", sagt Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.Bild 20 von 95 "Heute stirbt alle fünf Sekunden ein Kind unter zehn Jahren an Hunger oder an mit Unterernährung verknüpften Krankheiten."Bild 21 von 95 Dabei sieht der Tod durch Hunger nicht immer so aus, wie spektakuläre Bilder suggerieren.Bild 22 von 95 Nur die wenigsten Hungernden befinden sich in einer akuten Notsituation und verhungern tatsächlich.Bild 23 von 95 Die meisten leiden vielmehr - von der Weltöffentlichkeit unbeachtet - ...Bild 24 von 95 ... oft über Jahre an täglicher Unterversorgung und dem Mangel an Nahrungsmitteln.Bild 25 von 95 "Der Körper versucht den Mangel zu kompensieren, indem er die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit herunterdrosselt", stellt das UN-Welternährungsprogramm fest.Bild 26 von 95 "Ein hungriger Mensch kann sich weder konzentrieren noch Initiative ergreifen. ...Bild 27 von 95 ... Ein Kind verliert jeden Antrieb zu spielen oder zu lernen."Bild 28 von 95 Das Immunsystem Hungernder ist geschwächt, die Gefahr, an Krankheiten wie Masern, Durchfall oder einer Grippe zu sterben, steigt rapide.Bild 29 von 95 Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sind weltweit 150 Millionen Kinder chronisch unterernährt.Bild 30 von 95 500.000 Kinder erblinden jährlich aufgrund von Vitamin-A-Mangel.Bild 31 von 95 Jodmangel, unter dem weltweit 780 Millionen Menschen leiden, kann zu Gehirnschäden und Missbildungen führen.Bild 32 von 95 "Erwachsene, die als Kinder unterernährt waren, sind körperlich und geistig weniger produktiv, haben einen niedrigeren Ausbildungsgrad und Verdienst und sind häufiger krank", heißt es im Welthunger-Index 2007.Bild 33 von 95 Weltbankchef Zoellick spricht von "intellektueller wie auch körperlicher Verkrüppelung" als Folge des Hungers.Bild 34 von 95 Dem Welthunger-Index zufolge hat die Unterernährung in 36 Ländern bedrohliche Ausmaße angenommen.Bild 35 von 95 In Afrika, südlich der Sahara, liegen 25 der betroffenen Länder, in Asien sind es neun, je eines liegt im Nahen Osten und in Lateinamerika.Bild 36 von 95 Rein zahlenmäßig leben die meisten Hungernden, zum Großteil paradoxerweise Kleinbauern, noch immer in Asien.Bild 37 von 95 Mehr als 220 Millionen haben im aufstrebenden Schwellenland Indien nicht genug zu essen.Bild 38 von 95 "Hunger betrifft meist Länder, in denen schon eine andere Krise im Gange ist", sagt WFP-Experte Südhoff gegenüber n-tv.de.Bild 39 von 95 Deutlich zeigt sich dies in den afrikanischen Kriegsregionen.Bild 40 von 95 Als Folge der bewaffneten Auseinandersetzungen hungern Millionen Menschen unter anderem in der Demokratischen Republik Kongo, in Burundi, im Sudan, in Somalia.Bild 41 von 95 Die Flüchtlinge können sich nicht selbst ernähren, die Felder sind vermint, die Ernte zerstört.Bild 42 von 95 Regierungen tragen durch Korruption und Missmanagement ebenfalls zum Hunger in ihren Ländern bei.Bild 43 von 95 Das verarmte, aber hoch gerüstete Nordkorea ist seit Jahren auf Lebensmittellieferungen angewiesen.Bild 44 von 95 Mehr als 6,5 Millionen Menschen laufen Gefahr, nicht genügend zu Essen zu bekommen.Bild 45 von 95 "Die Nahrungsmittelversorgung in Nordkorea ist ganz schlecht und verschlechtert sich weiter", warnt Tony Banbury vom WFP.Bild 46 von 95 Kaum besser die Lage in Simbabwe: Hier leiden durch die schwere Wirtschaftskrise sowie anhaltende Regenfälle mehr als vier Millionen Menschen unter Hunger.Bild 47 von 95 Afrika und Asien sind besonders betroffen vom Klimawandel, der zu immer heftigeren Regenfällen, Überschwemmungen oder Dürreperioden führt.Bild 48 von 95 Seit Mitte der 90er Jahre verdoppelte sich die Anzahl der Naturkatastrophen.Bild 49 von 95 Gleichzeitig steigt die Weltbevölkerungszahl rapide. In vierzig Jahren werden neun Milliarden Menschen auf der Erde leben.Bild 50 von 95 Hinzu kommt, dass rasant wachsende, bevölkerungsreiche Länder wie Indien, China und andere Schwellenländer immer mehr und höherwertige Nahrungsmittel verbrauchen.Bild 51 von 95 So nimmt in China der Fleischkonsum um rund 5 Prozent zu - pro Jahr.Bild 52 von 95 Das Problematische daran: Um ein Kilo Fleisch zu erhalten, muss man rund sieben Kilo Getreide in ein Rind stecken. Getreide, das anderswo fehlt.Bild 53 von 95 In Indien etwa nähmen inzwischen rund 300 Millionen Menschen eine zweite Mahlzeit am Tag ein, konstatiert Bundeskanzlerin Angela Merkel.Bild 54 von 95 "Wenn die plötzlich doppelt soviel Nahrungsmittel verbrauchen als sie das früher gemacht haben und dann auch noch 100 Millionen Chinesen beginnen Milch zu trinken, dann verzerren sich natürlich unsere gesamten Milchquoten und vieles andere", so die Kanzlerin.Bild 55 von 95 Das Recht auf Nahrung wird zum Problem; ...Bild 56 von 95 ... was Jupiter darf, steht dem Ochsen dann doch nicht zu.Bild 57 von 95 Dass zeigt sich auch in der Wirtschaftspolitik der führenden Industrienationen gegenüber den Entwicklungsländern - eine Politik, die viele als wesentlichen Grund für Armut und Hunger dort ausmachen.Bild 58 von 95 Einerseits verschließt der Westen noch immer seine Märkte für Waren aus Dritte-Welt-Ländern und macht es so deren Bauern und Händlern schwer, ihre Produkte zu ordentlichen Preisen zu verkaufen.Bild 59 von 95 Andererseits werden viele Entwicklungsländer mit hoch subventionierten Lebensmitteln aus dem Westen überschwemmt.Bild 60 von 95 Jeden Tag subventionieren die Industrieländer ihr Agrarsystem mit rund einer Milliarde Dollar.Bild 61 von 95 Ein Teil davon fließt, um Überschüsse zu Dumpingpreisen auf den Weltmarkt zu bringen.Bild 62 von 95 "Auf jedem Markt in Afrika können Sie europäisches Obst und Gemüse zur Hälfte oder zu einem Drittel des Preises der Inlandsprodukte kaufen", so Ziegler.Bild 63 von 95 Die Folgen für die Kleinbauern: Hunger und Ruin.Bild 64 von 95 Ähnlich sieht es der Weltagrarrat, ein Gremium aus 400 internationalen Experten. "Die ärmsten Entwicklungsländer verlieren in den meisten Liberalisierungs-Szenarien unter dem Strich", sagt Weltagrarrats-Chef Robert Watson, Chef-Wissenschaftler im britischen Umweltministerium.Bild 65 von 95 Entwicklungsländer werden als willkommene Absatzmärkte für industrielles Saatgut, Düngermittel und Pestizide betrachtet - ob es ihnen zum Vorteil gereicht oder nicht.Bild 66 von 95 Großkonzerne wie Monsanto, deren Saatgut jährlich neu erworben werden muss, bringen viele Kleinbauern in eine gefährliche Abhängigkeit.Bild 67 von 95 Der Weltagrarrat fordert daher im jüngsten Weltagrarbericht eine radikale Neuausrichtung der globalen Landwirtschaft.Bild 68 von 95 Die Experten warnen vor einem "immer zerstörteren und geteilteren Planeten" und plädieren für eine Rückbesinnung auf natürliche und nachhaltige Produktionsweisen.Bild 69 von 95 Ihr Argument: Die kapitalintensive Industrieproduktion unserer Nahrungsmittel in ihrer jetzigen Form zerstört Böden, Wasser und Artenvielfalt, trägt zum Klimawandel bei und nutzt einseitig den reichen Ländern.Bild 70 von 95 Ein besonderes Problem, das sie und viele andere Experten anprangern: Die wachsende Nachfrage nach Biotreibstoffen.Bild 71 von 95 Um der Ölknappheit zu trotzen und die selbst gesteckten Klimaschutzziele so bequem wie möglich zu erreichen, lässt der Westen Getreide als Biosprit in die Autotanks fließen und verteuert so das Brot der Ärmsten.Bild 72 von 95 2007 verarbeiteten die USA ein Drittel ihrer Maisernte zu Ethanol.Bild 73 von 95 "Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit" nennt der indische Finanzminister Palaniappan Chidambaram die Herstellung von Biosprit aus Nahrungsmitteln.Bild 74 von 95 Der UN-Sonderberichterstatter Ziegler fordert einen fünfjährigen Anbaustopp für Biotreibstoffe.Bild 75 von 95 Seine Position ist unmissverständlich: "Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet. ...Bild 76 von 95 ... Die Weltordnung, wie sie heute besteht, ist mörderisch. Und sie ist absurd, denn diese Morde geschehen ohne Notwendigkeit."Bild 77 von 95 Für ihn wie auch die Welternährungsorganisation FAO ist klar: "Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos zwölf Milliarden Menschen ernähren."Bild 78 von 95 Könnte sie vermutlich, wenn sie wollte. Doch geht dies von idealtypischen Zuständen aus.Bild 79 von 95 Jetzt erstmal sind die Speicher leer, die Lebensmittel knapp wie lange nicht.Bild 80 von 95 "Die Lagerbestände sind auf Pipeline-Niveau", warnt FAO-Ökonom Abdolreza Abbassia. Er rechnet damit, dass es noch eine Dekade dauern wird, um die Landwirtschaft an die neue Ära anzupassen.Bild 81 von 95 Dies setzt allerdings eine veränderte Landwirtschaftspolitik voraus: Mehr Hilfen für Kleinbauern, eine Ausweitung der Landwirtschaftsflächen, Produktivitätssteigerungen.Bild 82 von 95 Der Forscher Joachim von Braun vom International Food Policy Research Institute fordert weltweit 20 bis 30 Milliarden Dollar zusätzlich für Investitionen in die Forschung, die in vergangenen Jahren vernachlässigt worden sei.Bild 83 von 95 Es gibt aber auch Gewinner der derzeitigen Hungerkrise: Länder wie Brasilien und Argentinien, Großbauern, Börsenspekulanten.Bild 84 von 95 Lässt sich doch derzeit mit Lebensmitteln viel Geld verdienen.Bild 85 von 95 Seit Ende 2006 schießen die Agrarpreise an den Rohstoffbörsen steil in die Höhe.Bild 86 von 95 Wer rechtzeitig über Termingeschäfte in Weizen investierte, hat beispielsweise den Einsatz inzwischen verdoppelt.Bild 87 von 95 Und je höher die Preise klettern, desto mehr Kapital wird angelockt - was die Kurse weiter rasant steigen lässt.Bild 88 von 95 Für Großinvestoren wie Kleinanleger gleichermaßen bieten die Rohstoffbörsen nach der Kreditkrise und den Turbulenzen an den Aktienmärkten inzwischen eine lukrative Anlagemöglichkeit.Bild 89 von 95 Und Investment-Gurus wie Jim Rogers heizen mit heißen Tipps den Trend an: "Jeder von Ihnen sollte soviel Zucker kaufen, wie er kann. Der Preis für Zucker wird explodieren."Bild 90 von 95 Bis ins nächste Jahr hinein, lautet die Einschätzung der Weltbank, werden Nahrungsmittel noch einmal teurer. Danach gebe es einen allmählichen Sinkflug der Preise.Bild 91 von 95 Doch einen Grund zur Entwarnung sehen die Washingtoner Experten nicht: Bis 2015 werden die Preise vermutlich deutlich über dem Niveau von 2004 bleiben.Bild 92 von 95 Die Lebensmittel bleiben also auf Jahre knapp.Bild 93 von 95 "Die Welt weiß noch gar nicht, wie verwundbar sie wirklich ist", so Rohstoffexperte Rogers.Bild 94 von 95 Die Hungernden werden noch lange Grund zur Revolte haben. (Text: Gudula Hörr)Bild 95 von 95