Politik

Liste der deutschen Kinderporno-Kunden: Wie der Name Edathy öffentlich wurde

Rund 800 deutsche Kunden hatte der kanadische Kinderporno-Anbieter. Der Name des ehemaligen SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy befand sich auf einer Liste von 80 Personen mit geringer Priorität, die vom BKA an die Landeskriminalämter verschickt wurde.

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Dem Bundeskriminalamt ist die Brisanz des Falles Sebastian Edathy erst durch einen Hinweis der Polizei im niedersächsischen Nienburg klar geworden. "Es gab keine gezielte Übermittlung der Personalie Edathy an andere Bundesländer", betonte BKA-Präsident Jörg Ziercke nach einer Anhörung im Innenausschuss des Bundestages.

Das BKA habe im Oktober 2011 aus Kanada insgesamt 450 Gigabyte Beweismaterial zu etwa 800 deutschen Kunden erhalten. "Rund 500 Kunden hatten eindeutig kinder- und jugendpornografische Filme und Fotos bestellt und mit Kreditkarte bezahlt", sagte Ziercke. Etwa 300 Kunden hätten Filme und Foto-Sets bezogen, die aber in Deutschland nicht strafbar seien.

Der Name Sebastian Edathy schlug bei der Polizei in Nienburg ein "wie eine Bombe", sagte die SPD-Politikerin Eva Högl.
Der Name Sebastian Edathy schlug bei der Polizei in Nienburg ein "wie eine Bombe", sagte die SPD-Politikerin Eva Högl.(Foto: dpa)

Zunächst seien im Jahr 2012 443 Fälle mit eindeutig  kinderpornografischen Filmen abgearbeitet worden. Am 15. Oktober 2013 sei dann eine Liste mit 80 Personen geringerer Priorität an die 16 Landeskriminalämter verschickt worden. Auf dieser Liste stand auch der Name Edathy: "Dass es sich um den ehemaligen Abgeordneten handelte, war bis dahin nicht bekannt. Jeder wurde auf dieser Liste gleich behandelt", sagte Ziercke. Das LKA Niedersachsen habe eine Anfrage zur Bestelladresse des Materials aus Kanada an die zuständige Polizei Nienburg/Schaumburg weitergeleitet.

Das BKA habe schließlich am 15. Oktober 2013 erst durch den Rückruf eines Beamten aus Nienburg erfahren, dass es sich um den SPD-Politiker Edathy handle. Er selbst sei am Nachmittag des 15. Oktober im BKA unterrichtet worden und habe am 16. Oktober dann den damaligen Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Klaus-Dieter Fritsche, informiert. Dazu sei er verpflichtet gewesen, betonte Ziercke.

Quelle: n-tv.de

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