Politik
Szene von der griechisch-mazedonischen Grenze
Szene von der griechisch-mazedonischen Grenze(Foto: AP)

Flüchtlingsdrama in Griechenland : Wien: Merkel könnte Flüchtlinge holen

Österreich fühlt sich in der Flüchtlingskrise zu Unrecht von Deutschland kritisiert. Die Kontingent-Regelung sei gut für Österreich und für Deutschland, heißt es aus Wien. Wenn Deutschland dies nicht gefalle, könnte es die Flüchtlinge direkt aus Griechenland holen.

Die österreichische Regierung hat in scharfer Form auf die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel an ihrer Asylpraxis reagiert. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner sprach von einer Absurdität: Wien müsse sich "keinen Vorwurf gefallen lassen - von keiner Seite", sagte sie. Deutschland habe im Dezember selbst Tageskontingente eingeführt und damit einen "gewaltigen Rückstau bei uns" verursacht, sagte Mikl-Leitner. Für manche scheine die "europäische Lösung" darin zu bestehen, "dass sich alles in Österreich sammelt", fügte die Ministerin von der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP) hinzu.

Video

Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil sagte im Sender Ö1, Merkel habe gesagt, dass es in Deutschland formal keine Obergrenze gebe. "Dann würde ich sie einladen, dass sie diese Menschen, die in Griechenland jetzt ankommen ... direkt nach Deutschland holt", sagte der SPÖ-Politiker. Von der deutschen Kanzlerin vermisse er Antworten zur Flüchtlingsverteilung. Der einzige Vorschlag Merkels sei, die Balkanroute zu öffnen. "Und wenn die Balkanroute aufgemacht wird, laufen wir in Österreich Gefahr, dass wir zur Wartezone mitten in Europa werden", sagte Doskozil. Dies sei strikt abzulehnen.

Mikl-Leitner ergänzte mit Blick auf Merkel, offensichtlich setzten manche auf eine europäische Lösung, bei der sich alles in Österreich sammele. Dies werde Österreich verhindern. "Wir werden auch weiterhin bremsen und das Bremsen tun wir auch für Deutschland."

Merkel hatte am Sonntag in der ARD betont, alle Eurostaaten hätten im vergangenen Jahr nicht so hart für den Verbleib Griechenlands im Euroraum gekämpft, um ein Jahr später das Land ins Chaos zu stürzen. Sie kritisiere deshalb die Entscheidung Österreichs und einiger Balkan-Staaten, die Grenzen einseitig teilweise geschlossen zu halten, ohne sich mit der Regierung in Athen abzustimmen. "Wenn der eine seine Grenze definiert, muss der andere leiden. Das ist nicht mein Europa", sagte Merkel.

Nach Angaben aus Athen sitzen landesweit inzwischen etwa 22.000 Menschen in Griechenland fest, die weiterreisen wollen. Athen warnt, dass die Zahl bis März auf rund 70.000 ansteigen könnte. Im Laufe des Tages kamen immer mehr Menschen zum Grenzübergang Idomeni. Viele legten sich auf der griechischen Seite auf die Bahngleise. "Wir sind Menschen, keine Tiere", war auf Plakaten zu lesen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen