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Tausende Menschen sitzen in Idomeni fest.
Tausende Menschen sitzen in Idomeni fest.(Foto: AP)

Außenminister will Taten sehen: Wien fordert mehr Druck auf Athen

Österreich wirft Griechenland vor, Flüchtlinge noch immer einfach durchzuwinken. Außenminister Kurz ruft Athen nun dazu auf, die Flüchtlinge endlich aufzuhalten. Währenddessen erreichen weitere Hunderte den Hafen von Piräus.

Angesichts der dramatischen Bilder von der griechisch-mazedonischen Grenze fordert der österreichische Außenminister Sebastian Kurz, Druck auf Athen auszuüben, damit die Flüchtlinge in den Hotspots dort besser versorgt werden. "Wir müssen das Durchwinken von Griechenland nach Norden stoppen", sagte Kurz der "Süddeutschen Zeitung". "Denn es kann nicht sein, dass die, die es bis nach Griechenland schaffen, automatisch weiterreisen dürfen."

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Zwar strebe auch die Regierung in Wien eine europäische Lösung gemeinsam mit der Türkei an, so Kurz, doch er warnte davor, sich davon weniger schreckliche Bilder zu erwarten als jene, die derzeit von der mazedonisch-griechischen Grenze kämen. Es sei "moralisch nicht hochwertiger", so der Außenminister, wenn die Flüchtlinge in der Türkei aufgehalten würden, als wenn man sie in Griechenland oder Mazedonien stoppe. Wer es trotzdem nach Griechenland schaffe, müsse gleichwohl auch in Zukunft an der Weiterreise gehindert werden.

Als "absurd" bezeichnete er, dass Migranten an der Grenze zu Mazedonien demonstrierten, um von einem EU-Land in ein Nicht-EU-Land zu kommen. "Wir müssen doch ehrlich aussprechen, dass es hier nicht um die Suche nach Schutz geht, sondern um die Suche nach einer besseren ökonomischen Zukunft. Das ist menschlich verständlich, aber wir können das nicht bieten."

Ein "Schwerer Fehler"

Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze schlafen im Freien.
Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze schlafen im Freien.(Foto: AP)

Kritik an der von Wien initiierten Balkan-Konferenz und der Schließung der Balkanroute wies Kurz zurück. Die Öffnung der Grenzen im Sommer 2015 und das "Durchwinken" der Flüchtlinge nach Mitteleuropa sei ein "schwerer Fehler" gewesen, der nun schnellstens korrigiert werden müsse.

Dass Griechenland vergangene Woche nicht zur Balkan-Konferenz nach Wien eingeladen worden war, begründete Kurz mit der fehlenden Bereitschaft Athens, an einer Lösung mitzuwirken, die eine Reduzierung des Zustroms bewirke. Er setze jetzt darauf, dass die Schließung der Balkanroute und eine mögliche Vereinbarung mit der Türkei letztlich dazu führen würden, dass sich weniger Menschen auf den Weg in die EU machten.

Schließlich wollten jene, die nicht Schutz, sondern ein besseres Leben suchten, nicht unbedingt in einem Lager auf Lesbos, sondern in Mitteleuropa leben, wohin ihnen im Zweifel der Weg versperrt werden müsse. Niemand habe das Recht, sich auszusuchen, wo er in der EU einen Asylantrag stelle.

Mehr als 11.000 in Idomeni

Eine Entspannung der Lage in Griechenland ist derzeit nicht in Sicht: In der Hafenstadt Piräus sind an diesem Donnerstagmorgen mehr als 580 Migranten von den Ägäisinseln angekommen. Weitere 515 Migranten sollten am Nachmittag in Piräus ankommen, wie das Staatsradio berichtete. Die Flüchtlinge hatten in den vergangenen Tagen von der türkischen Küste auf die griechischen Inseln im Osten der Ägäis übergesetzt.

An der griechisch-mazedonischen Grenze bei Idomeni warten nach griechischen Medienberichten mittlerweile mehr als 11.000 Migranten auf der griechischen Seite der Grenze. Die Behörden hatten bereits am Vortag damit angefangen, notdürftig ein kleines Lager für diese Menschen zu bauen. Ihre Versorgung werde immer schwieriger, warnten mehrere humanitäre Organisationen.

Die mazedonische Polizei hat laut Medienberichten am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag insgesamt 510 Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak aus Griechenland einreisen lassen. "Die Grenze ist jetzt wieder geschlossen", berichteten Reporter vor Ort am Morgen. Die Migranten bleiben in Idomeni, weil sie hoffen, dass Mazedonien doch noch seinen Zaun öffnet und sie damit weiter nach Mitteleuropa kommen. Aus diesem Grund weigern sie sich, in Flüchtlingslagern untergebracht zu werden, die sich wenige Kilometer südlich der Grenze befinden.

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Quelle: n-tv.de

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