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Samstag, 03. Oktober 2015

Gauck zur Deutschen Einheit: "Wir sind die, die sich etwas zutrauen"

In diesen Tagen spricht keiner zum Einheitsjubiläum, ohne eine Parallele zur Flüchtlingskrise zu ziehen. Auch Bundespräsident Gauck. Dieses Mal solle aber etwas zusammenwachsen, was bisher nicht zusammengehörte. Einwanderer sollten die Grundwerte achten.

Vom historischen Glücksfall zum Vorbild für die Gegenwart: Die Feiern zum 25. Jahrestag der deutschen Einheit stehen im Zeichen der Flüchtlingskrise. Bundespräsident Joachim Gauck schlug wie auch andere Politiker beim zentralen Festakt in Frankfurt am Main den Bogen von der Wiedervereinigung zur Bewältigung der aktuellen Probleme. "Wie 1990 erwartet uns eine Herausforderung, die Generationen beschäftigen wird", sagte Gauck in seiner Rede.

Joachim Gauck fordert von Zuwanderern, das Grundgesetz zu achten.
Joachim Gauck fordert von Zuwanderern, das Grundgesetz zu achten.(Foto: dpa)

Der Präsident rief zu Zuversicht, aber auch zum klaren Bekenntnis zu demokratischen Werten auf. Aus den Erfahrungen seiner jüngeren Geschichte müsse sich Deutschland den "Geist der Zuversicht" bewahren, sagte Gauck. "Wir sind die, die sich etwas zutrauen." Zugleich machte der Bundespräsident die anstehenden Schwierigkeiten deutlich: Diesmal solle zusammenwachsen, was bisher nicht zusammen gehört habe.

Ost- und Westdeutsche sprächen dieselbe Sprache und blickten auf dieselbe Kultur und Geschichte zurück. "Wie viel größere Distanzen dagegen sind zu überwinden in einem Land, das zum Einwanderungsland geworden ist."

Keine "Toleranz für Intoleranz"

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Wichtig sei in einer vielfältigen Gesellschaft daher vor allem eine "gemeinsame Wertegrundlage", betonte Gauck. "Unsere Werte stehen nicht zur Disposition." Gauck rief Einheimische wie Zuwanderer zur Achtung demokratischer Grundwerte auf. "Gerade weil in Deutschland unterschiedliche Kulturen, Religionen und Lebensstile zu Hause sind, gerade weil Deutschland immer mehr ein Land der Verschiedenen wird, braucht es die Rückbindung aller an unumstößliche Werte. Einen Kodex, der allgemein als gültig akzeptiert ist", sagte er.

"Hier ist die Würde des Menschen unantastbar. Hier hindern religiöse Bindungen und Prägungen die Menschen nicht daran, die Gesetze des säkularen Staates zu befolgen. Hier werden Errungenschaften wie die Gleichberechtigung der Frau oder homosexueller Menschen nicht infrage gestellt und die unveräußerlichen Rechte des Individuums nicht durch Kollektivnormen eingeschränkt - nicht die der Familie, nicht der Volksgruppe, nicht der Religionsgemeinschaft. Hier gewinnt der Satz 'Toleranz für Intoleranz wird es bei uns nicht geben' seine Basis."

"Unsere Möglichkeiten sind endlich"

Gauck äußerte Verständnis für Ängste in der Bevölkerung angesichts der wachsenden Flüchtlingszahlen. Es spüre wohl fast jeder, wie sich in die große Hilfsbereitschaft der Menschen auch Sorge schleiche, "wie das menschliche Bedürfnis, Bedrängten zu helfen, von der Angst vor der Größe der Aufgabe begleitet wird", sagte der Bundespräsident und wiederholte seinen Satz. "Dies ist unser Dilemma: Wir wollen helfen. Unser Herz ist weit. Aber unsere Möglichkeiten sind endlich."

Zu dem zentralen Festakt zur deutschen Einheit kamen die Spitzen von Staat und Gesellschaft in der Alten Oper in Frankfurt zusammen, unter ihnen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle. Merkel sagte vor Beginn der Feierstunde mit Blick auf die Bewältigung der Flüchtlingskrise: "Das müssen wir gemeinsam schaffen, Deutschland, Europa und die Welt, jeder seine Aufgabe dabei erfüllen."

Quelle: n-tv.de

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