Hartmut Koschyk bei n-tv.de"Wir wurden nicht entzaubert"
Die CSU gibt die Hoffnung nicht auf: "Nach wie vor ist das bürgerliche Lager in Bayern mit 61 Prozent unheimlich stark", sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Harmut Koschyk.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hartmut Koschyk, glaubt nicht, dass die CSU durch das Wahldesaster vom Sonntag entzaubert wurde. "Nach wie vor ist das bürgerliche Lager in Bayern mit 61 Prozent unheimlich stark", sagt Koschyk vor der CSU-Vorstandssitzung gegenüber n-tv.de. Die Stimmen für Freie Wähler und FDP seien für die CSU "rückholbar".
n-tv.de: Das Wahlergebnis ist eine Zäsur, es ist viel von "Normalisierung" die Rede. Ist die CSU jetzt entzaubert?
Hartmut Koschyk: Das hoffe ich nicht, denn wir haben innerhalb des bürgerlichen Lagers verloren. Wenn wir uns entsprechend gut neu aufstellen, halte ich diese Stimmen für die CSU für rückholbar.
Vor drei Jahren endete die Gleichsetzung von SPD und Nordrhein-Westfalen. Ist jetzt die Gleichsetzung von Bayern und CSU zu Ende?
Wir haben nicht an die SPD, an die Grünen oder an die Linken verloren, sondern wir haben an Freie Wähler und FDP verloren. Nach wie vor ist das bürgerliche Lager in Bayern mit 61 Prozent unheimlich stark. Wir müssen überlegen, warum bürgerliche Wähler uns den Rücken gekehrt haben und wie wir sie zurückholen können.
Befürchten Sie nicht, dass der nordrhein-westfälischen Landesgruppe der Unionsfraktion angesichts dieses Wahlergebnisses auffallen könnte, dass sie mehr Abgeordnete stellen als die CSU?
Die CDU weiß, dass auch im Interesse der gesamten Union die Verluste der CSU zurückgewonnen werden müssen. Ohne das Ergebnis der CSU bei der letzten Bundestagswahl wäre Angela Merkel nicht Bundeskanzlerin, und sie kann es nur bleiben, wenn die CSU bei der nächsten Bundestagswahl wieder ein Ergebnis von annähernd 50 Prozent auf die Waage bringt.
Wird die Zusammenarbeit in der Großen Koalition jetzt schwieriger?
Eins ist klar: Die Wähler wollen von der Union insgesamt mehr bürgerliche Politik. Und deshalb wird es darauf ankommen, dass wir unser Profil schärfen. Kompromisse um jeden Preis kann und wird es in der Großen Koalition nicht geben. Das wird besonders für die Erbschaftsteuer gelten müssen.
Welche Themen wird das noch betreffen?
Die Bürger erwarten vom Staat mehr Entlastung. Hier müssen wir als Union auch im Hinblick auf unser Programm für die Bundestagswahl klare Entlastungssignale für die Bürger setzen. Dieses Thema dürfen wir nicht der FDP überlassen.
Muss und wird es in der CSU personelle Konsequenzen geben?
Darüber reden wir in den Gremien kameradschaftlich von Angesicht zu Angesicht und nicht in der Öffentlichkeit.
Bis wann muss diese Frage geklärt sein?
Auch darüber werden wir heute in den Parteigremien vertrauensvoll miteinander sprechen.