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Bundeswehr impft anders: Wirbel um Grippeschutz

Eine Ampulle mit Impfstoff gegen die Schweinegrippe.
Eine Ampulle mit Impfstoff gegen die Schweinegrippe.(Foto: dpa)

Die Bundeswehr hat ein eigenes Kontingent an Schweinegrippe-Impfstoff bestellt. Anders als das Serum für die Zivilbevölkerung sei der Impfstoff für die Streitkräfte frei von bestimmten Zusatzstoffen und gelte somit als verträglicher, sagte ein Sprecher des Bundeswehr-Sanitätsdienstes und bestätigte damit einen Bericht des "Westfalen-Blatts". Zielgruppe seien Soldaten im Auslandseinsatz.

Der Bericht löste großen Wirbel aus. Für Schweinegrippe-Impfungen gibt es drei Wirkstoffe. Nach Darstellung von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sind alle unbedenklich. "Die sind alle drei sicher, alle drei getestet und alle drei können eingesetzt werden", sagte Schmidt. Die Aufregung über eine mögliche Besserstellung von Soldaten sei "mit überhaupt nichts zu rechtfertigen". Sie räumte aber ein, dass auch Schwangeren ein besser verträglicher Wirkstoff empfohlen werde.

Schwangere, Gesundheitspersonal und chronisch Kranke gehören zu den ersten Gruppen, die ab Ende Oktober gegen die Schweinegrippe geimpft werden sollen. Die Bundesländer haben für die Bürger den Impfstoff Pandemrix des britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline bestellt, der in Dresden produziert wird. Ein Sprecher der Gesundheitsministerkonferenz sagte in Erfurt auf Anfrage, Pandemrix sei "genauso gut verträglich und wirksam" wie der von der Bundeswehr bestellte Stoff, Celvapan des Pharma-Herstellers Baxter.

Mit Kanonen auf Spatzen

Dagegen warf der hallesche Virologe Alexander Kekulé der Bundesregierung und den Ländern vor, den falschen Impfstoff eingekauft zu haben. Der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle sagte dem MDR, dieser Impfstoff enthalte eine Substanz, die die Wirkung verstärke. Dieser Bestandteil habe erhebliche Nebenwirkungen. Dieses Mittel wäre im Prinzip gut gegen ein "gefährliches Virus wie die Vogelgrippe", gegen die Schweinegrippe sei es aber "völlig übertrieben". Man schieße gewissermaßen mit Kanonen auf Spatzen, sagte Kekulé.

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Viel geeigneter sei der Impfstoff, für den sich die Bundeswehr entschieden habe. Dieser werde auch in den USA und in anderen Teilen der Welt eingesetzt. Er habe keinen Verstärker und funktioniere genauso wie der normale saisonale Grippe-Impfstoff. Der Vorteil dieses klassischen Serums sei, dass es sich schon milliardenfach bewährt habe. Jahrzehntelange Erfahrungen zeigten, dass es kaum Nebenwirkungen gebe.

"Nicht besser, sondern anders"

Der Sprecher des Sanitätsdienstes der Bundeswehr sagte, die Soldaten erhielten einen "sehr umfassenden Impfschutz, der weit über die Erfordernisse im Inland hinausgeht". Bei der Impfung der Soldaten sei es daher erforderlich, auf die wechselseitige Verträglichkeit mit anderen Impfstoffen zu achten. Wären zum Beispiel überall Zusatzstoffe enthalten, "und die kumulieren sich und vertragen sich nicht miteinander", werde es problematisch. Daher habe die Bundeswehr einen Impfstoff ohne Konservierungsstoff sowie sogenannte Adjuvanzien - bestimmte Verstärkersubstanzen im Impfstoff - bestellt. "Wir sind nicht was Besseres, sondern wir sind was Anderes", sagte der Sprecher.

EU plant Gruppen-Bestellungen

Die EU-Gesundheitsminister einigten sich unterdessen auf einen Hilfsmechanismus für Mitgliedsstaaten, die einen Engpass an Impfstoffen haben. Die EU-Kommission soll Gruppen-Bestellungen bei der Pharmaindustrie auf den Weg bringen. Nach Angaben von EU-Diplomaten haben fünf Mitgliedsstaaten Schwierigkeiten bei der Impfstoffbeschaffung, unter ihnen die drei Baltenstaaten sowie Bulgarien und Malta. Schmidt nannte es "denkbar", dass Deutschland EU-Ländern in Schwierigkeiten überzählige Impfstoffe zur Verfügung stellen könnte.

EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou zeigte sich in Luxemburg erleichtert über den relativ günstigen Verlauf der Grippeepidemie. "Wir müssen auf das Schlimmste vorbereitet sein - und hoffen, dass das Schlimmste nicht eintritt", sagte sie.

In einer internationalen Solidaritätsaktion sollen in den kommenden vier bis fünf Monaten zudem knapp hundert Entwicklungsländer Impfstoffe von der Pharmaindustrie sowie von Industrieländern zur Verfügung gestellt bekommen. Damit könnten in den armen Ländern bis zu zwei Prozent der Bevölkerung geimpft werden, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf mit.

Quelle: n-tv.de

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