Politik

Pläne zur Großelternzeit: Wirtschaft läuft Sturm

Nach dem Willen von Familienministerin Schröder sollen künftig auch Großeltern vorübergehend eine Auszeit vom Job nehmen können, um die Enkel zu betreuen. Wirtschaftsverbände fürchten organisatorischen Aufwand und hohe Kosten - und besinnen sich auf den Wert älterer Arbeitnehmer als "hochspezialisierte Wissensträger".

Die Großeltern-Regelung soll auch während der Elternzeit gelten.
Die Großeltern-Regelung soll auch während der Elternzeit gelten.(Foto: picture alliance / dpa)

Wirtschaftsverbände laufen einem Zeitungsbericht zufolge Sturm gegen Pläne von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) zur Einführung einer Großelternzeit. Der Anspruch auf Großelternzeit sei überflüssig und belaste die Unternehmen "unangemessen", zitiert "Die Welt" aus einer Stellungnahme des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

Der DIHK bemängelt demnach, dass künftig sechs Arbeitnehmer statt wie bisher zwei Anspruch darauf hätten, dass der Arbeitsplatz freigehalten werde. "Auf die Unternehmen kämen damit zusätzliche Bürokratiekosten und ein erheblicher organisatorischer Mehraufwand zu." Zudem werfe der Verband Schröder vor, die Kosten der Großelternzeit für die Wirtschaft mit 57,9 Millionen Euro jährlich unrealistisch niedrig anzusetzen. "Gerade ältere Arbeitnehmer sind oftmals hochspezialisierte Wissensträger, die in einem Unternehmen nicht ohne weiteres zu ersetzen sind."

Der Gesetzentwurf aus dem Familienministerium sieht vor, dass künftig neben Eltern auch die Großeltern eine berufliche Auszeit von bis zu drei Jahren nehmen können. Schröder will die Großelternzeit noch in dieser Legislaturperiode einführen. Der Anspruch soll ungeachtet vom Alter und der beruflichen Situation der Eltern bestehen. Das Recht auf Freistellung und Kündigungsschutz soll zudem auch dann gelten, wenn parallel die Eltern eine Auszeit nehmen. Forderungen von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt zur Verkürzung der Elternzeit hatten gestern für Empörung bei CDU/CSU gesorgt.

Der Verband der Metall- und Elektroindustrie Gesamtmetall stellt der Familienpolitik der Bundesregierung insgesamt ein schlechtes Zeugnis aus. "Die Politik hat flächendeckende Kinderbetreuungsmöglichkeiten versprochen und das Versprechen nicht gehalten", sagte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger der "Welt". Nun versuche die Politik zum einen, mit dem Betreuungsgeld und der Großelternzeit den Betreuungsbedarf zu senken, und zum anderen, mit der Schaffung weiterer Teilzeitansprüche die Organisation auf die Unternehmen abzuwälzen.

Das Familienministerium geht dem Bericht zufolge davon aus, dass von der Großelternzeit lediglich 30.000 Personen im Jahr Gebrauch machen werden. Das wäre jeder zehnte der berechtigten Großväter und Großmütter.  Einen finanziellen Ausgleich wie beim Elterngeld soll es für die Auszeit der älteren Generation nicht geben.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen