Politik
Bei der Pegida-Demo in Dresden demonstrierten an diesem Montag laut Polizei 17.500 Menschen.
Bei der Pegida-Demo in Dresden demonstrierten an diesem Montag laut Polizei 17.500 Menschen.(Foto: imago/Hentschel)

Bekenntnis eines besorgten Bürgers: Wo Pegida recht hat

Eine Glosse von Christoph Herwartz

In Deutschland entsteht eine Parallelgesellschaft, sie wird größer und mächtiger - und die Menschen bekommen Angst. Sie wollen, dass ihre Sorgen ernst genommen werden. Wehret den Anfängen.

Zuerst waren es nur einige Hundert. Wenn so wenige Menschen unter so vielen anderen sind, werden sie sich schon irgendwann anpassen, habe ich gedacht. Doch es wurden immer mehr, sie kamen von immer weiter weg. Jetzt sind es schon Tausende, die sich zusammenrotten.

Ich hätte vor diesen Leuten weniger Angst, wenn sie sich in die Gesellschaft einbringen würden, wenn sie das Gespräch suchten. Sie, diese Minderheit, müsste auf uns, die Mehrheit zugehen, finde ich. Die Minderheit müsste einige unserer Grundregeln akzeptieren, dann könnten wir über ihre Anliegen sprechen. Doch die Minderheit bleibt unter sich, redet nicht mit uns. Nun mache ich mir Sorgen. Sorgen darüber, dass eine Parallelgesellschaft entsteht, oder besser: dass diese Parallelgesellschaft größer wird, mächtiger.

Man weiß ja nicht genau, was die hier wollen. Aber ich habe den Eindruck, dass sie uns ihre Kultur überstülpen wollen. Wird am Ende der Döner verboten? Macht man sich verdächtig, wenn man Spaghetti all'arrabbiata bestellt? Das sind vielleicht nur unbedeutende Symbole. Aber ich will, dass die Weltoffenen weiter sagen können, was sie denken. Schon möglich, dass in Deutschland auch weiterhin Moscheen gebaut werden und wir Bayram oder was auch immer feiern können. Aber wer weiß das schon?

Meine Ängste sind diffus, ich kann sie nicht bis ins Letzte begründen. Aber ich bin ein Bürger dieses Landes und möchte, dass meine Sorgen ernst genommen werden. Wo soll es denn enden, wenn bei Pegida über 17.000 ihren Hass auf die Straße tragen? Wenn ihre Reden von Woche zu Woche aggressiver werden? Die Menschen bekommen nun einmal Angst. Daran ändert sich auch nichts, wenn die Hassenden betonen, dass sie keine Nazis seien. Darum sage ich: Lassen wir es gar nicht erst so weit kommen, dass sich die vielfältigen Kulturen in Deutschland vor einer Parallelgesellschaft des Hasses verstecken müssen. Wehret den Anfängen.

Quelle: n-tv.de

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