Mittwoch, 02. Dezember 2009
Wenn es keinen Weg zurück gibt: Wo das Klima zu kippen droht
Werden bei zunehmender weltweiter Erwärmung bestimmte Grenzwerte erreicht, die Wissenschaftler sprechen von "Kipp-Punkten", lassen sich Entwicklungen nicht mehr umkehren. Überflutungen ganzer Küstenregionen, das großflächige Absterben der tropischen Regenwälder und Dürre in weiten Teilen Asiens können die Folge sein. Zu diesem Ergebnis kommen Studien des Umweltbundesamts und der Umweltorganisation WWF.
Grönland-Eis
Der gigantische Eispanzer Grönlands verliert bereits an Masse, ist noch aber halbwegs intakt. Einen "Kipp-Punkt", ab dem ein Abschmelzen nicht mehr aufzuhalten ist, erwarten Wissenschaftler bei einer Erwärmung zwischen einem und vier Grad. Die Untergrenze dieses kritischen Bereichs wird auf jeden Fall erreicht. Schmilzt das Grönlandeis, steigt der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um etwa einen halben Meter, in den folgenden Jahrhunderten um sieben Meter.
Golfstrom
Der massive Süßwasser-Zufluss durch ein Schmelzen des Grönlandeises würde den Golfstrom zumindest abschwächen. In Verbindung mit generell stärkeren Niederschlägen könnte er ganz zum Erliegen kommen. Klimazonen rings um den Atlantik würden sich dann deutlich verändern. In Nordeuropa würden die Winter kälter und trockener, in Äquatornähe gäbe es Dürren, aber auch mehr Überschwemmungen. Ein Zusammenbruch der Meeresströmungen ist bei einem Temperaturanstieg zwischen drei und fünf Grad zu befürchten.
Amazonas-Region
Der Regenwald am Amazonas nimmt trotz aller Abholzung noch große Mengen CO2 auf. Bei fortschreitender Erwärmung würde das Klima der Region trockener, wodurch noch in diesem Jahrhundert bis zu 70 Prozent der Vegetation absterben könnten. Das Aussterben zahlreicher Pflanzen- und Tierarten wäre die Folge. Zugleich würde der Verlust dieser CO2-Senke den Klimawandel massiv verstärken. Ein "Kipp-Punkt" dürfte bei einer Erwärmung zwischen drei und vier Grad liegen, vielleicht auch schon früher. Bei ähnlichen Temperaturen würden wohl auch die großen Nadelwälder der nördlichen Erdhalbkugel absterben.
Monsunregen
Der Monsunregen droht gänzlich auszubleiben. Schuld ist eine Dunstglocke aus Ruß.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Durch die Erwärmung müsste der jährliche Monsunregen in Indien in den Monaten Juni und Juli eigentlich zunehmen. Beobachtet wird aber eine Abschwächung, da eine zunehmende Dunstglocke aus Ruß und anderen Schwebstoffen einfallendes Sonnenlicht reflektiert. Dadurch könnte der Monsunregen sogar ganz ausbleiben, was für die indische Landwirtschaft katastrophale Folgen hätte. Auch in Afrika werden Veränderungen des Monsunregens erwartet, wobei durch den Klimawandel die Sahel-Zone weniger, der Golf von Guinea mehr Regen erhalten würde. "Kipp-Punkte" lassen sich schwer abschätzen, die Auswirkungen für hunderte Millionen Menschen sind jedoch gewaltig.
Permafrost-Boden
Bereits heute ist ein starkes Auftauen des Permafrost-Bodens besonders in Sibirien zu beobachten. Hochrechnungen lassen erwarten, dass sich die Dauerfrost-Zone bis 2100 um 90 Prozent verkleinern könnte. Dabei könnte ein Schwellenwert erreicht werden, bei dem der Abbau von Kohlenstoff durch Bakterien so viel Hitze freisetzt, dass sich das Auftauen stark beschleunigt. Eine Folge ist die Freisetzung des starken Treibhausgases Methan, die bereits heute zu beobachten ist. Möglicherweise schreitet das Abschmelzen des arktischen Meereises genau deswegen viel schneller voran als es bisherige Klimamodelle erwarten ließen.
Himalaya-Gletscher
Schmelzwasser aus den Gletschern des Himalaya sichert derzeit im Sommer über Flüsse wie Mekong, Jangtse und Ganges die Wasserversorgung für viele hundert Millionen Menschen in Asien. Es schmilzt aber bereits erheblich mehr Eis ab als im Winter hinzukommt. Da durch die kleinere Eisfläche weniger Sonnenlicht reflektiert wird, lässt sich dieser Prozess immer schwerer stoppen. Sind die Gletscher verschwunden, würde die Wasserversorgung in großen Teilen Asiens zusammenbrechen. Ähnliche Effekte sind auch in den südamerikanischen Anden zu beobachten.
Benno König, AFP
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