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Ralf Wohlleben berät sich im Landgericht München am 253. Verhandlungstag mit seiner Anwältin Nicole Schneiders.
Ralf Wohlleben berät sich im Landgericht München am 253. Verhandlungstag mit seiner Anwältin Nicole Schneiders.(Foto: imago/Sebastian Widmann)

"Scharfe Waffen waren kein Thema": Wohlleben weist jede Anschuldigung von sich

Vom ehemaligen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben wird vermutet, dass er eine zentrale Rolle im NSU innehatte und dem Terrortrio Waffen besorgte. Zum zweiten Mal weist er diese Vorwürfe vor Gericht zurück und belastet einen Mann des Verfassungsschutzes.

Im Münchner NSU-Prozess müht sich der Mitangeklagte Ralf Wohlleben weiter um eine Entkräftung der Anklagevorwürfe. Er bestritt vor dem Oberlandesgericht erneut, eine Waffe für den "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) beschafft zu haben. Zudem spielte er seine frühere Rolle in der Neonazi-Szene herunter. Wohlleben räumte in einer Befragung durch das Gericht ein, schon früh von einem Faible des späteren Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt für Waffen gewusst zu haben. Während er und der Mitangeklagte Holger G. Geld verspielt hätten, habe Böhnhardt immer in einem Waffenladen eingekauft.

Von scharfen Waffen will Wohlleben aber nichts gewusst haben: "Ich könnte mich nicht erinnern, dass irgendwann einmal scharfe Waffen oder Sprengstoff bei uns ein Thema gewesen wären." Wohlleben bestritt erneut, Böhnhardt und dem NSU eine Waffe besorgt zu haben - das ist der zentrale Vorwurf der Bundesanwaltschaft. Böhnhardt habe ihn zwar darum gebeten, er habe aber dem Wunsch nicht entsprochen. Er wisse auch nicht, wie und von wem die Waffe finanziert worden sei.

Wohlleben belastet V-Mann

Tino Brandt war ein Verbindungsglied zum Verfassungsschutz.
Tino Brandt war ein Verbindungsglied zum Verfassungsschutz.(Foto: picture alliance / dpa)

Allerdings belastete Wohlleben erneut Tino Brandt, damals führender Kopf der Neonazi-Szene und zugleich gut bezahlter V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes. Böhnhardt habe ihm damals gesagt, wegen der Bezahlung der Waffe solle er mal bei Brandt nachfragen. Brandt sei damals eine zentrale Figur gewesen: Er habe sich darum bemüht, dass sich in der rechten Szene etwas bewegt, sagte Wohlleben.

Wohlleben beschuldigte abermals seinen Mitangeklagten Carsten S., die spätere Mordwaffe des NSU beschafft zu haben. Warum S. damals zu ihm kam, um ihm die Waffe zu zeigen, konnte Wohlleben aber nicht sagen. Er konnte auch nicht sagen, warum er damals die Waffe in die Hand nahm und einen mitgelieferten Schalldämpfer aufschraubte. Seine eigene Rolle in der Szene spielte Wohlleben herunter: "Ich würde halt einfach sagen, dass ich damals dabei gewesen bin."

Anwälte erfragen Meinung zum Holocaust

Die Bundesanwaltschaft sieht in dem Ex-NPD-Funktionär dagegen eine "steuernde Zentralfigur" in der Unterstützerszene der mutmaßlichen NSU-Terroristen Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Wohlleben wurde vom Gericht auch gefragt, wie seine Haltung zur Nazi-Zeit sei. Dazu sagte er, "dass ich mich nicht von irgendeinem Geschichtsteil abwende und sage, der muss jetzt verteufelt werden".

Er verherrliche die Zeit von 1933 bis 1945 nicht. Aber er sei auch der Meinung, dass die Aufarbeitung diesbezüglich relativ einseitig sei: dass man immer nur schaue, welche Kriegsschuld die Deutschen trügen - und nicht nach der Schuld der Amerikaner, Engländer oder Polen fragte.

Zschäpe, die einzige Überlebende des NSU-Trios, ist in München als Mittäterin an allen Taten des NSU angeklagt. Darunter sind zehn vorwiegend rassistisch motivierte Morde und zwei Bombenanschläge. Wohlleben ist in München wegen Beihilfe zum Mord angeklagt.

Quelle: n-tv.de

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