Montag, 14. Juli 2008
"Volksverdummung": Wolf legt grünen Pelz ab
Die ehemalige Umwelt-Staatssekretärin Margareta Wolf verlässt die Grünen. Hintergrund ist ihre Arbeit für ein PR-Unternehmen, das für die deutsche Atomlobby tätig ist. Wolf war bis Ende 2007 Bundestagsabgeordnete für die Grünen. Auf ihrer noch aktiven Website verteidigt sie den Atomausstieg dagegen.
Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte Wolf, sie habe ihre Auffassungen nicht geändert. "Ich sage nur, man kann nicht aus opportunistischen Gründen die Kohle ablehnen, weil sie klimaschädlich ist, und gleichzeitig die Kernkraft abschalten wollen." Die Behauptung, man könne nur aus erneuerbaren Energien die Energieversorgung einer Industrienation wie Deutschland sicherstellen, grenze an "Volksverdummung".
"Ein gefährliches Erbe"
Auf ihrer Website klingt das noch ganz anders. Hier schreibt sie, der Reaktorunfall in Tschernobyl habe "die Risiken der Atomkraft deutlich gemacht". Ausführlich geht sie auf die Risiken von Kernenergie - die sie hier noch "Atomkraft" nennt - ein: "Ein Problem, das aber nach wie vor ungelöst ist, ist die Entsorgung des radioaktiven Abfalls. Radioaktiver Abfall von Atomkraftwerken ist noch Millionen Jahre strahlungsaktiv. Ein gefährliches Erbe, das wir zukünftigen Generationen heute überlassen."
Für die erneuerbaren Energien hat Wolf hier deutlich positivere Worte als gegenüber der FAZ. "Der Atomausstieg ist beschlossen. Zu einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Energiepolitik zählt aber auch der zweite Schritt, nämlich der Umstieg auf eine zukunftsfähige Energieversorgung."
Wegen ihrer Arbeit für die Atomlobby hatten Grüne aus Berlin und Brandenburg ein Parteiausschlussverfahren gefordert, falls Wolf diese Tätigkeit nicht beende. Kurz vor Wolfs Austrittserklärung hatte Parteichef Reinhard Bütikofer gesagt, er glaube, "es gibt da Erklärungsbedarf, deshalb werde ich das persönliche Gespräch suchen".
Keine Frage der Moral
Wolf warf dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Jürgen Trittin, vor, sie persönlich angegriffen zu haben. Trittin hatte in einem Interview bezüglich Wolf gesagt, jeder müsse sich fragen, ob er noch in den Spiegel gucken könne.
"Ich kann nicht Mitglied in einer Partei sein, deren Spitze sich anmaßt, meine berufliche Tätigkeit moralisch zu bewerten und abzuqualifizieren", schrieb Wolf laut FAZ in ihrer Austrittserklärung.
"Wir waren fair"
Bütikofer wies Wolfs Kritik zurück. "Wir waren ihr gegenüber fair", sagte er. "Ich bedauere, dass sich Margareta Wolf gegen die Grünen entschieden hat." Ihre Vorwürfe seien nicht nachvollziehbar. Die Parteispitze habe Wolf nicht herabgewürdigt, sondern das Gespräch gesucht.
Die aus Hessen kommende Ex-Politikerin hatte ihr Bundestagsmandat zum 1. Dezember 2007 niedergelegt und war zu der Kommunikationsberatung Deekeling Arndt Advisors gewechselt. Diese arbeitet unter anderem für den "Informationskreis Kernenergie", dem die Betreiber der deutschen Atomkraftwerke angehören.
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