Politik

Still und heimlich: Wulff reist nach Nahost

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem

"Bundespräsident Christian Wulff reist vom 27. bis 30. November 2010 zu einem offiziellen Besuch in den Staat Israel und in die Palästinensischen Gebiete. Nähere Informationen werden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht." Das ist die Verlautbarung des Bundespräsidialamtes. Wer Details erfahren will, muss schon französische Medien bemühen - die deutschen und die israelischen schweigen bislang.

Christian Wulff reist nach Israel - scheinbar unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit.
Christian Wulff reist nach Israel - scheinbar unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Antrittsbesuch von Bundespräsident Christian Wulff Ende November in Israel ist offiziell nicht angekündigt, doch israelische Stellen verschicken jetzt Pressemitteilungen und Einladungen. In Deutschland ist darüber allerdings nichts zu erfahren. In der offiziellen Mitteilung des Bundespräsidialamtes heißt es, dass Wulff vom 27. bis 30. November 2010 zu einem offiziellen Besuch in den Staat Israel und in die Palästinensischen Gebiete reisen werde. Mit dem Zusatz: "Nähere Informationen werden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht."

Lediglich französische Agenturen vermelden, dass Wulff Israel besuchen wird und sie dafür auch schon eine Bestätigung des Bundespräsidialamtes erhalten hätten. Die Hebräische Universität in Jerusalem teilte mit, dass Wulff am 28. November im Rahmen seines "offiziellen Staatsbesuches" israelisch-deutsche Forschungsprojekte präsentiert bekäme. Eine Stunde lang werde sich der Bundespräsident auf dem Campus der Universität auf dem Scopus Berg im Osten der Stadt aufhalten.

Von GPS-Ortern und Gehirnlesern

Der Geograf Noam Shoval wird ein Gemeinschaftsprojekt mit der Universität Heidelberg vorstellen. Mit GPS-Technologie sollen Menschen geortet werden, die "unter Alzheimer oder anderer Demenz" leiden. Erste Versuche wurden schon mit Senioren in Tel Aviv und in der Rhein-Main Metropole durchgeführt.

Zudem wird Wulff ein BMI-Projekt kennenlernen, das ist eine Maschine, die das Gehirn lesen kann. "Da werden Mechanismen entwickelt, die elektrische Aktivitäten des Gehirns zu erkennen und Verhalten kontrollieren können", sagte der Forscher Eilon Vaadia. Zwei deutsche und zwei israelische Forschergruppen seien an diesem Projekt beteiligt. "Die Teams konnten schon einen sehr anpassungsfähigen Computer-Algorithmus namens 'Karma' entwickeln, der mit dem Hirn kommuniziert und dynamisch die Absichten des Hirns erlernt." Das Computerprogramm lerne sehr schnell, innerhalb von einer oder zwei Minuten, um augenblicklich ein neues Verhalten zu generieren. Das Programm verbessere zudem ständig seine Lernfähigkeit.

Yad Vaschem steht auf dem Besuchszettel jedes Spitzenpolitikers in Israel.
Yad Vaschem steht auf dem Besuchszettel jedes Spitzenpolitikers in Israel.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Wulff hat verschiedene Persönlichkeiten eingeladen, ihn auf seiner Reise zu begleiten. Henning von Niederhoff, Autor des Buches "Trialog in Yad Vaschem", hatte seinerzeit als Leiter der Konrad Adenauer Stiftung im palästinensischen Ramallah Treffen zwischen Israelis und Palästinensern initiiert, um gemeinsam die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vaschem und 1948 zerstörte arabische Dörfer in Israel zu besuchen.

Nach des Sprechers der "World Zionist Organisation", Michael Jankelowitz, wird Wulff einen Kranz am Grab von Theodor Herzl in Jerusalem niederlegen. Herzl ist der Gründer der jüdischen Nationalbewegung und Autor des prophetischen Buches: "Der Judenstaat".

Pflichtprogramm in Yad Vaschem

Noch ist das Besuchsprogramm nicht offiziell. Doch schon jetzt ist klar, dass Wulff seine Aufwartung beim Staatspräsidenten Schimon Peres und bei Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machen wird und sich mit dem Außenminister trifft. Üblich ist ein Treffen mit Oppositionschefin Zipi Livni. Zum Pflichtprogramm eines Staatsbesuchers gehört auch eine Kranzniederlegung in Yad Vaschem.

Israelische Medien hatten vor Wochen kritisiert, dass Wulff zunächst lediglich eine Reise "zum gegenseitigen Kennenlernen" geplant habe, nicht aber einen Staatsbesuch.

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Quelle: n-tv.de

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