Politik
Scannen oder abtasten: Die Fluggäste in den Vereinigten Staaten haben die Wahl.
Scannen oder abtasten: Die Fluggäste in den Vereinigten Staaten haben die Wahl.(Foto: dpa)

Kanone im Schritt?: Wut über Intimkontrolle wächst

Am Gesäß, im Schritt, unter der Brust: Das Abstasten von Intimzonen an US-amerikanischen Flughäfen ist längst kein Tabu mehr - denn Sicherheit geht vor. Doch das sehen die sich erniedrigt fühlenden Fluggäste anders und rufen zu einem Boykott an Thanksgiving auf.

Die Passagiere erleben die Gefahr hautnah, sie rückt ihnen buchstäblich zu Leibe. Angesichts der wachsenden Furcht vor einem neuen Terroranschlag tasten Sicherheitsbeamte an den Flughäfen in den USA die Reisenden seit Monatsanfang intensiv ab, auch die Intimzonen sind nicht mehr tabu. Bei den Fluggästen wächst der Zorn: Vor der Reisewelle am 25. November, wenn wegen des Feiertags Thanksgiving Dutzende Millionen US-Bürger im Flugzeug zu ihren Verwandten fliegen, regt sich Widerstand. Boykottaufrufe kursieren, die Regierung bemüht sich um Beschwichtigung.

Viele Passagiere empfinden das Abtasten als peinlich und erniedrigend, die neuen Bestimmungen sind in den USA derzeit Top-Gesprächsthema. Die Behörden geben zu, vom Ausmaß des Unmuts überrascht zu sein. „Wir hatten natürlich erwartet, dass es wegen der neuen Sicherheitsprozeduren Bedenken geben wird“, sagte der Chef der Luftsicherheitsbehörde TSA, John Pistole, im Sender Fox News. „Eine derartige Reaktion haben aber die wenigsten erwartet - mich eingeschlossen“, gab er zu.

Intimsphäre geht flöten

Die Abwägung zwischen den Sicherheitserfordernissen im Luftverkehr und dem Schutz der Intimsphäre verändert sich - zu Lasten der Intimsphäre. Die neuen Regeln sehen vor, dass Passagiere sich an Flughäfen in Ganzkörper-Scannern - Kritiker sprechen von „Nackt-Scannern“ - auf Waffen oder Sprengstoff durchleuchten lassen. Fluggäste, die das nicht wollen, können sich alternativ abtasten lassen. Dabei werden nicht mehr wie früher nur die Handrücken benutzt, sondern Finger und Handflächen - am Gesäß, nahe am Schambereich, vom Schritt hinab bis zu den Knöcheln, bei Frauen auch unter der Brust.

Das Unbehagen reicht hinein bis in die Regierung. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte im Sender CBS auf die Frage, ob sie sich einer solchen Prozedur gerne unterwerfen würde: „Nein, nicht wenn ich es vermeiden könnte. Wer mag das schon?“

Aufruf zum Massenbefummeln

Empörte Passagiere haben im Internet eine Boykottaktion geplant: Am 24. November, dem Tag vor Thanksgiving, sollen Passagiere sich der Untersuchung im Ganzkörper-Scanner verweigern und so massenweise personal- und zeitintensive Abtast-Untersuchungen erzwingen - was wiederum den ganzen Flugverkehr an einem der belebtesten Tage im Jahr verzögern könnte. „An diesem Tag stehen ganz normale Bürger für ihre Rechte auf“, heißt es in dem Protestaufruf. Die Behörden hätten nicht das Recht, Bürger „praktisch zu entkleiden oder zu befummeln“.

TSA-Chef Pistole nimmt die Aktion ernst. Er warnt davor, „dass Leute ihre Flüge verpassen, nur weil protestiert wird“, sagte er. Im Sender ABC sagte er, dass Passagiere „kein Recht auf das Betreten eines Flugzeugs“ hätten, wenn sie sich den Untersuchungen ganz verweigerten. Das Procedere könne nicht grundsätzlich geändert werden, doch werde er nach Möglichkeiten suchen, das Verfahren „weniger zudringlich“ zu gestalten.

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Quelle: n-tv.de

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