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Auch im neuen Jahr kommen jeden Tag zahlreiche Flüchtlinge - wie hier im bayerischen Passau - an.
Auch im neuen Jahr kommen jeden Tag zahlreiche Flüchtlinge - wie hier im bayerischen Passau - an.(Foto: dpa)

365.000 unbearbeitete Asylanträge: Zahl der Zuwanderer erreicht Rekordhoch

Nun ist es offiziell: Im vergangenen Jahr sind so viele Zuwanderer wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik eingereist. Deutschland sei "eines der Hauptzielländer" - nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für Arbeitsmigranten und Studenten.

Noch nie seit Beginn der Zählung vor 65 Jahren sind so viele Zuwanderer nach Deutschland gekommen wie im vergangenen Jahr. Laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière wurden bis Ende Dezember allein 1,09 Millionen Flüchtlinge in der Datenbank zur Erstverteilung von Asylsuchenden (Easy) registriert. Sie machen den Hauptanteil der Zuwanderer aus. Rund 40 Prozent von ihnen kamen aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Den zweithöchsten Anteil stellte Afghanistan mit 154.000, gefolgt vom Irak, Albanien und dem Kosovo. "Wir wissen aber, dass wir noch Doppelregistrierungen und Doppelzählungen haben", sagte er vor Journalisten. Außerdem würden auch diejenigen Flüchtlinge gezählt, die zwar in Deutschland registriert wurden, dann aber in ein anderes Land weitergereist seien.

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Wahrscheinlich sei deshalb, dass die endgültige Zahl unter einer Million liege, so de Maizière weiter. Dennoch bedeute das einen Zuwachs von rund 135 Prozent zum Vorjahr. Deutschland sei nach wie vor "eines der Hauptzielländer" für Zuwanderer in der Europäischen Union - nicht nur für Flüchtlinge, auch für Arbeitsmigranten aus Drittstaaten oder Studenten. Schon 2014 habe deren Zahl stetig zugenommen. 60 Prozent der Zuwanderer kamen zudem aus EU-Staaten - etwa Polen, Rumänien oder Spanien. Auch die Zahl der Menschen, die im Rahmen des Familiennachzugs eingereist seien, stieg bereits 2014 auf 64.000.

Für 2016 sei aber nach den Vorjahresrekorden eine "spürbare und nachhaltige Verringerung der Zahlen" - vor allem mit Hilfe außenpolitischer Maßnahmen - geplant, kündigte der Bundesinnenminister an. Auf die Frage, ob in der Zuwanderungspolitik Fehler gemacht wurden, sagte er: "Ich sehe nicht, dass es Fehler gab."

Antragsstau beim Bamf wächst

Derweil ist der Berg nicht erledigter Asylanträge beim Bundesamt für Migration (Bamf) zum Jahresende nochmals gewachsen. Ende Dezember seien 364.664 Anträge noch nicht entschieden gewesen, teilte das Bundesinnenministerium mit. Das waren rund 8750 mehr als im November. Insgesamt gingen bei der obersten Asylbehörde im vergangenen Jahr 476.649 Asylanträge ein und damit ebenfalls so viele wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Die bisher höchste Antragszahl gab es 1992 mit rund 438.200 Asylanträgen.

Damit ist die tatsächliche Zahl der nach Deutschland eingereisten Flüchtlinge mehr als doppelt so hoch wie die Antragszahl. Dies liegt auch daran, dass es oft sehr lange dauert, bis ein eingereister Flüchtling einen Asylantrag stellen kann. "Durch den hohen Zugang im letzten Jahr ist der Rückstand noch mal leicht gestiegen", hatte Bamf-Chef Frank-Jürgen Weise bereits am Dienstag eingeräumt. 4000 neue Bamf-Mitarbeiter seien im besten Fall bis Mitte des Jahres eingearbeitet. Den Antragsstau abzuarbeiten, sei eine große Herausforderung, so Weise. "Denn da liegen Akten an verschiedenen Stellen, die jetzt alle noch mal angesehen werden müssen."

Entschieden hat die Asylbehörde im vergangenen Jahr über rund 282.700 Anträge. Fast die Hälfte der Anstragsteller - nämlich 48,5 Prozent - erhielt den Schutzstatus nach der Genfer Flüchtlingskonvention und damit ein Aufenthaltsrecht in Deutschland.

Quelle: n-tv.de

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