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Die Zahl der Flüchtlinge im Mittelmeer steigt. Doch die EU hat ihren Marineeinsatz verkleinert. (Archivbild)
Die Zahl der Flüchtlinge im Mittelmeer steigt. Doch die EU hat ihren Marineeinsatz verkleinert. (Archivbild)

Fast 1000 aus Seenot gerettet: Zehn Flüchtlinge ertrinken vor Sizilien

Innerhalb der vergangenen 24 Stunden retten die italienische und tunesische Küstenwache mehr 900 Menschen aus Seenot. Für mindestens 10 weitere kommt die Hilfe jedoch zu spät. Angesichts der Tragödien kündigt die EU-Kommission Reformen an.

Beim Kentern eines Flüchtlingsbootes vor der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien sind mindestens zehn Menschen ertrunken. Ein Boot der Küstenwache, das zuvor bereits 318 Flüchtlinge an Bord genommen hatte, habe 121 Flüchtlinge retten können, teilte die italienische Küstenwache am Mittwoch mit. Vor der tunesischen Küste griff die dortige Küstenwache 86 Flüchtlinge auf, die vor dem libyschen Bürgerkrieg flohen.

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Wie die italienische Küstenwache weiter mitteilte, war sie von einem Schlepper einer libyschen Ölplattform auf das gekenterte Boot aufmerksam gemacht worden. Daraufhin sei ein Boot zu Hilfe geeilt, das bereits 318 Flüchtlinge geborgen hatte. Nach Angaben der Küstenwache gab es in der Straße von Sizilien binnen 24 Stunden sieben Einsätze, bei denen insgesamt 941 Flüchtlinge gerettet wurden. Unter ihnen seien mehr als 30 Kinder und eine Hochschwangere gewesen.

Die tunesische Küstenwache gab bekannt, sie habe vor der Küste des Landes 86 Flüchtlinge aus einem Boot gerettet, nachdem dieses leckgeschlagen war. Demnach waren die Flüchtlinge aus dem libyschen Hafen Souara gestartet, rund 60 Kilometer von der tunesischen Grenze, und wollten nach Italien. Unter den Geretteten seien auch fünf Frauen, darunter eine Schwangere, gewesen, sagte ein Sprecher. Die meisten der Flüchtlinge stammten demnach aus Nigeria, Somalia und Gambia.

Nach Angaben des italienischen Innenministeriums erreichten im Januar und Februar dieses Jahres insgesamt 7882 Flüchtlinge die italienische Küste. Dies seien 43 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum gewesen. Vor allem die chaotische Lage in Libyen führt zu den steigenden Zahlen. Infolge des Konfliktes in dem nordafrikanischen Land ist die Staatsgewalt praktisch zusammengebrochen. Auch viele der Afrikaner, die bisher in der libyschen Ölindustrie arbeiteten, versuchen inzwischen, nach Europa zu gelangen.

EU-Kommission zieht Asylreform vor

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR starben von den 218.000 Flüchtlingen, die vergangenes Jahr über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen versuchten, mindestens 3500 Menschen. Die Schleuser benutzen oft alte, kaum seetaugliche Boote, die zudem völlig überfüllt sind.

Angesichts der Flüchtlingsdramen im Mittelmeer will die EU-Kommission Mitte Mai eine neue Strategie für die europäische Flüchtlingspolitik präsentieren. Der Vorschlag werde damit zwei Monate früher kommen als geplant, kündigte der Vize-Präsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, in Brüssel nach einer Debatte des Gremiums zu dem Thema an.

"Die jüngsten Ereignisse im Mittelmeer haben die Dringlichkeit unterstrichen", sagte der Kommissiar. Ziel sei unter anderem, das Asylsystem effizienter zu machen, die Grenzen besser zu schützen und härter gegen Menschenhändler vorzugehen. Flüchtlinge müssten mehr Möglichkeiten zur legalen Einwanderung nach Europa bekommen.

Kritik an Marine-Einsatz

Der zuständige EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos will auch über die Verteilung von Asylbewerbern reden, "um zu sehen, ob das geltende System mit Blick auf eine geteilte Verantwortung verbessert werden kann". Bislang legt die Dublin-II-Verordnung fest, dass das Land für den Asylantrag zuständig ist, in das der Asylbewerber in die EU eingereist ist. Das belastet vor allem die Mittelmeeranrainer in der EU. Eine Änderung ist unter den anderen EU-Staaten alleridngs höchst kontrovers.

Menschenrechtler fordern unterdessen die Wiedereinsetzung der italienischen Marinemission "Mare Nostrum", die im Herbst eingestellt wurde, weil sich die EU-Partner nicht an ihrer Finanzierung beteiligen wollten. Die Mission wurde durch den kleineren Grenzschutzeinsatz "Triton" ersetzt, der unter Leitung der Grenzschutzagentur Frontex steht. Anders als "Mare Nostrum" dient er nicht in erster Linie der Rettung von Flüchtlingen, sondern dem Schutz der EU-Außengrenze. Zudem beschränkt sich das Einsatzgebiet auf die italienischen Gewässer, während "Mare Nostrum" bis vor die libysche Küste reichte. Außerdem sind die eingesetzten Schiffe deutlich kleiner.

Quelle: n-tv.de

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