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Kampf um Rebellenhochburg: Zivilisten sterben bei Angriffen auf Donezk

Die Kämpfe um die von Separatisten kontrollierte ostukrainische Stadt Donezk nehmen zu. Bei Luftangriffen der ukrainischen Armee sollen mehrere Zivilisten umgekommen sein. Die Vereinten Nationen befürchten eine humanitäre Katastrophe in der Region.

Die ukrainische Luftwaffe hat in der Nacht nach Angaben der örtlichen Behörden erstmals die Rebellenhochburg Donezk im Osten des Landes angegriffen. Es habe keine Opfer gegeben, teilte die Stadtverwaltung mit. Das Geschoss habe einen vier Meter breiten und eineinhalb Meter tiefen Krater in einer Straße hinterlassen. Dabei sei auch eine Gasleitung beschädigt worden. Zudem werde ein Blindgänger vor Ort entschärft. Unklar war zunächst, wer für den Angriff verantwortlich war.

Die Luftangriffe sollen einen großen Krater in eine Straße gerissen haben.
Die Luftangriffe sollen einen großen Krater in eine Straße gerissen haben.(Foto: REUTERS)

Es handelte sich um den ersten Luftangriff auf Donezk, seitdem die Armee im Mai den Flughafen am Rand der Stadt bombardiert hatte, um die prorussischen Separatisten von dort zu vertreiben. Die ukrainische Armee führt derzeit eine Offensive zur Rückeroberung der Großstadt. Ein Sprecher des ukrainischen Militärs sagte, die Truppen bereiteten sich auf die "Befreiung" von Donezk sowie die Eroberung von Lugansk und Gorliwka vor, die ebenfalls von den Rebellen kontrolliert werden.

Am Dienstag hatten sich Regierungstruppen und Rebellen in mehreren Vororten von Donezk schwere Gefechte geliefert. Mindestens drei Zivilisten wurden nach Angaben der Stadtverwaltung bei den Kämpfen getötet. Zehntausende Einwohner sind aus Angst vor den Kämpfen bereits aus Donezk geflohen. Innerhalb von 24 Stunden starben bei den Kämpfen zudem mindestens 18 Soldaten, teilte das Militär mit. In Gorlowka sollen nach Behördenangaben 33 Zivilisten durch Artilleriebeschuss getötet worden sein.

Die ukrainische Armee bereitet die Rückeroberung von Donezk vor.
Die ukrainische Armee bereitet die Rückeroberung von Donezk vor.(Foto: REUTERS)

Das ukrainische Militär versucht seit Wochen, die Rebellen aus ihren Hochburgen im Osten des Landes zu vertreiben. Zwar gelang es der Armee, Slawjansk, Mariupol und andere kleinere Städte zurückzuerobern, doch geriet die Offensive angesichts der heftigen Gegenwehr der Rebellen immer wieder ins Stocken.

Russland warf der ukrainischen Führung dabei erneut den Einsatz von Phosphorbomben gegen Zivilisten vor. "Eine Bodenprobe hat ergeben, dass die Armee in der Nähe von Slawjansk die verbotenen Brandgeschosse verwendet hat", sagte der Sprecher der russischen Ermittlungsbehörde der Agentur Interfax zufolge. Der Einsatz sei ein klarer Verstoß gegen das Genfer Abkommen und ein "Kriegsverbrechen". Die russischen Behörden bezogen sich auch auf Berichte ukrainischer Flüchtlinge.

"Es ist ein echter Krieg"

Die Vereinten Nationen beklagen derweil eine Verschlechterung der humanitären Situation in der Ostukraine. "Wir sprechen von 3,9 Millionen Menschen, die in einer von der Gewalt heimgesuchten Region leben", sagte John Ging vom Nothilfebüro der UN in einer Sondersitzung des Sicherheitsrates in New York.

"Es ist ein echter Krieg", sagte Russlands UN-Botschafter Tschurkin.
"Es ist ein echter Krieg", sagte Russlands UN-Botschafter Tschurkin.(Foto: AP)

"Die Infrastruktur ist zerstört, Strom gibt es kaum und Wasser nur ein paar Stunden am Tag", so Ging. Jeden Tag würden etwa 1000 Menschen aus dem Kampfgebiet fliehen. Seit Beginn des Konflikts seien 1376 Menschen getötet worden, mehr als 4000 seien verletzt.

"Es ist ein echter Krieg", sagte Russlands UN-Botschafter Vitali Tschurkin, der die Dringlichkeitssitzung gefordert hatte. "Trotz internationaler Abkommen setzt Kiew seine Militäreinsätze fort. Wohngebiete werden beschossen und es werden sogar Kassettenbomben eingesetzt." Tschurkin sagte, Russland habe 800.000 Flüchtlinge aufgenommen. Laut UN sind es allerdings 168 000.

In Lugansk sind nach wochenlangen Kämpfen etwa 250.000 Menschen ohne Wasser und Strom. Die Behörden sprechen von einer "humanitären Katastrophe". Im benachbarten Donezk verließen nach einem dringenden Appell der Regierungstruppen viele Menschen die Stadt durch einen Fluchtkorridor.

"Russland kann das alles beenden"

Ein Vertreter der Ukraine sagte, Russlands Forderung nach der Sondersitzung des Sicherheitsrates sei an Zynismus nicht zu überbieten. "Sie sind es, die unser Land destabilisieren. Keines dieser Probleme würde bestehen, wenn Sie sich nicht in die Angelegenheiten eines souveränen Landes einmischen würden."

Auch die USA warfen Russland Heuchelei vor. "Russland kann das alles beenden", sagte Vize-Botschafterin Rosemary DiCarlo. "Die Gewalt endet an dem Tag, an dem Russland seine Hilfe für die Aufständischen einstellt." Moskau müsse die Ukraine respektieren und die Besetzung der Krim beenden, sagte sie. "Und Russland muss endlich mit der Destabilisierung der Ostukraine aufhören." Überdies beunruhigt die USA die Verstärkung russischer Truppen an der Grenze zur Ukraine.

Bei heftigen Gefechten zwischen Regierungskräften und Separatisten in der Ostukraine kamen unterdessen erneut mehrere Menschen ums Leben. Die ukrainische Armee sprach von 3 Toten und 46 Verletzten in den eigenen Reihen, die prorussischen Gruppen meldeten bei sich 2 Tote und 13 Verletzte.

Trotz der Gefechte setzten internationale Experten ihre Arbeit am Absturzort des malaysischen Flugzeugs MH17 fort. An dem riesigen Trümmerfeld bei Grabowo seien etwa 110 Helfer aus den Niederlanden, Australien und Malaysia eingetroffen, teilte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit. Die Experten suchen nach Leichenteilen und privaten Gegenständen der 298 Opfer.

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Quelle: n-tv.de

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