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Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung,   stellt die deutsche Ausgabe des Weltbevölkerungsberichts vor.
Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung, stellt die deutsche Ausgabe des Weltbevölkerungsberichts vor.(Foto: dpa)

UN: Haupthindernis für Wohlstand: Zu geringe Geburtenkontrolle

222 Millionen Frauen in Entwicklungsländern haben keinen Zugang zu Verhütung - die Regierungen versagen, meinen die Vereinten Nationen. Experten sehen durch die fehlenden Familienplanung ein entscheidendes Hindernis für Wohlstand in den armen Regionen der Welt.

Angesichts einer auf weit mehr als sieben Milliarden Menschen gewachsenen Weltbevölkerung haben die Vereinten Nationen in einem flammenden Appell zu mehr Geburtenkontrolle aufgerufen. Rund 222 Millionen Frauen hätten derzeit keinen genügenden Zugang zu Verhütungsmitteln, vor allem in Südasien und Afrika. Mangelnde Geburtenkontrolle sei eines der wesentlichen Hindernisse für Wohlstand in vielen Ländern der Welt, heißt es in dem am Mittwoch vorgestellten Weltbevölkerungsbericht des UN-Bevölkerungsfonds UNFPA unter dem Titel "Familienplanung - durch Entscheidung, nicht durch Zufall".

"Das entscheidende Hindernis für wirksame Geburtenkontrolle ist der Zugang dazu", sagte UNFPA-Exekutivdirektor Babatunde Osotimehin. Die Regierungen täten nicht genug. "Zugang zu Verhütung ist ein Grundrecht", betonte er. Es habe sich herausgestellt, dass die Nutzung von Verhütungsmitteln weniger eine Frage von Glauben oder Stammeskulturen ist. "Wenn die Frauen die Möglichkeit haben und wenn man sie auf die Schule schickt, dann treffen sie ihre Entscheidungen", sagte Osotimehin.

Die internationalen Gelder zur Förderung der Verbreitung von Verhütungsmitteln seien in den vergangenen Jahren eher zurückgegangen. Der Gebrauch von Kondomen, Anti-Baby-Pillen und anderen Verhütungsmitteln sei über die vergangenen Jahre nur um 0,1 Prozent gestiegen. Eine Frau in Zentralafrika gebäre noch immer mehr als fünf Kinder - in Nordeuropa liegt die Zahl bei knapp weniger als 1,5.

Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln

Die volle Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln in Entwicklungsländern könnte dem Bericht zufolge die Gesundheitskosten für die Behandlung Neugeborener und ihrer Mütter um 11,3 Milliarden Dollar jährlich senken. Um alle Frauen zu versorgen, müssten nach Berechnungen der UN mehr als 8 Milliarden Dollar pro Jahr aufgewendet werden - 4,1 Milliarden Dollar mehr, als bisher. Damit könnten aber Kosten in Höhe von 5,7 Milliarden Dollar eingespart werden, die derzeit für die Behandlung von gesundheitlichen Problemen ausgegeben, die durch mangelnde Geburtenkontrolle entstehen.

Ein Umschwung bei der Geburtenkontrolle könne für viele Länder ungeahnt positive wirtschaftliche Folgen haben. Eine Studie in Nigeria habe ergeben, dass ein Verzicht auf nur ein Kind pro Familie in den nächsten 20 Jahren ein Wachstum für die nigerianische Volkswirtschaft von 30 Milliarden US-Dollar bringen könne. "Familienplanung hat einen positiven Multiplikationseffekt auf die Entwicklung", sagte Osotimehin. Ein Drittel des Wachstums in den asiatischen "Tiger"-Staaten sei auf eine Wende in der Bevölkerungspolitik zurückzuführen.

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Quelle: n-tv.de

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