Mittwoch, 03. Oktober 2007
Dokumentarfilm zu gefährlich: Zwei Deutsche in Nigeria in Haft
Nigerias Behörden haben die deutschen Dokumentarfilmer Florian Opitz und Andy Lehmann wegen Gefährdung der nationalen Sicherheit angeklagt. Sie hätten unter anderem Pipelines, Raffinerien und Schiffe gefilmt und fotografiert, heißt es in Anklageschrift, die am Mittwoch vor einem Gericht in Abuja vorgetragen wurde.
Der Staatsanwaltschaft zufolge droht den beiden Globalisierungskritikern eine Höchststrafe von 14 Jahren Haft. Das Gericht vertagte sich bis Freitag und ordnete an, dass die Deutschen und zwei mutmaßliche "Komplizen" aus den USA und Nigeria bei der Geheimpolizei SSS in Haft einsitzen. Die Helfer hätten den Deutschen geraten, bei der Einreise falsche Angaben zu machen.
Die deutsche Botschaft war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Vergangenen Freitag hatte eine Sprecherin Berichte in nigerianischen Zeitungen zurückgewiesen, wonach den Journalisten Spionage vorgeworfen werde.
Laut Anklage haben Regisseur Opitz und Kameramann Lehmann die Bilder im Nigerdelta aufgenommen. In der Region kämpft eine militante Autonomiebewegung gegen die Zentralregierung. Opitz hatte angekündigt, einen Dokumentarfilm über das Thema zu drehen. In Deutschland wurde er vor allem durch den Streifen "Der große Ausverkauf" über Privatisierungen bekannt.
Erst vor gut einer Woche drohten die Rebellen mit neuen Angriffen auf ausländische Ölfirmen. Das ölreiche Nigerdelta verfügt über die wichtigsten Rohstoff- und Einnahmequellen des Landes. Auch kriminelle Banden sorgen für Unsicherheit und Gewalt im Nigerdelta. Seit 2006 wurden mehr als 200 Ausländer entführt, oft Arbeiter von Ölfirmen. Die meisten wurden nach teils wochenlanger Gefangenschaft gegen ein Lösegeld unverletzt frei gelassen.
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