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Grund für SkandalfotosAngst vor dem eigenen Tod

27.10.2006, 13:03 Uhr

Bundeswehr-Truppenpsychologe Völkel sieht in nicht bewältigten Belastungssituationen eine mögliche Ursache für die Skandalfotos. Die Reaktion sei nicht militärtypisch, so Völkel. Sie sei mit einem Lachanfall auf einer Beerdigung vergleichbar.

Der Bundeswehr-Truppenpsychologe Bernd Völkel erklärt die Totenschändungen durch deutsche Soldaten in Afghanistan zum Teil mit deren Angst vor dem eigenen Tod. "Gerade der Umgang mit Knochen konfrontiert mit dem Thema Tod. Das ist eine makabere Situation", sagte Völkel vom Dezernat für Truppenpsychologie in Bonn am Freitag in einem Interview. Eine mögliche Erklärung für die Fotos sei, dass die Soldaten eigene Todesgedanken durch zur Schau gestellte "Coolness" überspielen wollten.

Vergleichbar mit Lachanfall auf Beerdigung

"Ursachen können nicht bewältigte Belastungs- und Stresssituationen und die Gruppendynamik sein. Ein einzelner Soldat würde so etwas nie machen", sagte Völkel. "Soldaten bekommen sogar die Aufforderung, vor einem Auslandseinsatz ihr Testament zu schreiben. Das führt natürlich zu Abwehr." Diese Reaktion sei auch nicht militärtypisch, sondern in vielen anderen Lebenssituationen zu beobachten. Als Beispiel nannte der Psychologe einen Lachanfall auf einer Beerdigung.

Völkel gab aber zu bedenken: "Man muss erwarten, dass Soldaten auf Grund ihrer Ausbildung Sensibilität zeigen. Wir bilden Soldaten für solche Stresssituationen aus. Andererseits sind die Soldaten einem sehr umfassenden Komplex an Belastungen ausgesetzt." Zu diesen Belastungen gehörten unter anderem die Trennung von Familie und Freunden, das fremde Umfeld, die unklare Bedrohungslage und die fehlende Privatsphäre. Zudem seien die Soldaten zum Zeitpunkt der Entstehung der Fotos noch sechs Monate und nicht wie heute lediglich vier Monate im Auslandseinsatz gewesen.

"Selbst die bestmögliche Ausbildung und Führung vor Ort wird einzelnes Fehlverhalten nicht verhindern können", sagte Völkel. Auf die Frage, ob er die auf den Fotos festgehaltenen Szenen als Leichenschändung bewerte, antwortete er: "Ich glaube nicht, dass deutsche Soldaten Leichenschändung betreiben. Die Achtung vor den Einheimischen und der Kultur wird den Soldaten in der Ausbildung eindringlich vermittelt."