Eisbären müssen weinenArktisches Eis schmilzt
Den Eisbären schmilzt der Boden unter den Füßen weg und Ureinwohnern droht die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen. Experten diskutieren auf der Arktiskonferenz über die Auswirkungen des Klimawandels.
Schwindende Lebensräume für Eisbären, massive Probleme für Ureinwohner und einen weiteren Anstieg der Treibhausgase in der Luft - die Auswirkungen des Klimawandels auf die Arktis könnten nach Einschätzung von Experten bereits in wenigen Jahren dramatisch sein. Dass derzeit durch die globale Erderwärmung Eis im arktischen Ozean und an Gletschern schmilzt, wird aber voraussichtlich auch weltweite Folgen haben.
"Gerade in der Arktis wirkt sich jede Veränderung extrem auf den globalen Klimawandel aus, weil Schnee und Eis besonders stark auf Erwärmung reagieren" sagte der Leiter der Potsdamer Forschungsstelle des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung, Hans-Wolfgang Hubberten anlässlich einer internationalen Arktiskonferenz in Potsdam mit rund 160 Fachleuten.
Die Fachleute haben unter anderem die Befürchtung, dass durch den seit einigen Jahren beobachteten Rückgang der Meereisbedeckung unter anderem die Eisbären bedroht werden. "Bereits binnen der nächsten zehn Jahre könnten Eisbären aus sibirischen Gebieten vertrieben sein, weil ihr Lebensraum verloren gegangen ist", meinte Hubberten.
Insbesondere das zunehmende Tauen des bis zu 1000 Meter mächtigen Permafrostes, der in den Küstenregionen im Sommer an der Oberfläche 40 bis 50 Zentimeter auftaut, könnte zudem zu massiven Veränderungen der Landschaften mit weit reichenden Folgen für die dort lebenden Völker führen. "Häuser drohen instabil zu werden, Straßen sacken ab." Zudem wird laut Hubberten die Nutzung der Rohstoffvorkommen in der Arktis durch den Rückgang des Meereises erleichtert. Dies könnte unter anderem eine erhebliche Verschmutzung der Böden, Gewässer oder der Luft bewirken und den Lebensraum der Ureinwohner einschränken.
Auch die Gesellschaft für bedrohte Völker warnte aus Anlass der Fachkonferenz in Potsdam vor den Gefahren des Klimawandels für die rund 400 000 Ureinwohner der Arktis, die von der Jagd etwa auf Robben und von Rentierhaltung leben. Ihnen drohe die Zerstörung der Lebensgrundlagen, da sich die Natur so grundlegend verändere, dass sich die Ureinwohner nicht mehr anpassen könnten. "Die mehr als 30 indigenen Völker sind die ersten Opfer des Klimawandels weltweit", erklärte die Gesellschaft.
Eine weitere Gefahr der Klimaveränderungen in der Arktis ist laut Hubberten ein Anstieg der Treibhausgase in der Luft und damit ein weiterer Beitrag zur globalen Erderwärmung. "Durch das Auftauen des Permafrostes können Prozesse in Gang gesetzt werden, durch die Kohlendioxid und Methan freigesetzt werden." Derzeit gehen nach den Worten von Hubberten die Experten davon aus, dass bedingt durch Treibhausgase die Temperaturen auf der Erde in den nächsten 100 Jahren 2 bis 6 Grad über den jetzigen liegen werden - wenn die gegenwärtige Erwärmung anhält.
"Sollte es wirklich 6 Grad wärmer werden, könnte es zu Katastrophen wie der Versteppung ganzer Länder, Hungersnöten oder Überschwemmungen kommen." Die Arktis-Forscher fordern daher unter anderem durch Gesetze die Emission von Treibhausgasen zurückzufahren, zum Beispiel den verstärkten Einsatz alternativer Energien und verbrauchsarmer Autos sowie andere Energie sparende Maßnahmen zu fördern. "Schließlich haben wir eine Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen."