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Eine Mutter ist verzweifeltBangen um die Tochter

29.11.2005, 16:53 Uhr

Schon fast fünf Jahre hat Ingrid Hala ihre Tochter nicht mehr gesehen. Es war eine Zeit des Hoffen und Bangens. Jetzt traf das Befürchtete ein.

Schon fast fünf Jahre hat Ingrid Hala ihre Tochter nicht mehr gesehen. Es war eine Zeit des Hoffen und Bangens. Bei jeder Nachricht über Entführungen im Irak sei sie aufgeschreckt. Jedes Mal habe sie gedacht: "Hoffentlich ist sie nicht drunter."

Als in der Nacht zum Dienstag das Telefon zu Hause im bayerischen Rott am Inn klingelte, erloschen die Hoffnungen. Der Anruf kam aus dem Auswärtigen Amt in Berlin.

Ihr Kind Susanne Osthoff ist die erste Deutsche, die im Irak verschleppt worden ist. Auf sie könnte ein gewaltsamer Tod warten. Seit Freitag ist sie verschwunden, seit Samstag geht das Auswärtige Amt nach eigenen Angaben von einer Geiselnahme aus, die wahrscheinlich politisch motiviert ist.

Osthoff kannte die Gefahren im Irak. "Wer die Nerven verliert, ist tot", hatte sie 2004 in einem Interview gesagt. Die inzwischen 43-Jährige zeigte Stärke. Zu wichtig war ihr das Engagement im Irak - sowohl zur Verbesserung der humanitären Lage als auch für den Schutz historischer Stätten. "Sie liebt die Leute, die Kultur, das Land, ist richtig fanatisch", beschreibt die Mutter den Einsatz Osthoffs, die zum Islam konvertierte. Angesichts des Elends der Iraker "gab es für sie nichts anderes als zu helfen".

Selbst Mutter einer Tochter

Osthoff, die selbst eine Tochter hat, die zu Hause in Bayern lebt, hatte im März 2004 in der "Süddeutschen Zeitung" erklärt: "Die Flüchtlinge kommen nicht raus, also muss ich rein." Osthoffs Mutter hatte die Mission ihres Kindes nicht wirklich gut geheißen, aber auch Verständnis gezeigt. "Wenn jemand das halt drin hat, da können's das nicht ausreden", sagt Hala im heimischen Dialekt. Schließlich sei Susanne eine "eigenständige, erwachsene Frau". Die Mutter fügt hinzu: "Wenn ich solche Pläne hätte, würde ich mich auch nicht aufhalten lassen."

Osthoff hielt trotz aller Gefahren und Warnungen durch, harrte im Irak aus und wurde Opfer einer Entführung. Dabei galten Deutsche im Vergleich zu Amerikanern und Bürgern jener westlicher Staaten, die die US-Invasion im Irak unterstützten, als nicht ganz so gefährdet. Bisher sei davon ausgegangen worden, dass Deutsche einen "gewissen Bonus" hätten, sagt Islam-Experte Michael Lüders. "Das erweist sich nun als Irrtum" -möglicherweise mit tödlichen Folgen. "Es besteht akute Lebensgefahr. Das muss man klar sagen", betont Henner Fürtig vom Deutschen Orient-Institut in Hamburg.

"Die Täter sind vom Hass erfüllt"

Der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer hat nie daran geglaubt, dass Deutsche im Irak für alle Zeit verschont werden. "Die Täter sind vom Hass erfüllt, die werden keinen Unterschied machen", sagte er bereits vor vielen Monaten. Auch Ex-Innenminister Otto Schily hatte stets betont, Deutschland sei Teil eines internationalen Gefahrenraums.

Um zu erfahren, wie groß die Gefahr für Deutsche im Irak ist, reicht ein Blick auf die Internetseite des Auswärtigen Amtes. Dort wird seit Monaten eindringlich vor Reisen in das Land gewarnt. Bundesbürgern wird geraten, den Irak zu verlassen. "Das Risiko von Entführungen ist sehr hoch." Und weiter heißt es, "seit April 2003 sind mehrere Tausend Menschen bei Anschlägen ums Leben gekommen."