400 Gramm pro BundesbürgerBeliebtester Festtagsbraten
Ob mit Äpfeln, Kastanien, Zwiebeln oder Dörrpflaumen gefüllt, mit Beifuß oder Majoran gewürzt: Der traditionelle Gänsebraten mit Rotkohl und Klößen ist Favorit auf dem weihnachtlichen Speisezettel der Deutschen.
Ob mit Äpfeln, Kastanien, Zwiebeln oder Dörrpflaumen gefüllt, mit Beifuß oder Majoran gewürzt: Der traditionelle Gänsebraten mit Rotkohl und Klößen ist Favorit auf dem weihnachtlichen Speisezettel der Deutschen. In zwei Drittel der Haushalte kommt das knusprige Geflügel an den Feiertagen auf den Tisch. Dabei ist die Gans eines der wenigen saisonalen Gerichte in Deutschland. In den sechs Wochen zwischen Sankt Martin und Weihnachten verzehren die Bundesbürger rund zehn Millionen Gänse. Das sind rund 35000 Tonnen Gänsefleisch, also "400 Gramm pro Bundesbürger", sagt der Sprecher der schleswig-holsteinischen Landwirtschaftskammer, Manfred Christiansen.
Die Gänse gehören zu den ältesten domestizierten Geflügelarten. Schon vor 3500 Jahren wurden sie als Hausgeflügel gehalten. Auch heute noch leben sie in Deutschland meist in großen Gruppen mit ausreichend Auslauf auf Grünflächen bei relativ langen Mastzeiten. Gänse gehören daher nach Auffassung des "Bundesverbands Tierschutz" zu den wenigen Tiere in Deutschland, die artgerecht gehalten werden.
Doch nur jede siebte Gans, die über die Ladentheke geht, ist auch in Deutschland aufgewachsen. Der Rest sind "Billigimporte" -häufig aus Ungarn und Polen, aber auch aus Frankreich. Die meist tiefgefrorene Ware stammt überwiegend aus Intensivmast, die Preisunterschiede zu hiesigen Freilandgänsen sind enorm.
Warum die Tiere dort so viel billiger produziert werden können, weiß die Tierschutz Stiftung "Vier Pfoten": Mehrfachverwertung ist die neutrale Umschreibung für ein qualvolles Gänseleben. Dazu gehört das so genannte Lebendraufen -also das Rupfen der wertvollen Gänsedaunen und -federn bei lebendigem Leib. In Polen und Ungarn müssen die Vögel die sehr schmerzhafte Prozedur bis zu vier Mal in ihrem kurzen Leben erdulden, um den Gänsezüchtern guten Verdienst zu bringen.
In Ungarn und Frankreich erzielen die Züchter den größten Gewinn durch die Fettlebern, für die westeuropäische Gourmets Spitzenpreise zahlen. Um an diesen Rohstoff für feine Gänseleberpastete zu gelangen, die "Pt de foie gras", werden die Gänse "gestopft". Normalerweise frisst eine Gans täglich rund 200 Gramm Futter. Das Stopfen ist eine für die Vögel qualvolle Zwangsernährung mit bis zu zwei Kilogramm Futter pro Gans. Dazu wird den Tieren mehrmals täglich maschinell mit langen Stäben oder mit Druckluft ein Maisbrei in den Magen gepresst. Die Züchter erhalten so Gänse mit einer krankhaften, 500 bis 1000 Gramm schweren Fettleber. Zum Vergleich: Eine gesunde Gänseleber bringt lediglich 150 bis 160 Gramm auf die Waage. Das Zwangsstopfen, das zur Erzeugung der Fettlebern erforderlich ist, ist in Deutschland nach dem Tierschutzgesetz von 1972 verboten.
Das Gänsefleisch ist für diese Züchter daher kaum mehr als ein "Abfallprodukt". Doch auch beim Gänsebraten sind guter Geschmack und gutes Gewissen vereinbar. Zum Beispiel bei deutschen Gänsen aus bäuerlicher Freilandhaltung. Bei dieser "Weidemast" werden die Tiere mehr als fünf Monate lang ausschließlich im Freien gehalten -das ist mehr als doppelt so lange wie bei der Intensiv-Mast im Käfig.
(von Wolfgang Runge, dpa)