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Mittwoch, 21. Dezember 2005

Kahn, Ballack, Netzer: Betz hat sie alle

"Ich bin jetzt kurz vor dem 70. Geburtstag, und auf einem Fußballplatz war ich noch nie in meinem Leben. Aber ich hab meine eigenen Bilder vom Fußball". Mathilde Betz aus Recklinghausen hat eines der größten Fußballbilder-Archive Deutschlands und ist stolz auf ihre Kicker-Klebebildchen.

Vor gut 20 Jahren hat sie die Leidenschaft für die nur wenige Zentimeter großen Bilder mit den Großen und Kleinen der Fußball-Geschichte gepackt und seitdem nicht mehr los gelassen. "Ich wüsste wirklich keinen, der mehr Sammelbilder hat, als ich", betont die rüstige Seniorin, die immer noch täglich Bilder tauscht und bundesweit im Kontakt mit anderen Sammlern steht.

In Alben und Schuhkartons bewahrt die 69-Jährige nach eigener Einschätzung rund 100.000 der bunten Bildchen mit den Konterfeis von Fußballstars auf. Die Wohnung ist ein einziges Archiv, mit haufenweise Alben. Alles, was Mathilde Betz doppelt oder dreifach hat, befindet sich katalogisiert, registriert und geordnet in hunderten von Kartons im Keller. Natürlich ganz ordentlich nach Namen, Vereinen, Jahrgängen und Nummern geordnet.

"Oliver Kahn, Michael Ballack oder Günter Netzer. Die Namen hab ich schon mal gehört, aber ich kenn die nicht vom Gesicht oder vom Spielen", bekennt die alte Dame, die an manchen Tagen über Stunden ihrem ungewöhnlichen Hobby nachgeht.

Ihr Bekanntenkreis ist mit der Menge der zusammengetragenen Klebebildchen gewachsen. Selbst mit österreichischen und schweizerischen Sammlern steht Mathilde Betz im Kontakt. Oft ist sie mit ihrem riesigen Archiv für andere Fans von Fußballer-Bildern "die letzte Rettung", wie sie sagt. "Natürlich ist das eine Menge Arbeit. Aber ich bin sicher, nicht zuletzt durch meine Beschäftigung mit den Klebebildern bin ich noch so fit", meint die Seniorin. Die Schnäppchenjagd auf Sammlermessen möchte die 70-Jährige nicht missen.

Stundenlang sitzt sie über Listen mit fehlenden oder mehrfach vorhandenen Bildern, sortiert oder klebt ein. Wenn ich nicht alle Sinne beisammen habe, kann ich einpacken", sagt die rüstige Frau, die sich sehr wohl darüber im Klaren ist, dass sie in ihren vier Wänden und im Keller ein kleines Vermögen hortet. Vor wenigen Jahren kaufte und tauschte sie für rund 500 Mark im Monat solche Bilder. Nicht nur Fußballer, auch Oldtimer, Eisenbahnen, Superhelden und Pflanzen gehören zu ihrem Fundus.

"Egal ob Superstar oder Ersatzbänkler"

Ihr vor wenigen Jahren gestorbener Mann war Fan des HSV, einer ihrer Söhne steht auf den Revier-Verein Schalke 04. Mathilde Betz selbst hat keinen Lieblingsverein. "Ich mag sie halt alle, auch alle Spieler. Egal ob sie nun Superstars oder Ersatzbänkler sind", meint die Sammlerin schmunzelnd.

Auch nach vielen Jahren freut sie sich, wenn sie etwa auf einem Trödelmarkt ein Bild entdeckt, dass ihr noch fehlt. Und es ist für sie auch immer wieder ein "besonderes Gefühl, ein Tütchen aufzureißen und Köpfe zu finden", die ein Album, einen Jahrgang oder eine Mannschaft komplettieren.

Für einen in Nettetal am Niederrhein beheimateten Verlag von Sammelbildern ist Mathilde Betz eine Top-Expertin. Wenn der Verlag bei einer Nachfrage nach alten Bildern mal nicht weiter weiß, wird die in Ostpreußen geborene Sammlerin um Rat gefragt und weiß fast immer weiter.

Immerhin besitzt sie unter anderem die Bundesliga-Alben seit Beginn der 80er Jahre komplett. Natürlich ist sie selbst bei dem in Deutschland marktführenden Verlag Stamm-Kundin. "Mit 811 Euro Rente kann ich natürlich nicht mehr so viel in meine Bildersammlungen investieren, wie früher, aber ich warte mit Spannung auf die Klebebilder der neuen Fußball-Bundesliga", freut sich die 69-Jährige.

Aufhören mit Sammeln kann und will sie nicht: "Nur wenn ich krank würde und Geld nötig hätte, würde ich alle meine Spieler-Bilder ziehen lassen."

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