Archiv

Rückzug ins PrivatlebenBush will Ruf verbessern

23.12.2008, 09:42 Uhr

Wenn Bush am 20. Januar zum letzten Mal in die Air Force One steigt, um ins heimische Texas zu fliegen, beginnt sein Rückzug ins Privatleben. Zu seinen Projekten im Ruhestand zählt, den Makel des Scheiterns loszuwerden.

Ein größerer Bruch in der Lebensführung ist kaum vorstellbar. Acht Jahre lang wurde jeder öffentliche Schritt von US-Präsident George W. Bush verfolgt, jedes Wort wurde registriert. Am 20. Januar, dem letzten Tag seiner Amtszeit, beginnt für Bush ein neues Leben. Mit seiner Frau Laura wird er zum letzten Mal in das Präsidentenflugzeug Air Force One steigen und ins heimische Texas fliegen. Bush, der so unpopulär ist wie kaum einer seiner Vorgänger, will sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Zu seinen Langzeitprojekten im Ruhestand zählt, den Makel des Scheiterns loszuwerden und seine Politik nachträglich zu rechtfertigen.

In einer Serie von Interviews hat Bush in den vergangenen Wochen über seine Zukunftspläne Auskunft gegeben. Er präsentierte sich als Mann, der mit sich selbst im Reinen ist. "Ich will keine Aufmerksamkeit mehr erregen", sagte er dem TV-Sender ABC. "Ich will eine Weile außerhalb des Scheinwerferlichts leben." Seine Frau Laura pflichtete ihm bei: "Ich freue mich auf ein normaleres Alltagsleben." Dem politischen Haifischbecken Washington kehren die Bushs den Rücken: In der texanische Metropole Dallas kauften sie sich eine Villa, ihre rustikale Ranch im Dörfchen Crawford liegt ganz in der Nähe.

Publikumslieblinge und Isolierte

Die historischen Vorbilder für den Wechsel in den Ruhestand fallen sehr unterschiedlich aus. Populäre Präsidenten wie Bill Clinton oder Ronald Reagan waren nach dem Ende ihrer Amtszeit Publikumslieblinge und gefragte Gastredner. Gescheiterte Amtsinhaber wie etwa Jimmy Carter oder der Vietnamkriegs-Präsident Lyndon B. Johnson mussten erfahren, dass sie nach dem Abschied aus dem Weißen Haus regelrecht in die Isolation stürzten, weil sie zunächst vom politischen Establishment geschnitten wurden. Bush weiß, dass er zur letzteren Kategorie zählen dürfte: Seine Zustimmungswerte liegen in Umfragen unter 30 Prozent.

Mit einem Buch über seine Regierungszeit will Bush im Ruhestand sein Image aufpolieren. "Ich will, dass die Leute wissen, warum ich manche meiner Entscheidungen getroffen habe", sagte er dem Sender CNN. "Ich will, dass die Leute die Wahrheit wissen." Die Millionen von Dokumenten aus seiner Amtszeit will Bush in einer Präsidentenbibliothek auf einem Universitätscampus in Dallas archivieren lassen, in einem "Freiheitsinstitut" (Freedom Institute) sollen Wissenschaftler dort über sein außenpolitisches Kernanliegen forschen, die Demokratisierung autoritärer Staaten.

Hier sieht Bush sein Vermächtnis, das freilich durch den von Planungspannen und Fehlkalkulationen begleiteten Irak-Krieg schwer belastet wird. Angesichts der Irak-Bürde scheint Bushs Erwartung an das Urteil der Nachwelt sehr optimistisch: "Ich möchte als Präsident in Erinnerung bleiben, der 50 Millionen Menschen befreit hat und Frieden erreicht hat", sagte er kürzlich in einem Gespräch mit Historikern der Kongress-Bibliothek mit Bezug auf den Irak und Afghanistan.

Keine Schuldzuweisungen an sich selbst

Dass der Irak-Krieg nicht nach seinen Vorstellungen verlief, gibt Bush zu. Schuldzuweisungen an sich selbst vermeidet er aber. "Was ich an meiner Präsidentschaft am meisten bedaure, ist das Versagen der Geheimdienste im Irak", sagte er in dem ABC-Interview. Damit schob Bush die Schuld den US-Nachrichtendiensten zu, die ihm mit ihren fehlerhaften Informationen über irakische Massenvernichtungswaffen den Vorwand für den Einmarsch im Irak gegeben hatten.

Die beißende Kritik an seiner Amtsführung, die inzwischen auch in seiner eigenen Partei erhoben wird, fechtet Bush offenbar nicht an. Keine Spur von Reue oder Zweifeln ist in seinen Abschiedsinterviews zu erkennen. Er sehe sich als einer, "der nicht seine Seele dem politischen Prozess zuliebe verkauft hat", sagte der Präsident in dem Historiker-Interview. "Ich kam mit festen Wertvorstellungen nach Washington, und ich verlasse Washington mit denselben Wertvorstellungen."

Quelle: Peter Wütherich, AFP