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Dem Terror zum TrotzCafe Leopold öffnet wieder

30.11.2008, 14:32 Uhr

"Das ist unsere Botschaft an die Terroristen: Wir haben gesiegt, nicht ihr", sagt der Besitzer des Cafe Leopold, Farzad Jehani.

Es war das erste Ziel der islamistischen Terroristen in Bombay, jetzt ist es der erste Anschlagsort, der wieder öffnet: Als die ersten Gäste und Journalisten am Sonntag in das altehrwürdige Cafe Leopold stürmten, brachen die Angestellten spontan in Beifall aus, einer rief trotzig: "Gott segne Indien". "Das ist unsere Botschaft an die Terroristen: Wir haben gesiegt, nicht ihr", sagt Besitzer Farzad Jehani.

Wie überall in Bombay rücken die Menschen nach der blutigen Anschlagserie, bei der mindestens 195 Menschen starben, auch im Cafe Leopold enger zusammen, zeigen sie sich fest entschlossen, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Pünktlich um zwölf Uhr mittags öffnen Jehani und sein Bruder Farhang die Läden des 137 Jahre alten Cafes, überwältigt von den Scharen von Gästen und Medienvertretern. Der erste Kunde, der 39-jährige Saleem Sharifally, bestellt für sich ein Bier und eine Cola für seinen sechsjährigen Sohn Ali - ganz, als wäre es wie immer, als wären hier nicht vier Tage zuvor zehn Menschen getötet worden. "Das ist ein Zeichen", sagt er. "Bombay kehrt zurück zur Normalität". So ganz stimmt es allerdings noch nicht: Schon nach einer halben Stunde schließt die Polizei das Lokal wieder - sie fürchtet, in dem Ansturm die Kontrolle zu verlieren.

Mit Bedacht hatten die Angreifer das Cafe Leopold als ihr erstes Ziel gewählt. Schon immer war das gemütliche Lokal ein Favorit westlicher Urlauber. Doch seit es als Schauplatz im Roman "Shantaram" des ehemaligen australischen Bankräubers und Gefängnisausbrechers Gregory David Roberts auftaucht, gehört es zum "Muss" aller Rucksack-Touristen, wenn sie in die indische Metropole kommen.

Zwei Einschusslöcher in den Frontfenstern zeugen am Sonntag noch von dem blutigen Drama vom Mittwoch. Ein weiteres Loch in der hinteren Wand verdeckt bereits eines der vielen, leicht vergilbten Poster, die der immer gut gefüllten Kneipe ihren altmodischen Charme verleihen.

In Jehanis Erinnerung dagegen ist das Drama noch ganz frisch. Nach seinem Eindruck waren die Attentäter bestens vorbereitet: "Sie kannten sich mit der Örtlichkeit bestens aus". Erst warfen die beiden Angreifer eine Handgranate durch die Eingangstür, dann rannten sie durch das vollbesetzte Lokal und feuerten mit ihren Automatikwaffen wild um sich. Bevor jemand reagieren konnte, waren sie durch eine Seitentür verschwunden - auf direktem Weg zum Taj Mahal-Luxushotel, ihrem nächsten Ziel. Im Lokal hinterließen sie zehn Tote: Vier Ausländer und sechs Inder, darunter zwei Angestellte.

Jehani und sein Bruder bekamen von dem Blutbad in ihrem Lokal zunächst nichts mit. "Wir saßen im ersten Stock und schauten uns das Kricket-Match zwischen Indien und England im Fernsehen an. Wir hörten zwar explosionsartige Geräusche, dachten aber, die Leute feiern mit Krachern unseren Sieg". Erst als Gäste schreiend aus dem Cafe rannten, wurde Jehani misstrauisch. Er lief die Treppe hinunter, sah überall Blut, umgestürzte Tische und Stühle und Menschen auf dem Boden. "Wir dachten nicht lange nach. Wir versuchten, alle Verletzten in Taxis zu verfrachten und ins Krankenhaus zu bringen - ob darunter auch Tote waren, haben wir gar nicht erst überprüft."

Wie Farzad und Farhang Jehani will sich auch Ratan Tata von den Terroristen nicht in die Knie zwingen lassen. Der Besitzer des Taj Mahal will das Luxushotel, das seine Familie vor 105 Jahren aus Protest gegen die von den Briten verfolgte Politik der Rassentrennung gegründet hatte, so rasch wie möglich renovieren und wiedereröffnen. Für den Leiter des Fremdenverkehrsamts, Kiran Kurundkar, ist der Palast mehr als nur eine Nobelherberge für reiche Touristen. "Das Taj Mahal ist eine Institution; es ist ein Teil Bombays und Indiens", sagt er. Mit seinem Wiederaufbau will Tata, der seine Familie bei den Anschlägen verloren hat, nach eigenen Worten ebenfalls ein Zeichen setzen, dass die Angreifer nicht gesiegt haben.

Quelle: Lynne O'Donnell, AFP