Venezuela in ErklärungsnotChaos bei der Copa America
Ticketprobleme, halbfertige Stadien und Einflussnahme der Politik: Die Copa America in Venezuela versinkt nach drei Spieltagen zunehmend im Chaos.
Ticketprobleme, halbfertige Stadien und Einflussnahme der Politik: Die Copa America in Venezuela versinkt nach drei Spieltagen zunehmend im Chaos. Vor allem der Ärger vieler Venezolaner über den nur schwer durchschaubaren Ticketverkauf hat das Nationale Organisationskomitee (CON) in Erklärungsnot gebracht.
Die politische Opposition wirft der Regierung des sozialistischen Staatpräsidenten Hugo Chavez vor, durch eine gezielte Ticketvergabe im Vorfeld der Südamerikameisterschaft unliebsame Fans aus den Arenen fernhalten zu wollen. Vor einigen Monaten war Chavez bei einem Baseballspiel, der Nationalsportart im hoffnungslos gespaltenen Land, gnadenlos ausgepfiffen worden. Die Wiederholung eines solches Szenarios, womöglich vor internationalen Medienvertretern, versuche der Staatschef nun zu verhindern.
Copa als Chavez-PR
"Wir haben nur 190.000 Tickets erhalten", versicherte dagegen CON-Generalsekretär Eduardo Alvarez in Caracas auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz und dementierte "kategorisch" eine Kontrolle der Ticketvergabe.
Chavez ist bei dem Turnier allgegenwärtig: Entweder auf der Tribüne wie beim Spiel der Gastgeber gegen Bolivien (2:2) oder als riesiges Plakatmotiv im Stadion oder den Austragungsstädten. In den Flughäfen laufen PR-Filmchen, die strahlende Fans und einen ebenso glücklichen Präsidenten zeigen.
Dabei begann das für die Gastgeber "größte Event der Sportgeschichte in diesem Land" mit einem verheerenden Imageverlust: Bereits zweimal musste die südamerikanische Fußball-Konföderation CONMEBOL die Notbremse ziehen und festgelegte Austragungsorte aus dem Spielplan nehmen.
Peinliche Verzögerungen
Caracas verlor aus "Sicherheits- und Kapazitätsgründen" das Halbfinale an den Endspielort Maracaibo und darf ebenso wie die Stadt Barinas, der ein Viertelfinalmatch entzogen wurde, nur noch eine relativ bedeutungslose Partie beherbergen.
Der Grund: Rund 377 Millionen Euro investierte die Öl-Nation Venezuela in den Neubau oder die Komplettsanierung der neun Copa-Arenen, doch die ehrgeizigen Projekte wurden nicht mehr rechzeitig fertig. In Merida fehlt ein Teil des Stadiondachs, Barinas gleicht noch einer Baustelle und in Barquisimeto, wo die Baumaßnahmen stolze 74 Millionen Dollar verschlangen, gibt es Probleme mit dem Rasen.
Gekaufter Maradona
Von all den Vorwürfen bekommt Ehrengast Diego Maradona nichts mit. Die argentinische Fußball-Legende fühlt sich als Gast des "Comandante" pudelwohl und lobt seinen Gastgeber artig.
"Hier behandelt man mich wie einen Fußballer. Bei der WM 2006 durfte ich beim Spiel Deutschland gegen Argentinien noch nicht einmal ins Stadion", ließ der Ex-Weltmeister in Maracaibo wissen. Die Begeisterung Maradonas soll laut Medienspekulationen allerdings ihren Preis haben: Von einer Gage in sechsstelliger Höhe ist die Rede.
von Tobias Käufer, sid