RechtschreibreformDarum geht's
Die 1996 beschlossene Rechtschreibreform sollte die Rechtschreibung vereinfachen. Die Übergangs- und Erprobungszeit sollte eigentlich am 31. Juli 2005 enden.
Die 1996 von Staaten des deutschen Sprachraums beschlossene Rechtschreibreform sollte die Rechtschreibung vereinfachen. Für Ämter und Schulen gelten die neuen Regeln seit 1. August 1998. Die Übergangs- und Erprobungszeit sollte eigentlich für alle Reformteile am 31. Juli 2005 enden und dann verbindlich werden.
Angesichts nicht abreißender Kritik an dem Reformwerk beschlossen die deutschen Kultusminister am 2. Juni, dass nur unstrittige Neuregelungen zum 1. August verbindlich werden. In den Schulen werden dann falsche Schreibweisen solcher Wörter nicht nur markiert, sondern auch bewertet. Zu den strittigen Teilen soll der Rat für deutsche Rechtschreibung Lösungsvorschläge unterbreiten. Hier soll von den Lehrern in den Schulen weiterhin "Toleranz geübt" und keine Fehler gewertet werden.
Als weitgehend unstrittig gelten die neuen Regeln für die Groß- und Kleinschreibung und die Laut-Buchstaben-Zuordnung. Dies betrifft zum Beispiel die neue Schreibweise von Stängel (früher Stengel), aufwändig (früher aufwendig) oder Soße (früher Sauce). Bei Fremdwörtern sind wahlweise Spaghetti mit Thunfisch und Spagetti mit Tunfisch möglich, bei der Groß- und Kleinschreibung vor Kurzem/auf das Herzlichste sowie vor kurzem/auf das herzlichste.
Im Fall der besonders umstrittenen Getrennt- und Zusammenschreibung machte der Rat für deutsche Rechtschreibung am 3. Juni Vorschläge. Danach sollen wieder mehr Wörter zusammengeschrieben werden und eine stärkere Orientierung am Sprachgebrauch der Menschen erfolgen. So schlug der Rat vor, Verben wie heilig sprechen und fertig machen künftig wieder zusammenzuschreiben. Bei "kennenlernen" seien beide Schreibweisen zuzulassen.
Grundsätzlich sollte nach den neuen Schreibregeln eher getrennt als zusammen und mehr groß als klein geschrieben werden. Auffälligste Änderung ist die Auflösung von "ß" nach kurzem Vokal zu "ss" (aus Fluß wird Fluss). Nach kurzen Vokalen wird öfter gedoppelt: nummerieren statt numerieren und Tipp statt Tip. In Wortzusammensetzungen bleiben dreifache Konsonanten immer erhalten: Balletttänzer, Kunststofffabrik (wie zuvor schon Kunststoffflasche).