Oswald MetzgerDer selbsternannte Querdenker
Einst war Oswald Metzger einer der profiliertesten Finanzpolitiker seiner Partei. Er selbst sieht sich als Querdenker - die Grünen sahen ihn als Querulanten.
Oswald Metzger inszeniert sich gern als Querdenker, der sich um Parteiräson nicht kümmert. Gern provozierte der Haushaltsexperte aus Baden-Württemberg auch seine grünen "Parteifreunde". Legendär ist sein Auftritt beim Parteitag in Kiel Ende 2004, als es um die Gesundheitsreform ging.
Damals kämpften SPD und Grüne erbittert gegen die Kopfpauschale der CDU. Metzger, damals ohne Amt und Mandat, trat ans Rednerpult und warb für seine Version der Kopfpauschale. Ein mächtiges Pfeifkonzert und Buhrufe waren das Ergebnis.
Dabei war der heute 53-jährige Finanzpolitiker zu Beginn der rot-grünen Bundesregierung (1998-2002) einer der profiliertesten Köpfe seiner Partei. Allerdings schreckte der Bundestagsabgeordnete auch nicht vor harscher Kritik am Koalitionspartner zurück. Im Streit über teure Airbus-Flugzeuge für die Bundeswehr forderte er den damaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) zum Rücktritt auf. Rücktrittsforderungen gegen einen Minister der eigenen Regierung - dieser Tabubruch wurde dem Oberschwaben auch in den eigenen Reihen übel genommen.
Lobbyist des Neoliberalismus
2002 kam das politische Aus. Die baden-württembergischen Grünen wählten ihn nicht auf die Landesliste für die Bundestagswahl. Fortan schrieb er Bücher, arbeitete als Lobbyist und tingelte als wirtschaftsliberaler "Grünen-Querdenker" durch Fernseh-Talkshows. Vor allem sein Engagement als "Berater" der von den Metall-Arbeitgebern finanzierten "Initiative neue soziale Marktwirtschaft" - einer einflussreichen neoliberalen Lobbygruppe - wurde bei den Grünen mit Kopfschütteln quittiert.
Erst bei der baden-württembergischen Landtagswahl Ende März 2006 gelang dem verheirateten Metzger der Wiedereinstieg in die Politik. "Ich bin zurück auf der parlamentarisch-politischen Bühne und werde hoffentlich wieder stärker wahrgenommen", lautete seine Erwartung. Als nach der Wahl über Schwarz-Grün diskutiert wurde, gehörte er zu den größten Verfechtern eines Bündnisses mit der CDU. Nach dem Einzug in den Stuttgarter Landtag wurde es eher wieder still um Metzger - vermutlich zu still für seinen Geschmack.
Das änderte sich erst kurz vor dem Nürnberger Parteitag: Wegen seiner Äußerung, viele Sozialhilfe-Empfänger sähen "ihren Lebenssinn darin, Kohlenhydrate oder Alkohol in sich hineinzustopfen", stand Metzger intern wieder einmal stark in der Kritik. Bei den Grünen geht man davon aus, dass der Konflikt inszeniert war, um die Partei mit einem Knall zu verlassen - und sich nun eine neue politische Heimat zu suchen.