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Indigo in KanoDie älteste Färberei Afrikas

04.04.2007, 11:28 Uhr

Die vermutlich älteste Färberei Afrika befindet sich in Kano, im Norden Nigerias. Sie ist bereits seit 1498 in Betrieb - und stellt herrliche Blautöne her.

Der Hof der alten Färberei Kofar Mata sieht mit den zahlreichen Vertiefungen im Boden aus wie ein löchriger Käse. Ein alter Mann mit einer bestickten Kappe auf dem Kopf hockt vor einer der Gruben und rührt mit einem Stock in einer bräunlichen Flüssigkeit, in der kleine Zweige schwimmen. "Wir färben hier Stoffe genau so wie unsere Vorfahren es gemacht haben", sagt Aminu Abdullahi Zango. "Indigo gibt herrliche Blautöne, die Farben sind viel schöner als wenn man chemische Färbemittel verwendet", meint er. Die vermutlich älteste Färberei Afrika befindet sich in Kano, im Norden Nigerias. Sie ist bereits seit 1498 in Betrieb.

Indigo ist eine buschartige Pflanze, die zuerst in Indien zum Färben verwendet wurde - in ihrem Namen klingt die Herkunft noch an. Nach Westafrika gelangte Indigo im 15. Jahrhundert mit den portugiesischen Seefahrern. "Wir mischen die getrockneten Zweige mit Pottasche und normaler Asche", erläutert Zango. Diese Mischung wird mit Wasser aufgegossen und ein bis zwei Wochen zum Fermentieren in der Färbergrube gelassen. "Dann seihen wir mit einem Korb die festen Bestandteile heraus und das Farbbad ist fertig."

Vor einer anderen Grube sitzt ein Onkel Zangos mit dicken Gummihandschuhen, die ihm bis zum Ellbogen reichen. Er bewegt grob gewebten Stoff in der Flüssigkeit und zieht ihn immer wieder zum Abtropfen heraus. Der Stoff wirkt grünlich. Das sei normal, sagt Zango. Die blaue Farbe entstehe erst beim Trocknen an der Luft. "Indigo ist so intensiv, dass wir in einem Becken mehrere Monate färben können - zuerst wird der Stoff blauschwarz und am Ende hellblau", sagt er.

Von der alten Färberei in Kano leben noch immer etwa 200 Menschen. Blaue Kleidung gilt in Westafrika als Zeichen von Wohlstand. Es ist eine Farbe, die in der Natur selten vorkommt, sie wird mit dem Himmel und dem Überirdischen in Verbindung gebracht. Die Tuareg, ein Nomadenvolk der Sahara, hüllen sich in weite indigoblaue Gewänder und wickeln sich blaue Turbane um Kopf, so dass nur noch die Augen frei bleiben. Sie werden die blauen Söhne der Wüste genannt.

In den meisten Ländern sind es Frauen, die die Stoffe färben, doch bei der Volksgruppe der Haussa im Norden Nigerias sind es Männer. "Bei uns kümmern sich die Frauen um das Design", sagt Zango. Mit geübter Verkäufergeste breitet er einige bettlakengroße Stoffe mit Batikmuster aus. Dort wo die Stoffe vor dem Färben mit Fäden umwickelt wurden, ergeben sich weiße Kringel, die an den Rändern in hellblaue Zacken auslaufen.

Aus dem Nachbarraum dringen rhythmische Klopfgeräusche. Zwei Männer haben ein Stück Stoff zwischen sich auf einen Holzklotz gelegt und schlagen mit schweren Holzklöppeln abwechselnd darauf ein. "Unsere Art zu bügeln", erklärt einer von ihnen. "Das bringt den Stoff erst richtig zum Glänzen."

Im 19. Jahrhundert gelang es Johann Friedrich von Bayer, die chemische Formel von Indigo herauszufinden, bald darauf stellte das Unternehmen BASF synthetisches Indigo her. Seine Beliebtheit ist ungebrochen. Zango zeigt auf seine Hose und grinst: "Jeansfarbe ist nämlich auch Indigo."

(Ulrike Koltermann, dpa)