Donnerstag, 08. September 2005
1.200 Kilometer lange Leitung: Die neue Gas-Pipeline
Der größte Gaskonzern der Welt, die russische Gazprom, will zusammen mit den deutschen Energiefirmen E.ON und Wintershall eine Gas-Pipeline durch die Ostsee bauen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Russlands Präsident Wladimir Putin unterstrichen durch ihre Anwesenheit bei der Vertragsunterzeichnung des Milliarden-Projekts in Berlin auch die politische Bedeutung des Vorhabens.
Durch die rund 1.200 Kilometer lange Leitung soll ab 2010 russisches Erdgas aus dem westlichen Sibirien nach Deutschland gepumpt werden. Nach derzeitigen Plänen soll das Gas südlich von Sankt Petersburg im Hafen von Wyborg eingespeist werden. Die Pipeline endet in Greifswald.
Vorgesehen ist zunächst ein Leitungsstrang mit einer jährlichen Kapazität von 27,5 Mrd. Kubikmetern Erdgas. Später soll ein zweiter, gleich großer Leitungsstrang die Kapazität verdoppeln. Pro Leitungsstrang rechnen die Partner mit Kosten von mindestens zwei Mrd. Euro. Bei maximaler Auslastung von 55 Mrd. Kubikmetern würde rund zehn Prozent des europäischen Erdgasbedarfs über die neue Pipeline geliefert.
Bislang erreicht der Großteil der russichen Gas-Lieferungen Westeuropa über die Jamal-Pipeline, die über Weißrussland und Polen führt. Alternativ zur Ostsee-Pipeline war zunächst auch die so genannte Bernstein-Pipeline über die baltischen Staaten und Polen im Gespräch. Gazprom hatte aber früh deutlich gemacht, gerade in der Umgehung von Staatsterritorien einen Routenvorteil zu sehen. In der Vergangenheit hatte es zwischen Russland und Weißrussland wiederholt Streit über die Jamal-Pipeline gegeben.
Die deutsche Gaswirtschaft sieht in der neuen Pipeline eine wichtige Zukunftsinvestition. "Diese zusätzliche Transitroute dient der weiteren Verbesserung der Versorgungssicherheit hier zu Lande", sagte ein Sprecher des Bundesverbandes der Gas- und Wasserwirtschaft (BGW). Die neue Leitung beugt nach Einschätzung von Experten einer Versorgungslücke vor, die in absehbarer Zeit durch den erwarteten steigenden Erdgas-Verbrauch in Europa entstehen könnte.
