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Kostspielige NebeneffekteGigaliner umstritten

30.08.2007, 08:35 Uhr

Riesenlastzüge sollen Treibhausgasemission und Kosten im Güterverkehr auf der Straße senken. Warum nicht gleich auf die Schiene umstellen und damit Straßen und Umwelt schonen? Das fragen die Gegner der "Monstertrucks" und warnen vor nicht mit eingerechneten Kosten zu Lasten der Allgemeinheit.

Die mögliche Zulassung 60 Tonnen schwerer und 25 Meter langer Riesenlaster hat einen heftigen Streit unter Lobbyisten hervorgerufen. Die Allianz pro Schiene und andere Umweltverbände haben in Berlin die Kampagne "Keine Monstertrucks" gestartet, um auf Sicherheitsrisiken und mangelnde Umweltverträglichkeit der Lastzüge hinzuweisen. Industrie und Handel sprachen dagegen von einer "sicheren und sauberen Lösung". Über die Einführung wollen im Oktober die Verkehrsminister beraten.

Zurzeit liegt die Grenze im grenzüberschreitenden Verkehr der EU bei 18,75 Meter Länge und 40 Tonnen Gesamtgewicht. Die Gegner befürchten eine Umkehrung des derzeitigen Trends zur Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene. Für die Einführung dieser "Gigaliner" sprechen sich dagegen Teile der Industrie und Handelsverbände aus. Deren Argument, die höhere Nutzlast fasse das Transportvolumen von bisher drei Lastern auf zweien zusammen, wollten die Gegner nicht gelten lassen, da Emissions-Einsparungen durch den Verlagerungseffekt zurück auf die Straße mehr als wettgemacht würden. Der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, sprach von Gutachten, nach denen eine Umschichtung von 55 Prozent des derzeitigen Aufkommens im Kombinierten Verkehr auf die Straße erwartet werde.

Sicherheitsbedenken brachte Michael Gehrmann vom Verkehrsclub Deutschland vor. Straßen und Brücken seien für solche Massen nicht ausgelegt, zu schweigen von den Leitplanken. Die Kosten einer Ertüchtigung des Netzes, die der Steuerzahler tragen müsste, stünden in keinem Verhältnis zum volkswirtschaftlichen Nutzen. Die Einführung solcher Laster würde die Transportkosten weiter senken, argumentierte Dietmar Oeliger vom NABU. Straßentransport von Gütern sei zurzeit drei Mal energieaufwendiger als der Schienentransport, aber unverhältnismäßig billig, weil die Folgekosten der Allgemeinheit aufgebürdet würden. Eine Zulassung sei unvereinbar mit den Klimaschutzzielen der Bundesregierung.

Industrie verspricht "modernste Sicherheitssysteme"

Die Verlagerungsszenarien nannten der BDI, der Verband der Automobilindustrie und des Groß- und Außenhandels "unrealistisch". Sie beriefen sich auf eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen, nach der die Straßenbelastung nach Einführung der Gigaliner abnehme. Die Studie sagt allerdings auch, dass sie durch das dann zu erwartende noch schnellere Wachstum im Straßenverkehr weitaus stärker zunimmt. Ferner könnten die Emissionen pro Tonnenkilometer um bis zu 24 Prozent gesenkt werden, argumentierte die Industrie. "Modernste zusätzliche Sicherheitssysteme" gewährleisteten überdies die Sicherheit solcher Lastzüge.

Am 9./10. Oktober will die Verkehrsministerkonferenz in Merseburg einen Beschluss zu Einführung oder Ablehnung treffen. Bisher sind die Länder uneins. In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gibt es Pilotprojekte. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee ist gegen die Zulassung. Laut Flege würde eine Einführung in Deutschland die allgemeine Zulassung in der EU wahrscheinlich präjudizieren. Neben den genannten Verbänden gehören die Verkehrsgewerkschaften Transnet und GDBA sowie der BUND zu den Teilnehmern der Kampagne.