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Dossier
Auf der Straße nach Heiligendamm bereiten Arbeiter den Bau eines Kontrollpunkts vor.

Auf der Straße nach Heiligendamm bereiten Arbeiter den Bau eines Kontrollpunkts vor.

Freitag, 20. April 2007

G8-Gipfel in Heiligendamm: Gipfel, Protest, Polizei, Zaun

Heiligendamm - der Zugang zur weißen Stadt am Meer ist versperrt.

Heiligendamm - der Zugang zur weißen Stadt am Meer ist versperrt.

Die Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industrienationen und Russlands - die "Gruppe der Acht" - treffen sich vom 6. bis zum 8. Juni im mecklenburgischen Ostseebad Heiligendamm. Der Gipfel findet in Deutschland statt, weil die Bundesrepublik 2007 den Vorsitz der G8 inne hat. Leitmotiv der deutschen G8-Präsidentschaft ist der Slogan "Wachstum und Verantwortung". "Die Ausgestaltung der globalisierten Weltwirtschaft und die Entwicklung Afrikas stehen im Mittelpunkt des Gipfels in Heiligendamm", schreibt die Bundesregierung auf ihrer G8-Website. Außerdem soll es um den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen gehen: 2012 läuft das Kyoto-Protokoll aus, in Heiligendamm soll über eine Anschlussregelung debattiert werden. Dass Bundeskanzlerin Merkel US-Präsident Bush in Heiligendamm davon überzeugen kann, in einen Verhandlungsprozess einzusteigen, dessen Ziel ein neues Klimaprotokoll ist, gilt jedoch als höchst unwahrscheinlich.

Noch vielfältiger als die Themenpalette des G8-Gipfels sind die Proteste gegen das Treffen. Am 2. Juni findet in Rostock eine Großdemonstration statt. Parallel zum G8-Treffen läuft in Rostock vom 5. bis zum 7. Juni der "Gipfel der Alternativen". Am 7. Juni geben Herbert Grönemeyer und "Künstler aus aller Welt" ein Konzert in Rostock. Veranstalter ist die Afrika-Kampagne "Deine Stimme gegen Armut". Zu dem Konzert kommt möglicherweise auch U2. Deren Sänger Bono hatte angekündigt, mit "dem großartigen" Herbert Grönemeyer "Urlaub in Heiligendamm" zu machen. Das Bündnis "Block G8" will mit "Blockaden als Aktionen zivilen Ungehorsams" den Gipfel blockieren. Außerdem planen Gipfelgegner einen "Ausflug" in ein Zentrum für Pflanzen-Gentechnik in Groß Lüsewitz nahe Rostock. Bob Geldorf hat für den 2. Mai Akademiker und Prominente zu einem "Intellectual Live 8 - G8 Africa Forum" nach Berlin eingeladen. Auch der Evangelische Kirchentag, der vom 6. bis zum 10. Juni in Köln stattfindet, wird sich mit G8-Themen beschäftigen.

Die Polizei setzt beim G8-Gipfel auf Deeskalation und Durchgreifen. Gut 60 Beamte sollen in "Deeskalationsteams" eingesetzt werden, insgesamt werden nach offiziellen Angaben mehr als 16.000 Polizisten eingesetzt. In Schulungen soll den Polizisten deutlich gemacht werden, dass die Demonstranten ein berechtigtes Anliegen vertreten und dass die Masse der Protestierer voraussichtlich friedlich auftreten wird. Gegen Blockaden will die Polizei allerdings "energisch einschreiten". Dazu kommen noch tausende Helfer von THW, Feuerwehren oder Rotem Kreuz sowie Sicherheitskräfte aus den anderen G8-Staaten. Zwei Schiffe der US-Marine werden angeblich vor der Ostseeküste kreuzen; offiziell bestätigt ist das nicht.

Mit dem Ausbau von Heiligendamm zur Festung wurde bereits Monate vor dem Gipfel begonnen. Rund um den Tagungsort wurde ein zwölf Kilometer langer und 2,5 Meter hoher Zaun errichtet, der mit Stacheldraht, Kameras und Bewegungsmeldern versehen ist und 12,5 Millionen Euro gekostet hat. Zwischen dem 30. Mai und dem Ende des Gipfels ist das älteste deutsche Seebad komplett abgeriegelt. Die Gesamtausgaben für den Gipfel werden auf 90 Millionen Euro geschätzt. Den größten Teil davon muss Mecklenburg-Vorpommern tragen.

(Hubertus Volmer)

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