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Russische InteressenGuter Draht nach Teheran

29.08.2006, 11:39 Uhr

Russlands Kooperation mit dem Iran hat nur zum Teil mit Wirtschaft zu tun. Wichtiger ist für Moskau ein guter politischer Draht zu der Mittelmacht auf der Südseite des Kaspischen Meeres.

Russlands vom Westen argwöhnisch beäugte Kooperation mit dem Iran hat nur zum Teil mit Wirtschaft zu tun. Wichtiger ist für Moskau ein guter politischer Draht zu der Mittelmacht auf der Südseite des Kaspischen Meeres. Russland und der Iran sähen einander als Partner, einem Vordringen der USA und der Türkei in Zentralasien und im Kaukasus zu wehren, analysiert das britische Forschungsinstitut Chatham House.

Der russische Handel ist im Vergleich zu anderen Partnern des Irans gering. 2005 setzten Moskau und Teheran bilateral 2,4 Milliarden US-Dollar (1,8 Milliarden Euro) um. Italien mit 4,3 Milliarden Euro, Deutschland mit 4,9 Milliarden Euro und China mit 7,8 Milliarden Euro Umsatz waren im Iran-Geschäft viel präsenter. Der Streit um das Atomprogramm Teherans hat den russisch-iranischen Handel im ersten Quartal 2006 im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte auf 224 Millionen Dollar schrumpfen lassen.

Aber der hohe Anteil von Rüstungslieferungen und atomarer Kooperation macht die Geschäfte zwischen dem Kreml und den Mullahs aus Sicht des Auslands verdächtig. Russische Ingenieure bauen seit Jahren an dem ersten iranischen Atomkraftwerk Buschehr. Das 800-Millionen-Dollar-Projekt soll nach vielen Verzögerungen 2007 den Betrieb aufnehmen.

Für die USA gilt die Technik aus Russland als Hauptquelle für das militärisch nutzbare Nuklearwissen der Iraner. Moskau weist den Vorwurf zurück und hofft auf milliardenschwere Folgeaufträge für weitere Kraftwerke im Iran. Wenn der UN-Sicherheitsrat Sanktionen erwägen sollte, dürften ihm als erste Maßnahmen ein Stopp von Waffenlieferungen und nuklearer Zuarbeit in den Sinn kommen.

Russland hat nach allen offiziellen Aussagen kein Interesse daran, dass sich der Iran die Atombombe verschafft. Iranische Raketen können auch russisches Territorium treffen. Moskaus eigener Vorstoß ist gescheitert, dem Iran eine Urananreicherung in Russland zu ermöglichen und so einen geschlossenen iranischen Brennstoffkreislauf zu verhindern. Deshalb hat sich Russland in dem Atomstreit nach langem Zögern an die Seite der USA und der Europäer gestellt. Doch Sanktionen scheinen der UN-Vetomacht weiterhin unannehmbar.

(Friedemann Kohler, dpa)