Politik
Montag, 03. Oktober 2005

Stichwort: Helicobacter pylori

Noch bis in die 80er Jahre glaubten Mediziner, dass Stress, Rauchen und falsche Ernährung alleinige Auslöser von Magengeschwüren seien. 1983 entdeckten die Australier Robin Warren und Barry Marshall jedoch, dass ein Bakterium namens Helicobacter pylori Hauptursache des Leidens ist. Ärzte schätzen, dass 90 Prozent aller Magengeschwüre darauf zurückzuführen sind.

Helicobacter pylori nistet sich zunächst in der Magenschleimhaut ein, ohne dass die Betroffenen erkranken. Bei etwa jedem fünften Infizierten wird das Bakterium jedoch irgendwann aktiv. Mögliche Folgen sind Entzündungen und Geschwüre an Magen und Zwölffingerdarm sowie Magenkrebs. Außerdem scheint der Erreger das Risiko für einen Herzinfarkt zu erhöhen.

Während in Entwicklungsländern etwa 80 bis 90 Prozent der Menschen den Keim im Magen tragen, vermuten Experten in Deutschland eine Infektionsrate von rund 30 Prozent. Ursache sind die unterschiedlichen hygienischen Verhältnisse: Helicobacter pylori wird vor allem durch Fäkalien übertragen, die meistens durch Nahrung oder Trinkwasser aufgenommen werden.

Vor der Magensäure schützt sich das Bakterium, indem es sich fest an die Wandzellen heftet und seine Umgebung neutralisiert. Sein Enzym Urease baut den im Magen vorhandenen Harnstoff zum basischen Ammonium ab. Damit verrät sich Helicobacter aber gleichzeitig dem geschulten Mediziner. Analysegeräte können das Abbauprodukt problemlos im Atem nachweisen. Zudem kann eine Stuhlanalyse die Bausteine des Keims direkt anzeigen.

Mediziner rücken dem Übeltäter mit einer Kombination aus Magensäurehemmern und Antibiotika zu Leibe. Mehr als 80 Prozent der Patienten werden dauerhaft geheilt. Italienische Forscher hatten 1997 einen Impfstoff erstmals erfolgreich an Mäusen getestet. Berliner Forscher haben Versuche am Menschen gestartet.

Quelle: n-tv.de