Schäfer-Gümbel gegen KochHessen-Duell steht fest
Die Herausforderer sind gekürt: Roland Koch und Thorsten Schäfer-Gümpel werden in Hessen gegeneinander antreten. Auch wenn Schäfer Gümpel kaum Chancen auf den Ministerposten hat, versprüht er in der SPD neuen Aufwind.
Ein alter und ein neuer Hoffnungsträger konkurrieren in Hessen: Das Duell zwischen Roland Koch (CDU) und Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) steht seit den Parteitagen offiziell fest. Abgerechnet wird am 18. Januar 2009.
Durch das Unvermögen der SPD-Chefin Andrea Ypsilanti, eine Regierung zu bilden, hat der geschäftsführende Ministerpräsident Koch die Chance bekommen, seine Wahlniederlage vom vergangenen Januar wettzumachen. In Hofheim wurde er zum vierten Mal als Spitzenkandidat der Hessen-Union nominiert. Koch gab sich nach der "emotionalen Achterbahnfahrt" dieses Jahres geläutert. Die CDU habe aus Fehlern gelernt und in der Schul- und Umweltpolitik nachjustiert. Die Umfragen sind derzeit günstig für Koch, eine Mehrheit mit der FDP scheint in Reichweite.
Schäfer-Gümpel vermittelt Aufbruchstimmung
Schäfer-Gümbel hat kaum eine Chance, aber er will sie nutzen. Nach chaotischen Wochen vermittelte er seiner Partei einen Hauch Aufbruchstimmung. Der Landesparteitag in Alsfeld stärkte dem bis vor kurzem unbekannten Mittelhessen mit 96,7 Prozent Zustimmung den Rücken, die Delegierten applaudierten minutenlang. Das Ergebnis war kaum schlechter als Kochs 97,1 Prozent bei der CDU. Dass der Neue in Umfragen im direkten Vergleich mit Koch überraschend gut abschneidet, ist einer der wenigen Gründe zur Zuversicht, die den Genossen geblieben sind.
Noch immer sitze vielen Sozialdemokraten der Schock über das Scheitern der Regierungsübernahme in den Knochen, sagten Delegierte. Man hadere mit dem Verhalten der vier Landtagsabgeordneten, die Ypsilanti die Gefolgschaft verweigert und damit die Neuwahl ausgelöst hatten. Genau das will Schäfer-Gümbel beenden: "Die Zeit der Selbstkasteiung ist vorbei", rief er in den schwarz verhangenen Saal. Auch der Bundesvorsitzende Franz Müntefering gab in Alsfeld die Parole aus: "Es war genug Büßerhemd." Schäfer-Gümbels Auftritt verfolgte er kopfnickend und befand anschließend: "Das war eine Rede eines Ministerpräsidenten."
Koch sei "Jünger des Neoliberalismus"
Aus der Außenseiterposition ging Schäfer-Gümbel gegen Koch in die Offensive. Der CDU-Chef wurde in seiner Rede zum "Spalter", der auf Kosten von Minderheiten agiere, und zum geistigen Mitschuldigen der globalen Finanzkrise: "Roland Koch ist der letzte Jünger des Neoliberalismus in der Union." Er habe zehn Jahre lang all das gepredigt, was in das jetzige wirtschaftliche Desaster geführt habe.
Koch dagegen ließ seinen Herausforderer demonstrativ nicht auf Augenhöhe kommen. Er erwähnte ihn kaum und arbeitete sich weiter am Ungeschick Ypsilantis ab. "Die Sozialdemokraten haben ihre Einigkeit befehlen wollen", sagte er. Glücklicherweise hätten "ehrenwerte Leute" in der SPD die geplante Kooperation mit der Linkspartei verhindert. Zwar schicke die Vorsitzende jetzt Schäfer-Gümbel vor. An den Machtverhältnissen in der SPD habe sich aber nichts geändert.
Ypsilanti räumt Fehler ein
Der SPD-Parteitag zeigte jedoch, dass Ypsilantis Zeit zu Ende geht. Schäfer-Gümbel untermauerte seinen Anspruch, nach dem 18. Januar eine Spitzenposition zu behalten. Ein schlechtes Abschneiden bei der Wahl braucht er dabei wohl nicht zu fürchten. Ypsilanti kündigte an, die Verantwortung für das Ergebnis zu übernehmen: "Ich habe Fehler gemacht, vor allem habe ich auch Fehleinschätzungen gehabt."
Bei Koch kündete die Bewerbungsrede von einer wiedergekehrten Zuversicht nach der einjährigen Hängepartie. Der CDU-Bundesvize setzte sich in einer Passage wieder auf Augenhöhe mit Angela Merkel. Die Kanzlerin wirtschafte vorsichtig als "schwäbische Hausfrau", wie sie auf dem Stuttgarter CDU-Parteitag sagte, er arbeite als zuverlässiger politischer Handwerker. Gemeinsam könnten sie den Bürgern in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein warmes, geschütztes Heim schaffen.
Wolfgang Harms und Friedemann Kohler, dpa