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Qualität oder Spaltung?Immer mehr Privatschulen

18.12.2006, 12:14 Uhr

Immer mehr Familien melden ihre Kinder bei einer Privatschule an. Während Befürworter die Qualität der privaten Schulen loben, kritisieren Gegner eine "Spaltung" der Gesellschaft.

Das Schulsystem in Deutschland genießt derzeit nicht mehr den besten Ruf. Berichte über volle Klassen, überalterte Lehrerkollegien oder Gewalt auf dem Schulhof verunsichern viele Eltern zusätzlich. Immer mehr Familien melden ihre Kinder daher statt bei der staatlichen Regelschule bei einer Privatschule an. Während Befürworter die Qualität der privaten Schulen loben, kritisieren Gegner eine "Spaltung" der Gesellschaft.

Rund 640.000 Schüler in Deutschland das entspricht 6,7 Prozent besuchen in diesem Schuljahr eine freie Schule. Für Experten wie Prof. Peter Struck aus Hamburg liegen die Vorteile von Privatschulen auf der Hand: "Sie treffen viel eher die Eigentümlichkeit des Kindes."

Viele Schulen in privater Trägerschaft spezialisieren sich nach Angaben des Erziehungswissenschaftlers auf sportliche oder musische Schwerpunkte. Andere bieten eine besondere Förderung für lernschwache Schüler an. Daneben seien die Lehrer in der Regel engagierter, und die Schüler würden besser betreut. Auch stehe den Schulen oft eine bessere Ausstattung zur Verfügung. Die Vorteile hätten sich bei der PISA-Studie gezeigt: "Die privaten schnitten hier zu einem deutlich höheren Prozentsatz besser ab als die staatlichen Schulen."

Allerdings erkaufen sich Eltern diese Vorteile laut Prof. Struck in der Regel mit Schulgeld: "Kostenlos sind meist nur Konfessionsschulen." Andere Schulen in privater Trägerschaft dagegen nehmen oft 100 oder 200 und laut Struck im Extremfall sogar mehrere tausend Euro. "Das sind dann aber Schulen, wo bewusst elitäre Gesichtspunkte eine Rolle spielen, wie Schloss Salem."

Prof. Struck prognostiziert, das Schulsystem der Zukunft werde vielgliedrig sein. Elitär sei vielmehr das bisherige dreigliedrige Schulsystem. "Privatschulen arbeiten da oft viel integrativer", urteilt der Experte. Ein Beispiel seien die Waldorfschulen mit ihren bundesweit rund 80.000 Schülern. Allerdings müsse auch bei deren Modell die Eigenheit jedes Kindes beachtet werden: "Dass es keine Noten gibt, ist für emotionale und ängstliche Schüler gut für dickfellige aber nicht."