"Führt in politische Diktatur"Knabe verteufelt Linkspartei
In seinem Buch "Honeckers Erben" rechnet der Historiker mit der Linken ab und wirft ihr vor, unter neuer Verpackung die Einführung eines Systems la DDR anzustreben.
Die Linkspartei ist gefährlich: "Im Grunde handelt es sich um Wiederholungstäter, die mit Ideologien und Konzepten antreten, die bereits zu millionenfachem Unrecht und Zerstörungen von Biografien geführt haben." Das zumindest meint Hubertus Knabe. Der Historiker und Leiter der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen warnt vor der Linkspartei; angesichts des zunehmenden Erfolges der Linken sorgt sich Knabe gar um die Zukunft der Republik.
"Wer weiß, was im Namen der sozialistischen Idee für Verbrechen begangen worden sind und wie es dazu gekommen ist, macht sich natürlich Sorgen, wenn diese Konzepte wieder politikfähig werden und sie auch auf Zustimmung bei den Wählern stoßen und zu entsprechenden Mehrheitsverhältnissen in den Parlamenten führen", erklärt Knabe gegenüber n-tv.de. Deshalb hat sich der Historiker der Linkspartei angenommen und seine Bedenken - faktenreich untermauert - in einem Buch aufgeschrieben: "Honeckers Erben – Die Wahrheit über Die Linke" heißt das Werk.
Inhalt und Verpackung
Die Wahrheit deshalb, weil Knabe der Linken unterstellt, über ihre eigentlichen Absichten mit einer modernen, schicken Verpackung hinwegtäuschen zu wollen. "Es gibt aus meiner Sicht keine andere Partei in Deutschland, die so viel zur Verklärung der SED-Diktatur beigetragen hat wie diese, und wo der Unterschied zwischen Inhalt und Verpackung so sehr ins Auge sticht wie hier", sagt Knabe. Im Buch schreibt er von "jungen Frauen mit hennagefärbten Haaren", die vor die Kameras geschickt würden, während es eigentlich eine "überalterte Rentnerpartei" sei.
Aber wieso sollte man vor einer Rentnertruppe mit jugendlichem Anstrich Angst haben? Kurz gefasst lässt sich Knabes Argumentation wie folgt zusammenfassen: Die Linkspartei steht in direkter Tradition der DDR-Staatspartei SED, programmatisch, organisatorisch und personell. Aus der SED wurde die PDS, schließlich die Linkspartei – doch die Partei ist im Wesentlichen die gleiche geblieben und sie strebt letztlich eine Gesellschaft nach dem Vorbild der DDR an. "Die Geschichte zeigt: Wenn man sich, wie die Linkspartei, zum Ziel setzt, die wirtschaftliche Freiheit der Bürger außer Kraft zu setzen, führt das zwangsläufig in eine politische Diktatur. Weil man ein solches Verbot freier wirtschaftlicher Betätigung überwachen und Menschen, die sich nicht daran halten, bestrafen muss", erklärt Knabe seine Sorge gegenüber n-tv.de. "Ich will hier keine Cassandra-Rufe starten. Aber ich glaube, es ist besser, zu früh davor zu warnen als zu spät. Denn wenn eine Diktatur erst einmal im Sattel ist, kann der Einzelne im Regelfall nichts mehr gegen sie tun."
"Beseitigung eines Milliardenvermögens"
Zudem will der Historiker Knabe nicht zulassen, dass die Linkspartei ihre Geschichte unter den Teppich kehrt. Er will sie zu ihrer historischen Verantwortung zwingen. "Es geht mir darum, aufzuklären über das, was in der Partei gesagt wird und das, was wirklich stattgefunden hat: Von der Vernichtung ganzer Kaderdateien über die Beseitigung eines Milliardenvermögens bis hin zur Verklärung der SED-Diktatur in der Gegenwart als vermeintlich legitimer Versuch, eine bessere Gesellschaft aufzubauen." Die Partei profitiere davon, dass sich niemand mit ihr beschäftige. So habe sie es geschafft, "dass nach dem Ende einer Diktatur sich die verantwortliche Partei durch schlichte Umbenennung in die Gegenwart und Zukunft rettet". Und mit ihr das Altvermögen der SED, wie Knabe unterstellt, der dem Umgang mit den Milliarden aus DDR-Zeiten ein ganzes Kapitel widmet.
Um zu illustrieren, mit welchem Eifer die SED-Nachfolgepartei ihre Spuren verwischte und vernichtete, kommt Knabe immer wieder auf eine Anekdote zu sprechen, die er im Buch im Kapitel "Operation Überleben" behandelt. Um die gigantischen Aktenberge der Partei zu vernichten, wurde 1990 "die größte Aktenvernichtungsmaschine Europas" gekauft, zusammen mit 2000 Plastiksäcken und einer Papierpresse. Käufer sei ein Strohmann aus dem Prenzlauer Berg in Berlin gewesen, der die Maschine am 24. März 1990 auf der CeBit in Hannover besichtigte, kaufte und bezahlte: 80.000 D-Mark in bar, hervorgeholt aus einem Koffer.
"Schaum vor dem Mund"?
Zusammenfassend gesagt: Knabes Buch ist eine Warnung vor der Linkspartei mit Ausrufezeichen, die manchmal wie eine persönliche Abrechnung des Gedenkstättenleiters wirkt. "Mit Schaum vor dem Mund" wurde sein Buch in Rezensionen bewertet, kritisiert wird unter anderem, dass der Autor keine Neuigkeiten vermeldet und zudem überspitzt und polemisch gegen die Linkspartei wettert.
"Das Buch ist eine Fundamentalkritik an der Linkspartei", meint Klaus Schroeder, Leiter des Forschungsverbunds SED-Staat an der Freien Universität Berlin. Trotz einiger Mängel würdigt der Wissenschaftler das Werk seines Kollegen. "Die Leistung Knabes ist, dass er noch einmal die Ursprünge der Linkspartei ausgeleuchtet und ihre programmatische Substanzlosigkeit hervorgehoben hat", erklärt Schroeder gegenüber n-tv.de. " Dass er alles aus dem Blick der Opfer sieht, ist völlig angemessen. Er gibt den Leuten eine Stimme, die darüber entsetzt sind, dass die Linke heute einen so großen Zulauf hat."
"Wirkte stabilisierend"
Im Unterschied zu Knabe kann Schroeder der Geschichte der Linkspartei als SED-Nachfolgeorganisation aber auch etwas Gutes abgewinnen. "Ich glaube, dass die damalige PDS vielen eine politische Heimat gegeben hat und dadurch stabilisierend wirkte", sagt Schroeder. Zudem teilt er nicht die Einschätzung Knabes, dass die Linkspartei ernsthaft an der Wiedereinführung von Verhältnissen wie in der DDR interessiert sei. "Das ist nicht die alte DDR-Strategie, sonder eine moderate, linkssozialistische Strategie. Die Jusos der 70er sind wiederauferstanden mit dieser Partei."
Trotzdem liege Knabe in seiner Analyse richtig, dass die Linke kein Programm habe. Und er teilt die These, "dass in keiner anderen Partei die Differenz zwischen den Vorzeigefiguren und der Basis so groß ist". Der Vorwurf, dass sich die Partei nicht genügend von der DDR abgenabelt habe, treffe zu. " Das Herz der breiten Basis im Osten hängt noch an der DDR – da gibt es nichts zu diskutieren. Das sind Leute, die das Ende der DDR bedauern."
Hubertus Knabe: "Honeckers Erben – Die Wahrheit über Die Linke", Propyläen, März 2009, 448 Seiten, 22,90 Euro