Politik
Freitag, 07. Oktober 2005

Nicht nur Zustimmung: Kritik an Nobelpreis-Vergabe

Die Vergabe des Friedensnobelpreises an die Internationale Atomenergie-Behörde IAEO ist nicht nur auf Zustimmung gestoßen. Zu den Kritikern zählen auch die "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges" (IPPNW), die 1985 selbst mit dem Preis ausgezeichnet worden waren.

"Eine Behörde, deren Ziel es ist, den Ausbau der Atomenergie weltweit zu beschleunigen und auszuweiten, trägt nicht zu einer friedlichen und gesunden Welt bei. Im Gegenteil. Hinter der friedlichen Nutzung der Atomenergie verbirgt sich immer die Möglichkeit zum Bau der Atombombe, wie das Beispiel Iran, Indien oder Pakistan zeigen", sagte IPPNW-Sprecherin Ute Watermann. "Ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Risiken der Atomenergienutzung. "

44 Länder können Atombombe bauen

Die IPPNW begrüßten aber das persönliche Engagement von IAEO-Chef Mohammed el Baradei gegen die Invasion des Iraks und gegen einen möglichen militärischen Angriff auf Iran. "El-Baradei hat außerdem immer wieder international auf die Dringlichkeit des Atomwaffenproblems hingewiesen", sagte Watermann. Seine Bemühungen im Kampf gegen die Ausbreitung von Atomwaffen würden jedoch durch die Verbreitung der Technologien zur sogenannten friedlichen Nutzung der Atomenergie konterkariert.

Durch die Ausbreitung der Atomenergie seien jetzt schon 44 Länder prinzipiell in der Lage, eine Atombombe zu bauen, darunter auch Deutschland, Japan, Belgien und Kanada, so die IPPNW. Die IAEO wolle zwar verhindern, dass noch mehr Länder dazukämen, gleichzeitig aber zementiere sie die bisherige diskriminierende Situation.

Demonstration im Iran

Im Iran gingen Tausende Menschen bei einer staatlich organisierten Kundgebung für das Atomprogramm des Landes auf die Straße. Der Westen müsse Irans Recht auf nukleare Technologie anerkennen, verlangten die Demonstranten.

Unterdessen kündigte der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki Berichten der Nachrichtenagentur Mehr zufolge an, die umstrittene Urananreicherung in der Anlage von Natanz aufzunehmen. Eine offizielle Reaktion zur Nobelpreisvergabe an die IAEO gab es in Teheran zunächst nicht.

Iran droht mit Ausstieg aus Zusatzprotokoll

Mottaki drohte mit dem Ausstieg Irans aus dem Zusatzprotokoll des Atomwaffensperrvertrages, wenn die IAEO ihre kürzliche Resolution nicht korrigiere. Die Resolution hatte Iran einen Verstoß gegen den Sperrvertrag bescheinigt und gedroht, das Land dem Weltsicherheitsrat zu melden. Das Zusatzprotokoll erlaubt unangemeldete Kontrollen von Atomanlagen durch die IAEO.

Mottaki sagte, Iran wolle zwar weiter verhandeln und bleibe dem Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag verpflichtet, werde allerdings den Forderungen nach einem Stopp des Atomprogramms nicht nachgeben.

Quelle: n-tv.de