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Politische Eiszeit endet am GrillLiebesmüh' des US-Präsidenten

13.07.2006, 16:20 Uhr

Zwei Übernachtungen in der deutschen Provinz, ein lauschiger Grillabend, respektvolle, schmeichelnde Worte für Deutschland und fast zärtliche Gesten für die Gastgeberin.

Zwei Übernachtungen in der deutschen Provinz, ein lauschiger Grillabend, respektvolle, schmeichelnde Worte für Deutschland und fast zärtliche Gesten für die Gastgeberin: Die Liebesmüh' des US-Präsidenten war eindeutig. George W. Bush war gekommen, um seine "Freundin" Angela Merkel zu ehren und zu umwerben. Er wollte mit seiner - für ihn ungewöhnlich langen - Visite etwas tun, um die "Herzen und Köpfe" der Deutschen zumindest wieder ein wenig zu gewinnen.

Zwar machte sich die Delegation aus Washington keine Illusionen über die geringe Popularität von Bush. Und auch Amerikaner amüsierten sich darüber, dass es auf dem malerischen Marktplatz von Stralsund einer fast DDR-reifen Inszenierung bedurfte, um mit ausgewählten, Fähnchen schwenkenden Bürgern eine freundliche Atmosphäre für den unbeliebten Gast zu schaffen. Dennoch hinterließ der Bush-Besuch an der Ostseeküste bei der US-Delegation hoch zufriedene Gesichter.

Denn zur Überraschung aller wurde die neue Freundschaft zwischen Bush und Merkel ausgerechnet in der Idylle an der Ostseeküste aktuell auf den Prüfstand gestellt. Der aufflammende Nahost-Konflikt provozierte spontane Stellungnahmen. Zur Freude der US-Delegation unterschieden sich Bush und Merkel dabei kaum. Beide beschuldigten die extremistischen Organisationen Hisbollah und Hamas, für die jüngste Krise verantwortlich zu sein.

Aufmerksam registrierten die Amerikaner, dass Merkel wenige Stunden nach einer sehr Israel-kritischen Äußerung des französischen Außenministers Philippe Douste-Blazy eindeutig Position bezog. Während der französische Politiker die Bombardierung des Flughafens von Beirut als eine "unverhältnismäßige Kriegshandlung" bezeichnete, warnte Merkel davor, Ursache und Wirkung durcheinander zu bringen. Begonnen habe nun einmal alles mit der Entführung israelischer Soldaten. Bush betonte wie stets, dass Israel das Recht habe, sich zu verteidigen. Zwar warnten beide auch vor einer Schwächung der "noch fragilen Demokratie im Libanon" (Bush) - aber es dominierte die deutliche Verurteilung der extremistischen Feinde Israels.

Auch hinsichtlich der anderen politischen Brennpunkte herrschte zwischen Bush und Merkel Harmonie. Beide wollen den russischen Präsidenten mahnen, die Prinzipien des Rechtsstaats und der Demokratie zu respektieren. Der Nuklearkonflikt mit dem Iran müsse diplomatisch gelöst werden, auch wenn Teheran nun mit dem UN-Sicherheitsrat konfrontiert werde.

Als "Abschied von der Cowboy-Diplomatie" beschrieb das US-Magazin "Time" den Wandel der US-Außenpolitik, die nun auch die Sichtweise der Europäer - insbesondere von Kanzlerin Merkel - stärker berücksichtige. "Wie viele andere (...) habe ich Achtung vor ihrem Urteilsvermögen, und ich lege Wert auf ihre Meinung", lobte Bush die Kanzlerin.

Der US-Präsident war sichtlich bemüht, das partnerschaftliche Verhältnis auf Augenhöhe herauszustellen. Schließlich hat er beim Irak-Krieg bitter zu spüren bekommen, dass selbst einer Supermacht ohne "soft power" ("weiche", unmilitärische Mittel) international Isolation droht. Also setzt Bush verstärkt auf Diplomatie und die europäischen Verbündeten.

Der US-Präsident und die Kanzlerin demonstrierten in Stralsund persönliche und politische Nähe. Die Reaktion zum Nahost-Konflikt scheint ein Indiz zu sein, dass die neue Freundschaft zwischen dem Mann aus Texas und der Frau aus dem Osten Deutschlands politisch Früchte trägt.

Von Laszlo Trankovits, dpa