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"Gekommen, um zu bleiben"Linke Schnupperstunde

01.02.2008, 18:02 Uhr

Beinahe wären die sechs Linke-Abgeordneten mit ihren Mitarbeitern bereits bei der Presse-Präsentation ihrer Fraktion schon länger als geplant in dem Gebäude geblieben - im Gängegewirr des hessischen Landtags hatten sie kurzfristig den Überblick verloren.

Direkt vor dem Eingang zum Landtag in Wiesbaden haben sich die sechs Linke-Abgeordneten mit einem symbolträchtigen Transparent aufgestellt: "Wir sind gekommen, um zu bleiben", steht darauf. Beinahe wären sie mit ihren Mitarbeitern aber schon am Freitag länger in dem Gebäude geblieben als geplant. Nach der offiziellen Vorstellung ihrer Fraktion vor der Presse mussten sie sich zum Ausgang durchfragen - im Gängegewirr des hessischen Landtags hatten sie kurzfristig den Überblick verloren.

Noch ist vieles Neuland für die Abgeordneten, die nach der Zitterpartie am Wahlabend die Linke im Landtag vertreten werden. Nur knapp übersprang die Partei die Fünf-Prozent-Hürde und sorgte damit gleichzeitig für komplizierte Mehrheitsverhältnisse.

Ihre Aufgabe gehen die Gewählten aber selbstbewusst an. "Uns geht es darum, die politischen Inhalte, die wir vorgestellt haben, auch politisch zu realisieren", gibt Willi van Ooyen, Spitzenkandidat der Linken bei der Landtagswahl, die Marschrichtung vor.

Im Wahlkampf hatte sich die Partei Angriffen von allen Seiten ausgesetzt gesehen. Die CDU spielte die "Anti-Kommunisten"-Karte, auch SPD, Grüne und FDP hatten wenig Sympathien für die Linke übrig. Nach der Wahl ist das Klima rau geblieben. Ministerpräsident Roland Koch (CDU) lud vor kurzem alle "demokratischen Parteien" zu einem Gespräch ein - und meinte damit nicht die Linke. "Ich weiß, dass wir eine demokratische Partei sind", erwidert Landesparteichef Ulrich Wilken. "Ich fühle mich da nicht ausgegrenzt."

Die parlamentarische Arbeit sei für alle neu, räumt Wilken ein. Denn keiner der Gewählten hat bislang größere Erfahrungen im Landtag gesammelt, auch wenn sie schon in den verschiedensten Bereichen aktiv waren: Als Gewerkschafter, in der globalisierungskritischen Bewegung Attac oder in der Kommunalpolitik. Ein bunter Haufen, so verschieden, wie die Abgeordneten bei ihrer Präsentation gekleidet sind. Nur Hermann Schaus, Gewerkschaftssekretär bei ver.di und Ex-SPD-Mitglied, trägt einen Anzug mit Krawatte. Der Wahlkampf habe alle enger zusammenrücken lassen, meint Janine Wissler, die mit 26 Jahren die jüngste Abgeordnete im Landtag sein wird.

Hilfe bei ihren ersten parlamentarischen Gehversuchen bekommen die Neulinge von der Konferenz der Fraktionsvorsitzenden der Linken, die Mitarbeiter nach Wiesbaden geschickt hat. Damit soll auch Querelen vorgebeugt werden, die nach dem Einzug der Linken in die Bremer Bürgerschaft für Negativ-Schlagzeilen sorgten. "Wir wollen es vermeiden, dass wir hier hanseatische Verhältnisse bekommen. Die hessischen reichen schon", sagt Wilken mit Blick auf die derzeit schwierige Suche nach einer Regierungsmehrheit.

Voraussichtlich Mitte Februar wird die Linke ihre ersten Räume im Landtag beziehen können. Und bis dahin kennen sich alle wahrscheinlich auch schon besser in den Gängen des Parlaments aus.

Von Jan Brinkhus, dpa