"Frustrationstoleranz bewiesen"Metzger liebt das Risiko
Die Diskussion um eine Annäherung von CDU und Grünen ist in vollem Gange, da verkündet der Ex-Grüne Metzger seinen CDU-Beitritt und strebt auch gleich ein Bundestagsmandat an.
Schritt für Schritt kommen sich die vermeintlich so grundverschiedenen Parteien CDU und Grüne in Baden-Württemberg näher. Gerade mal eine Woche ist es her, dass Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) seiner Partei im Bund nahelegte, sich den Grünen zu öffnen. Da klopft schon deren prominentes Ex-Mitglied Oswald Metzger an die Tür und strebt auch gleich im tiefschwarzen Oberschwaben für die Christdemokraten ein Bundestagsmandat an. Damit aber geht der 53-jährige Finanzexperte ein hohes Risiko ein. Denn bei der CDU in Biberach wollen auch altgediente Parteimitglieder den langjährigen Abgeordneten Franz Romer beerben. Der 66-Jährige wird 2009 voraussichtlich nicht wieder kandidieren.
Schon während der laufenden Pressekonferenz bekam Metzger einen Vorgeschmack auf die bevorstehende Kandidatenkür. CDU-Mitglied Christoph Burandt machte darauf aufmerksam, dass er für die Nominierung am 1. Juli bereits seinen Hut in den Ring geworfen habe. Auch dem Kreisvorsitzenden Josef Rief werden Ambitionen auf eine Bundestagskandidatur nachgesagt. Angeblich weiß der Kreisvorstand schon von weiteren Aspiranten. Fraglich ist auch, ob die von Metzger in früheren Wahlkämpfen scharf attackierten Christdemokraten diesen nun mir nichts, dir nichts auf den Schild heben, kaum dass er die Seite gewechselt hat. Eine Absprache über eine Kandidatur gab es jedenfalls nicht. Das betont auch Rief.
Ein streitbarer Querdenker
Aber Metzger liebt das Risiko, wenn es um seine politische Zukunft geht. So setzte er alles auf eine Karte, als die Grünen bei einem Parteitag in Freiburg ihre Landesliste für die Bundestagswahl 2002 aufstellten. Er kandidierte gleich auf den ersten Plätzen und verlor. Erst bei der Landtagswahl 2006 gelang ihm die Rückkehr in die aktive Politik. "Ich habe bereits eine ordentliche Frustrationstoleranz bewiesen", resümiert Metzger heute.
Zwar genießt er wegen seines wirtschafts- und finanzpolitischen Sachverstandes und seiner analytischen und rhetorischen Fähigkeiten auch in der CDU einiges Ansehen. Aber als streitbarer Querdenker wird er von seinen neuen Parteifreunden mit gemischten Gefühlen aufgenommen, zumal er damit auch schon für die Grünen zur Belastung geworden war. "In der CDU wird er sich viel stärker der Mehrheitsmeinung unterordnen müssen", heißt es in der Spitze der Südwest-CDU.
Offiziell hält sich die Führung der Regierungspartei CDU mit einer Bewertung des Parteieintritts zurück. Man möchte die Personalie Metzger auch nicht überbewerten. Der Generalsekretär der Südwest-CDU, Thomas Strobl, spricht bewusst von einem "normalen Aufnahmeantrag". Aber die Symbolwirkung dieses besonderen Mitgliederzuwachses wird auch nicht bestritten. Schließlich gehen CDU und Grüne in Hamburg an diesem Mittwoch schon in die dritte Verhandlungsrunde für das erste schwarz-grüne Bündnis in einem Bundesland. Und CDU-Chefin Angela Merkel erhofft sich ebenfalls mehr Spielraum durch einen weiteren potenziellen Koalitionspartner.
Parlamentsmandat nicht garantiert
Die von manchen Fernsehzuschauern in Talkshows geschätzte Geradlinigkeit Metzgers könnte ihm parteipolitisch zum Verhängnis werden. Denn schon vor ihm musste auch die frühere baden-württembergische Grünen-Politikerin Heike Dederer erkennen, dass der Übertritt in die CDU noch keine Garantie für ein Parlamentsmandat ist.
Die Landtagsabgeordnete hatte im Januar 2005 die Grünen-Fraktion verlassen und war in die CDU gewechselt, die daraufhin nur eine Stimme von der absoluten Mehrheit entfernt war. Aber bei der Nominierung für die Landtagswahl 2006 fiel sie im Wahlkreis Stuttgart 1 mit Pauken und Trompeten durch. Im vergangenen Oktober wurde dann bekannt, dass Dederer in Oettingers Regierungszentrale die Leitung einer Projektgruppe "Urbanes Leben" übernimmt.
Von Edgar Neumann und Berit Schmidt, dpa