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Stichwahl mit sich selbstMugabe kämpft mit allen Mitteln

26.06.2008, 14:42 Uhr

Robert Mugabe kämpft seine letzte Schlacht für die totale Kontrolle Simbabwes. Dafür ist ihm jedes Mittel recht. Wenn die Bürger Simbabwes am 27. Juni an die Wahlurne gebeten werden, stimmen sie besser für Mugabe, sonst haben sie ihn gegen sich.

Der distinguierte ältere Herr mit großer Brille und Hitler-Bart erläutert dem Wähler das Prozedere: "Wenn Sie für mich stimmen, werfen Sie Ihre Stimme in diese kleine, schwarze Box - wenn sie NICHT für mich stimmen, werden SIE selbst in diese große, schwarze Box gelegt." Der ältere Herr stellt Simbabwes Präsident Robert Mugabe dar, und die beiden Boxen Wahlurne und Sarg. Mit dieser Karikatur brachte Südafrikas Zeitung "The Citizen" auf den Punkt, was Millionen Simbabwern am 27. Juni bevorsteht: eine Wahl, die nach dem Rückzug von Oppositionschef Morgan Tsvangirai nur noch den Kandidaten Robert Mugabe kennt.

Sicherheitsbeamte berichteten Journalisten, dass sie mit allen Mitteln eine Massenmobilisierung sicherstellen sollen. "Mit allen Mitteln" schließt im heutigen Simbabwe auch den Einsatz brutaler Gewalt ein. Von enormer Spannung im Lande berichteten Beobachter am Vorabend der umstrittenen Abstimmung. In Todesangst sind mehrere hundert Anhänger von Tsvangirais Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) bereits abgetaucht, ins Ausland oder - wie Tsvangirai selbst - in ausländische Botschaften geflohen.

Staatsterror und Schikanen

"Das ist die letzte Schlacht für die totale Kontrolle Simbabwes durch die Simbabwer", heißt es auf Wahlplakaten in der gewohnten Befreiungskriegs-Rhetorik, hinter der Mugabe so gerne eigenes politisches Versagen versteckt. Die lokale Wahlbeobachter-Gruppe Zimbabwe Electoral Support Network (ZESN), deren Büros mehrfach durchsucht wurden, hat sich von der Abstimmung distanziert. Begründung: Der auch gegen sie gerichtete Staatsterror sowie Schikanen und schleppende Akkreditierung.

Hatte ZESN im ersten Wahlgang noch 8667 Beobachter akkreditiert, so wurden diesmal von 11.000 Anträgen auf Zulassung nur 500 gebilligt. Und bis vor einer Woche waren offiziell nur 86 Beobachter zugelassen worden. Die Gruppe äußerte sich zudem zutiefst besorgt über die Sicherheit ihrer Mitarbeiter. Einer von ihnen - Elliot Machipisa - wurde von Schlägertrupps getötet, 30 weitere wurden misshandelt, 200 sind abgetaucht. Die Polizei blieb trotz entsprechender Anzeigen passiv.

Der weltweiten Proteste zum Trotz

Und die vom regionalen Staatenverbund SADC geschickten 400 Beobachter können ohne staatliche Begleitung kaum ihre Hotels verlassen, geschweige denn landesweit den Wahlprozess beobachten. Der seit 28 Jahren regierende Amtsinhaber Mugabe will sich dennoch ungeachtet aller weltweiten Proteste durch eine Pseudo-Legitimität eine weitere Amtszeit sichern - auch wenn viele Staaten ihm schon jetzt eine Anerkennung für den absehbaren Fall des Sieges aberkennen.

Er will es der Welt noch einmal zeigen. Und so werden die Wähler gezwungen, ihren Part in einer Wahl zu spielen, die eher einer tragischen Parodie denn einer demokratischen Übung ähnelt. Sie könnte allerdings mit einer Überraschung enden. Denn obwohl sich Tsvangirai angesichts der Gewalt gegen seine Anhänger aus dem Rennen zurückgezogen hat, steht sein Name weiter auf dem Wahlzettel. Ein Kommentator im südafrikanischen Rundfunk warf daher bereits die Frage auf: "Was passiert, wenn die Masse der Wähler das Kreuz hinter Tsvangirais Namen macht, obwohl er gar nicht mehr kandidiert?"

Von Ralf E. Krüger, dpa