Archiv

Witzfigur kontra LichtgestaltMugabe wählt, Mandela feiert

27.06.2008, 15:00 Uhr

Während sich Mandela mit Klugheit, Güte und Umsicht zu einem der populärsten Politiker der Welt profilierte, versank Mugabe in weltweiter Verachtung.

Weltweit wurde gegen ihn protestiert und demonstriert, er wurde dämonisiert und bedrängt - doch völlig unbeirrt davon zog Simbabwes Präsident Robert Mugabe seine Strategie durch: eine Wahl mit nur sich selbst als Kandidaten. Landesweit war das Militär in Alarmbereitschaft. Mugabes Schlägertrupps hatten ein waches Auge auf Farbtupfer am Finger der Wähler - wer ihn nicht hatte, machte sich als Mugabe-Gegner verdächtig. Denn Alternativen gab es bei diesem Urnengang nicht mehr, seit sein Herausforderer Morgan Tsvangirai vor dem Staatsterror im Lande kapituliert hatte. Und Mugabe-Gegner stehen zurzeit mehr denn je im Visier der Gewalt.

Während der einst international gefeierte Politiker Mugabe einem neuen Tiefpunkt seiner Karriere entgegensteuerte, wurde sein südafrikanischer "Nachbar" Nelson Mandela am selben Tag auf einer Riesenparty gefeiert - ausgerechnet bei Simbabwes früheren britischen Kolonialherren, die Mugabe bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu verteufeln weiß. Selbst die Queen hat Mandela im Vorfeld seines 90. Geburtstag empfangen - nachdem sie Mugabe Stunden zuvor das "Sir" vor seinem Namen gestrichen hat. Eine zufällige Koinzidenz der Ereignisse, die aber kaum enthüllender sein kann.

Mandela klüger als Mugabe

Beide waren Hoffnungsträger und Freiheitshelden, beide zeichnet hoher Intellekt aus, beide waren Hätschelkinder des Westens. Doch Beobachter deuten seit Jahren darauf hin, dass Mugabes Niedergang begann, als Mandelas Stern zu leuchten begann. Denn die Gegensätze beider Männer könnten trotz vordergründiger Ähnlichkeiten kaum größer sein. Während Mandela klug genug für den rechtzeitigen Rückzug von der Macht war, klammert sich der fast sechs Jahre jüngere Mugabe nach 28 Jahren an der Spitze des Staates weiter daran.

Trotz aller diplomatischen Zurückhaltung konnte sich selbst Mandela kaum noch mit Kritik zurückhalten. Ein "tragisches Führungsversagen" bescheinigte er dem stets elegant gekleideten Mugabe, der wie er selbst lange Zeit Freund und Feind mit einem auf Ausgleich zwischen Schwarz und Weiß ausgerichteten Versöhnungskurs verblüfft hatte. "Er war ein strahlender Stern an unserem Firmament, jemand auf den wir stolz waren. Der Zerfall seiner Persönlichkeit ist schwer zu verstehen", hatte einst der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu über den Intellektuellen mit der schnarrenden Stimme und der geschliffenen Rhetorik gesagt.

Habgier und Größenwahn

Der früher weltweit respektierte Hoffnungsträger sei zur Witzfigur des afrikanischen Führers geworden. Kritiker meinen, das habe auch an der Lichtgestalt Nelson Mandela gelegen, die dem von Habgier und Größenwahn getriebenen Fan großrandiger Brillengestelle "die Schau" gestohlen habe. Er habe den Nimbus von Mugabe nach der Freilassung aus Apartheidhaft in den Schatten gestellt.

Während sich Mandela mit Klugheit, Güte und Umsicht zu einem der populärsten Politiker der Welt profilierte, versank Mugabe in weltweiter Verachtung und schlug auf der Suche nach Schuldigen fürs Chaos im Lande rhetorisch alte Schlachten. Obwohl auch Mandela ein Hang zum Personenkult nicht fern ist, setzt er ihn gewinnbringend mit Charme, Witz und Humor zugunsten karitativer Einrichtungen und zum Wohle seines Landes ein. Mugabe dagegen wird Selbstherrlichkeit und Realitätsferne bescheinigt, die auch vor einer Fehleinschätzung seiner politischen Fähigkeiten kaum Halt macht.

Von Ralf E. Krüger, dpa