Sonntag, 09. Oktober 2005
Vogelgrippe-Viren: Nicht immer gefährlich
Es gibt auch relativ ungefährliche Vogelgrippe-Viren. Mit denen sind zum Beispiel Wildenten an der Nord- und Ostseeküste infiziert. Bei Untersuchungen von Wildvögeln in den Jahren 2003 und 2004 fanden Forscher insgesamt 21 verschiedene Influenzaviren. Darunter waren auch schwach krank machende Varianten der so genannten H5-und H7-Vogelgrippe-Viren.
Die Gefahr ist, dass die relativ harmlosen Viren auf Geflügelbestände übergreifen und dann zu stark krankmachenden Erregern mutieren können. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) gab es eine solche Mutation des Subtyps H7N1 beispielsweise 1999 in Italien (14 Millionen tote Tiere) und beim Subtyp H7N7 im Jahr 2003 in den Niederlanden (30 Millionen). Das internationale Tierseuchenamt (OIE) hat seither eine strengere Anzeige- und Bekämpfungspflicht von schwach pathogenen das heißt schwach krank machenden -Viren herausgegeben. 2004 wurde in Kanada (H7N3 -20 bis 25 Millionen tote Tiere) ein Übertragungsweg von Wild- auf Hausgeflügel beobachtet. Welche molekularen Faktoren genau zur Mutation führen, ist noch unklar.
Als Ausgangspunkt der Vogelgrippe 2005 gilt ein schwach pathogenes Urvirus des H5-Subtyps. Dieses Virus mutierte 1996 in Südostasien zu einer stark pathogenen Variante (H5N1) beim Artenwechsel auf Hausgeflügel. Danach breitete sich das Virus in der Hausgeflügelpopulation Südostasiens aus. Wahrscheinlich wurde es vor allem durch den Geflügelhandel weitergegeben.
Als neu an der H5N1-Vogelgrippe gilt, dass sich Wildvögel über Hausgeflügel infizierten und im größeren Umfang erkrankten und verendeten. Daher muss nach Meinung von Experten nun auch die Übertragung durch Zugvögel in Betracht gezogen werden.