Politik

EU schützt vor Viehdieben: Nomaden werden sesshaft

Mit zusammengekniffenen Augen starrt Simpire Dido Wako in die scheinbar endlose Halbwüste im Norden Kenias. "Es war nicht einfach für uns, da draußen als Nomaden zu leben", sagt sie. "Wir hatten ständig Probleme mit Viehdieben. Einer meiner Söhne wurde bei einem Überfall schwer verletzt und wäre fast gestorben." Mit verschränkten Armen steht sie vor ihrer aus Zweigen, Stroh und Decken errichteten Rundhütte, der Wind zerrt an ihrer bunten Kette. "Dieses Dorf ist sicherer für uns, auch wenn es heißt, dass wir unsere Lebensweise ein Stück weit aufgeben müssen." Doch das Dorf biete schließlich auch neue Chancen.

Etwa 200 Haushalte der Gabra-Nomaden haben sich in dem Dorf Horigudha in North Horr, etwa 100 Kilometer südlich der äthiopischen Grenze, angesiedelt. Viehdiebstähle, meist von rivalisierenden Stämmen, deren Weidegründe sich mit denen der Gabra überschnitten, waren seit Jahren ein Problem.

Sesshaft mit EU-Hilfe

Seit die Nomaden mit Hilfe eines Projekts des Büros der EU-Kommission für humanitäre Aufgaben (ECHO) sesshaft wurden, müssen sie keine Überfälle mehr fürchten. Sie sind weit genug von den Grenzen der anderen Stämme entfernt, und Wasser, das größte Problem in der Wüste, gibt es in Horigudha das ganze Jahr hindurch. Gras und Sträucher wachsen nur spärlich, aber es reicht, um die Kamele und Ziegen der Dorfbewohner am Leben zu halten.

Roba Koto, Beamter des kenianischen Erziehungsministeriums und selbst in einer Nomadenfamilie aufgewachsen, sieht nicht nur in der erhöhten Sicherheit einen Vorteil für die Dorfbewohner. "Wenn die Familien nicht die ganze Zeit mit ihren Familien umherziehen, haben sie eine Chance, die Schule zu besuchen." Auch Horigudha hat eine kleine bescheidene Grundschule, in die fünf von Wakos Kindern gehen. "Meine Kinder gehen erst zur Schule, seit wir in diesem Dorf leben", gibt sie zu. "Als wir hierherzogen, habe ich von den anderen Frauen gehört, dass es gut ist, die Kinder lernen zu lassen."

Bildung für eine bessere Zukunft

Auch Konechoro Jarbo aus Galesa, einem anderen Dorf in North Horr, schickt seine vier Kinder in die Schule. "Ich will nicht, dass meine Kinder leiden so wie die Menschen aus meiner Generation", betont der 44-Jährige. "Wir kennen kein anderes Leben, aber unsere Kinder können eines Tages entscheiden, ob sie in der Stadt arbeiten oder auf dem Dorf bleiben wollen."

"Das Leben als Nomaden ist immer schwieriger geworden", ergänzt der 89-jährige Chmuro Sharamo Ali, ein hochgewachsener hagerer Mann mit weißem Bart. "Der Fluss hat weniger Wasser, es regnet weniger als in früheren Jahren. Wir könnten unsere Ziegen in der Wüste nicht länger am Leben halten." Die Brunnen, die Dürreschutzexperten von ECHO zusammen mit örtlichen Hilfsorganisationen bauten, versorgen Menschen und Herden. Als ECHO-Generaldirektor Peter Zangl vor kurzem die Menschen in den Dörfern von North Horr besuchte, schilderten ihm die Stammesältesten, wie Sesshaftigkeit und der Bau von Brunnen und Dämmen ihnen das Leben zwischen den langen Dürreperioden erleichtert.

Mit der Lebensmittelpreiskrise sind allerdings neue Probleme auf die Viehzüchter zugekommen. "Der Markt für Ziegenfleisch ist nicht sehr gut", sagt Ali stirnrunzelnd. "Die Leute haben kein Geld und verzichten lieber auf Fleisch. Für uns ist es zu teuer, das Vieh zu einem entfernten Markt zu transportieren." Jarbo nickt zustimmend. "Das macht es für uns auch schwieriger, Maismehl zu kaufen. Die Geschäfte akzeptieren nur Bargeld. Eine Ziege nehmen die nicht als Bezahlung an."

Eva Krafczyk, dpa

Quelle: n-tv.de